Schweiz

Bauern müssen mehr leisten für ihr Geld

Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 24.03.2011 2 Kommentare

Der Bundesrat will die Landwirte mit finanziellen Anreizen zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit anhalten. Damit werde ihre Produktion gebremst,warnen die Bauern.

Sollen vom neuen Direktzahlungssystem am stärksten profitieren: Bergbauer.

Sollen vom neuen Direktzahlungssystem am stärksten profitieren: Bergbauer.
Bild: Reuters

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Kulturlandschaftsbeiträge, Versorgungssicherheitsbeiträge, Landschaftsqualitäts- und Ressourceneffizienzbeiträge. Für die Schweizer Bauern gibt es in den nächsten Jahren einiges neu zu lernen – und einiges an neuen Stellen abzuholen. 13,67 Milliarden Franken will der Bundesrat in die Agrarpolitik der Jahre 2014 bis 2017 investieren, 180 Millionen mehr als im letzten Vierjahreskredit. Und so viel, dass sich gar Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der als FDP-Nationalrat das Agrarbudget noch drücken wollte, gestern bei der Präsentation der Vorschläge um einige Nullen vertat.

Vom Sparen ist Schneider-Ammann als Agrarminister mittlerweile abgekommen, dafür will er nun erreichen, dass das Geld effizienter eingesetzt wird. Kernelement der neuen Agrarpolitik ist darum eine Umstellung des Direktzahlungssystems, die den Erhalt der Gelder stärker an die effektiven Leistungen der Bauern knüpft. Bislang zahlte der Bund einen grossen Teil dieser Gelder ohne spezifische Vorgaben für Land und Tiere aus: Pro Hektare Agrarland gab es zum Beispiel einen Pauschalbeitrag von 1040 Franken, für ein Rind im Schnitt 900 Franken. Damit schuf die Politik den Anreiz, Boden zu blockieren und möglichst intensiv Tierhaltung zu betreiben – beides mit negativen Folgen für die Kosten, die Preise und die Umwelt.

Effektive Leistung belohnen

Diesen Fehlanreiz will der Bundesrat nun korrigieren. Die pauschalen Tierbeiträge sollen ganz abgeschafft, jene für die Fläche reduziert werden. Stattdessen wird das Geld in jene Bereiche umgelagert, auf die das Volk mit dem Verfassungsartikel für eine multifunktionale Landwirtschaft den Akzent gelegt hat: Mit Versorgungssicherheitsbeiträgen wird belohnt, wer seinen Boden tatsächlich auch produktiv nutzt. Landschaftsqualitätsbeiträge erhält, wer zum Beispiel traditionelle Kulturlandschaften erhält. Ressourceneffizienzbeiträge kann beantragen, wer schonungsvoll mit Boden, Wasser und Luft umgeht. Und damit kein Bauer von einem Tag auf den anderen einen Einkommensschock erleidet, wird der Systemwechsel in den ersten Jahren mit sogenannten Anpassungsbeiträgen abgefedert. Unter dem Strich sollen die Bauern so effizienter, ökologischer und erfolgreicher produzieren. «Die neue Agrarpolitik stärkt die Wettbewerbsfähigkeit, sie erhöht das Einkommen der Bauern, und sie schont die Umwelt und die Artenvielfalt», warb Schneider-Ammann.

Die Bauern selber trauen diesem Versprechen indes nicht. Ihr Dachverband drohte umgehend damit, die Vorlage abzuschiessen, wenn nicht gravierende Mängel noch korrigiert würden. Die Bauern kritisieren primär, dass zu viel Geld in die Förderung von Ökologie und Landschaftspflege fliesse und zu wenig in die Produktion. «Bestraft werden jene Bauern, die Lebensmittel für die Versorgung der Bevölkerung produzieren», moniert der Bauernverband. Überdies befürchtet er, dass das Direktzahlungssystem noch komplizierter und letztlich auch unglaubwürdig werde. Dies auch darum, weil der Bund beim Bezug gewisser Leistungen künftig keine Grenzen mehr setzen will. Derzeit erhält ein Hof pro Standardarbeitskraft maximal 70 000 Franken an Direktzahlungen. Diese Grenze soll nun fallen, womit es noch mehr Höfe mit sechsstelligen Unterstützungsbeiträgen geben könnte.

Weniger Fleisch produzieren

Das Bundesamt für Landwirtschaft lässt die Kritik der Bauern nicht gelten. Es geht davon aus, dass sich die Nahrungsmittelproduktion trotz der Umlagerungen um rund 5 Prozent erhöhen wird. Profitieren wird dabei vor allem der Ackerbau, die Tierhaltung dürfte umgekehrt um 8 Prozent zurückgehen. Und was die hohen Direktzahlungen angeht, so stellt sich das Amt auf den Standpunkt, dass eine erbrachte Leistung unabhängig von den finanziellen Verhältnissen eines Bauern entschädigt werden soll.

Gleichzeitig betont das BLW, dass sich die Reform für den ganzen Bauernstand auszahlen werde. Die Einkommen sollen sich im Schnitt um 13 Prozent erhöhen, am stärksten in den Bergregionen. Auch darum betrachten linke Bauernorganisationen und die Kleinbauern die Vorlage anders als der Bauernverband als Chance. Zu wenig weit geht der Entwurf hingegen der Wirtschaft. Sie fordert, dass die heutigen Ineffizienzen noch rigoroser ausgeräumt würden, wozu auch ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU beitragen könnte. Zum Ärger der Bauern stellte sich gestern erneut auch Schneider-Ammann hinter dieses Projekt. Was dessen Chancen angeht, blieb er aber vorsichtig: «Wann und wie? Fragen Sie mich das nicht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2011, 22:44 Uhr

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2 Kommentare

Anton Grütter

24.03.2011, 07:43 Uhr
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Und schon jammern sie wieder medienwirksam. Ihre Absicht ist klar, früh schreien um mehr rauszuholen aus dem System. Die Zeiten haben sich massiv verändert, auch andere arbeiten unregelmässig, auf Abruf, 7 Tage die Woche, können nicht auf eigene Produkte zurückgreifen, teilen ihre Arbeit nicht selber ein. Sparprogramme prägen unsere Poltik, es ist ratsam wenn Bauern das auch wahrnehmen! Antworten


Sandor Megyessy

24.03.2011, 09:38 Uhr
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Mit 13,67 Milliarden Franken könnte man sehr viel für die Agglomerationen und ihre Bevölkerung (die Mehrheit der Schweizer) tun, anstatt eine Landwirtschaft zu subventionieren, die es nicht mal schafft genug Nahrung für die Schweiz oder wenigstens für die schweizer Kühe zu produzieren! Antworten



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