Schweiz

Beznau 2 abgeschaltet – Ensi gibt Entwarnung

Aktualisiert am 24.03.2012 148 Kommentare

Erst vor kurzem beteuerte Axpo-Chef Karrer, Beznau sei in einem Top-Zustand. Nun musste der älteste Reaktor der Welt abgeschaltet werden. Die Reparatur wird mehrere Tage dauern.

Fehler im Wasser-Kühlsystem: Atomkraftwerk Beznau.

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Der Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks Beznau ist am Freitagabend abgeschaltet worden. Grund dafür war eine Störung an einer der beiden Reaktorhauptpumpen, wie die Betreiberfirma Axpo (AXP10 109.4 0.09%) mitteilte. Es sei eine Störung am Wellendichtungssystem aufgetreten, hiess es im Communiqué. Die Betriebsmannschaft habe darauf entschieden, den Reaktor «gemäss der Betriebsvorschrift abzuschalten».

Die betroffene Pumpe dient dazu, das Kühlmittel im Primärkreislauf des Reaktors umzuwälzen. Im AKW Beznau stehen so genannte Druckwasserreaktoren im Einsatz. Bei diesem Typ dient Wasser als Kühlmittel. Im Primärkreislauf wird das Wasser durch den Kern des Reaktors geführt, wo es die erzeugte Energie in Form von Wärme aufnimmt.

«Beznau ist Weltklasse!»

Um die defekte Pumpe reparieren zu können, muss die Anlage laut Axpo abgekühlt werden. Dies werde mehrere Tage in Anspruch nehmen. Reaktorblock 1 sei von der Störung nicht betroffen und weiterhin am Netz. Beznau ist das älteste noch in Betrieb stehende AKW der Welt. Reaktorblock 2 ist seit 1971 in Betrieb und damit rund ein Jahr jünger als Block 1.

Erst vor zwei Wochen beteuerte Axpo-Chef Heinz Karrer, Beznau 1 und 2 seien in einwandfreiem Zustand: «Man hat immer sehr viel in die Sicherheitstechnik und die Sicherheitskultur investiert. Beznau ist Weltklasse!», so Karrer. Die nächste Grossüberprüfung durch das Ensi steht 2020 an.

«Befristung hat grosse Nachteile»

Nach dem Gerichtsurteil gegen das AKW Mühleberg hatten rot-grüne Politiker auch Beznau ins Visier genommen.

Karrer wehrte sich in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» gegen eine Beschränkung der Betriebsdauer. «Eine Befristung hat grosse Nachteile», begründet Karrer. «Man würde sich, je näher das Ende der Frist rückt, immer mehr überlegen, ob man überhaupt noch in dieses Kraftwerk investieren soll. Das ist für die Sicherheitsphilosophie nicht optimal.» Derzeit hat die Axpo für Beznau 1 und 2 eine unbefristete Betriebsbewilligung.

Stets in sicherem Zustand

Das Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi hat den Vorfall auf der Ereignisskala INES vorläufig dere Stufe Null zugeordnet (Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung). Das Ereignis werde im im Rahmen der ordentlichen Vorkommnisbearbeitung im Detail analysiert.

Auf der Ensi-Liste von meldepflichtogen Vorkommnissen wird der Pumpen-Defekt nicht aufgeführt. Dort publiziert die Behörde nur Ereignisse, die sie der Stufe 1 und höher zuordnet. Beznau 2 war laut Liste zuletzt Ende 2010 mehrfach von solchen Ereignissen betroffen.

Der Reaktor habe sich sich zu jeder Zeit in einem sicheren Zustand befunden, teilte das Ensi auf seiner Website weiter mit. Es sei zu keiner unzulässigen Freisetzung von Radioaktivität gekommen, die Sicherheit der Bevölkerung sei zu jeder Zeit gewährleistet gewesen. Der Reaktor könne wieder angefahren werden, wenn die Reparatur abgeschlossen und das Ensi davon überzeugt sei, dass keine sicherheitstechnischen Einwände bestünden. (ami/sda)

Erstellt: 24.03.2012, 16:09 Uhr

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148 Kommentare

Marc Bachmann

24.03.2012, 00:04 Uhr
Melden 164 Empfehlung 0

Na dann haben wir jetzt sicher schon die Stromlücke, wie die AKW's Lobbiysten uns ja immer weis machen wollen. Oder geht es eben doch auch anders, wenn man will? Antworten


Georges Graff

23.03.2012, 23:56 Uhr
Melden 161 Empfehlung 0

Ist ja noch harmlos. Was würde aber sein, wenn zufällig auch die Hilfspumpen nicht einsatzfähig wären, z.B. Wartugsarbeiten? Wir wissen inzwischen, dass auch bei abgeschalteten Reaktoren die Brennstäbe Jahrzehnte ununterbrochen weiter gekühlt werden müssen, sonst erfolgt Kernschmelze. Wer sieht so lange in die Zukunft? Verantwortung? Versicherung? zum Lachen? Supergau: nicht in der Schweiz? Antworten



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