Schweiz

«Bei weniger Boni steigen einfach die Fixlöhne»

Aktualisiert am 11.12.2009 5 Kommentare

Banker in Grossbritannien sollen bald die Hälfte ihres dicken Bonus an den Staat abliefern. Hierzulande werden solche Sondersteuern hingegen wohl kaum Realität.

Bleiben ohne Wirkung: Proteste gegen Bankenboni.

Bleiben ohne Wirkung: Proteste gegen Bankenboni.
Bild: Keystone

Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will das Bankpersonal zur Kasse bitten. Wie sieht es zu diesem Thema in der Schweiz aus? «In der Schweiz liesse sich eine solche Idee nicht einfach mit einem Federstrich realisieren,» sagt Delphine Jaccard, Sprecherin des Eidg. Finanzdepartements auf Anfrage der SDA.

Vorangehen müsste eine politische Debatte. Und wohl wären die Befürworter in der Minderheit. So begrüsst vorerst nur die Linke die Ankündigung der britischen Regierung, Boni ab umgerechnet knapp 42'000 Franken mit einer 50-prozentigen Sondersteuer zu belegen. «Dies belegt, dass anderswo Landes-Regierungen durchaus in der Lage sind zu handeln und Auswüchse gezielt bestrafen», teilte die SP mit.

Höhere Fixlöhne

Die bisherige Argumentation des Bundesrates, wonach sich ein wichtiger Finanzplatz einen solchen Schritt aus Wettbewerbsgründen im Alleingang nicht leisten könne, sei damit von London widerlegt worden, so die SP weiter.

Gar kein Lob bekommt der britische Premier Gordon Brown für seine Idee von der FDP. «Bei weniger Boni steigen einfach die Fixlöhne», ist FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher überzeugt. In einer Krise könnten Fixlöhne anders als Boni dann nicht gekürzt werden. Das gefährde die Stabilität der Banken.

Auch die Motivation für die Erhebung der Steuer scheint der FDP etwas zweifelhaft. «Was jetzt passiert, werden wir in nächster Zeit vermehrt sehen: Verschuldete Staaten fangen an, erfinderisch zusätzliche Steuern zu erheben», so Stefan Brupbacher. «Nur ausgeglichene Finanzen wie in der Schweiz verhindern das.»

Kein Mittel gegen Exzesse

Exzessive Boni gelten zwar - nebst löchrigen Kontrollsystemen - als einer der Auslöser der Krise. Banker wurden durch hohe Geldversprechen angeheizt, viel zu hohe Risiken einzugehen. Dass die Regierungschefs nun Wege suchen, die Mitverursacher an den Kosten zu beteiligen, ist - jedenfalls gemäss dem Kommentator der französischen Zeitung «L'est Républicaine « - zumindest eine symbolische Geste. Als Barriere für künftige Exzesse dient eine Steuer gemäss den bürgerlichen Parteien jedenfalls nicht.

Die FDP verweist als Rezept auf die von der Finanzmarktaufsicht Finma publizierten Vergütungsregeln, wonach Boni langfristig ausgerichtet sein müssen. Auch eine Kürzung der Boni ist möglich. Doch bestehe noch eine Rechtsunsicherheit. Heute könnten uneinsichtige Arbeitnehmer Boni einklagen. Dies wolle die FDP verhindern und habe darum eine entsprechende Motion eingereicht.

Für die SVP steht die Aktienrechtsrevision im Vordergrund. Die Partei wolle die Höhe der Boni indirekt regeln und nicht über eine Sondersteuer, sagte die stellvertretende SVP-Generalsekretärin Silvia Bär. «Wir wollen, dass die Aktionäre die Verwaltungsräte schneller absetzen können, wenn sie unzufrieden sind mit deren Boni- Bestimmungen».

Wenn, dann weltweit

Die CVP würde auf eine Sondersteuer-Diskussion erst dann einsteigen, wenn die Einführung weltweit zur Debatte stehen würde. «Es dürfte nicht sein, dass Standorte dadurch einseitig benachteiligt würden», sagte Sprecherin Marianne Binder.

Eine breite Einführung der Steuer steht aber sowieso in den Sternen. «Der Bund ist bisher von den Staaten in dieser Angelegenheit nicht kontaktiert worden», sagte Delphine Jaccard vom EFD. «Abzuwarten bleibt, ob die Sondersteuer in den beiden Ländern tatsächlich eingeführt wird». (sam/sda)

Erstellt: 11.12.2009, 12:35 Uhr

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5 Kommentare

Patrick Ryf

11.12.2009, 13:17 Uhr
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Die Boni-Diskussion ist nur Ablenkung. Der Staat wird dabei defacto nur an der Boni-Abzocke beteiligt und kann den Anschein erwecken etwas gegen die bösen Banker zu tun. Win-Win für beide Seiten. Die Hochfinanz hat Deckung, kann weiterhin kriminelle Derivate in Umlauf bringen und der Staat weiter inflationäres Geld ausgeben. Regierung, Banker und intl. Konzerne melken den Mittelstand gemeinsam. Antworten


Stefan Tomek

11.12.2009, 12:59 Uhr
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Wie so oft wird versucht die Auswirkungen zu bekämpfen, anstatt das "Übel" bei der Wurzel zu packen. Die Banken arbeiten u.a. mit den Kundengelder. Warum nicht, z.B. bei Hypothekarverträgen das Einverständnis zur Weitergabe (Verbriefung) verweigern? oder bei Kontoguthaben eine fifty-fifty Beteiligung am Gewinn von der Bank verlangen? Im letzteren Fall müsste allerdings der Gesetzgeber aktiv werden Antworten



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