Schweiz

Bald die Mutter der Nation?

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 30.11.2011 46 Kommentare

Rösli Zuppiger wirbt seit Jahren für die traditionelle Familie. Bei der Bundesratskandidatur ihres Mannes spielt die Mutter und Stiefmutter eine Schlüsselrolle.

1/3 Archetyp der Mutter und Hausfrau: Rösli Zuppiger.
Bild: Nathalie Guinand / Tages-Anzeiger

   

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Er stamme nicht aus dem Zürcher Oberland, sondern aus Zug und St. Gallen, sagte Bruno Zuppiger am Montagabend, als er seine Kandidatur für den Bundesrat bekannt gab. Damit entkräftete er nicht nur den Vorwurf, dass die 10'000-Einwohner-Gemeinde Hinwil mit zwei Mitgliedern im Bundesrat stark übervertreten wäre. Er suggerierte auch: Ich bin zwar ein SVP-Politiker, aber trotzdem so emanzipiert, dass ich meiner Frau hinterherziehe und nicht umgekehrt. Gleichzeitig verwies Zuppiger damit implizit auf seine Frau, die manchen Kreisen mindestens so bekannt ist wie er selber.

Rösli Zuppiger tritt seit Jahren in den Medien auf, um für die traditionelle Familie zu werben. Dabei stösst sie die Zuschauer schon mal vor den Kopf, wenn sie in der TV-Sendung «Club» von egoistischen Scheidungseltern erzählt und Unverständnis darüber äussert, dass Eltern berufstätig sind, obwohl sie es finanziell nicht unbedingt nötig hätten.

Schwierige Zeiten

Dabei ist der Lebenslauf der 45-Jährigen gar nicht so konventionell, wie man annehmen würde. Drei ihrer fünf Kinder waren schon auf der Welt, als Rösli Zuppiger mit 25 Jahren «eine Familie heiratete». Die Begleitung der heranwachsenden Kinder, deren Mutter gestorben war, bezeichnet sie als grösste Herausforderung ihres Lebens. Es sei eine schwierige Zeit gewesen, sie habe ausbrechen wollen, «wir waren alle überfordert», wird sie von Medien zitiert. Es kamen zwei weitere Kinder hinzu, die mittlerweile 15 und 17 Jahre alt sind.

In der Diskrepanz dieser beiden Rollen, Stiefmutter und richtige Mutter, liegt der Grund für ihr gesellschaftspolitisches Engagement. Mit der Geburt der eigenen Kinder habe sie gemerkt, welche «Kraft in der Urbeziehung» zwischen Mutter und Kind liege, sagt sie, eine Erfahrung, die ihr bei den grösseren Kindern verwehrt geblieben sei. Sie gelangte zur Überzeugung, dass Eltern so viel wie möglich für ihren Nachwuchs da sein sollten und sie entschied sich, den Eltern, die das tun, Mut zu machen.

Sprecherin der Hausfrauen

Es folgten Medienauftritte in der «Arena» und im «Club». 2008 erschien ihr Buch «Nestwärme für Kinder, Blutwurst für den Bundesrat» mit Geschichten aus dem Alltag, das Vorwort stammt von Bundesrat Ueli Maurer. Rösli Zuppiger will, da sie sich als Politikergattin in einer privilegierten Situation befinde, etwas weitergeben. Beispielsweise als Tagesmutter oder mit Besuchen im Altersheim. Doch sie setzt sich mit politischen Statements auch ab und zu in die Nesseln. «Muss ich mich bald entschuldigen, dass ich noch verheiratet bin?», fragte sie kürzlich im «Landboten» und ärgerte sich darüber, dass eine Zeitschrift ausschliesslich negative Leserbriefe auf ihren Artikel veröffentlicht hat, obwohl auch andere vorhanden gewesen seien.

Selber wird die zierliche Frau mit der hohen Stimme laut, sobald jemand der Hausfrauenarbeit zu wenig Wertschätzung entgegenbringt. «Wenn ich daheim bei meinen Kindern bin, verschleudere ich nicht meine Kapazitäten», unterbrach die gelernte kaufmännische Angestellte im «Club» eine Kontrahentin, die von Ressourcenverschleuderung sprach, wenn gut ausgebildete Frauen daheim bleiben. Zuppiger ist überzeugt: «Wenn die Kinder nach der Schule nicht den Eltern ihr Herz ausschütten können, greifen sie zu Drogen, Zigaretten und machen Unfug. Dabei sind ihre Standpunkte nicht so felsenfest. Als würde sie selber merken, wie wenig eigene Erfahrungen für die Allgemeingültigkeit taugen, sagt sie auch: «Es gibt Mütter, die sind zu stark auf ihre Kinder fokussiert.» Oder: «Natürlich gibt es arbeitende Eltern, die ihre Fürsorge gegenüber den Kindern vorbildlich wahrnehmen. Das ist Charaktersache.»

Der Mann ist selten daheim

Schon einmal war der Titel der Bundesratsgattin zum Greifen nahe für Rösli Zuppiger, die Mutter der Nation. Als Samuel Schmid 2008 zurücktrat, interessierte sich Bruno Zuppiger für das Amt, musste aber dem Kandidatenticket Christoph Blocher und Ueli Maurer den Vortritt geben. Wegen abweichender Positionen war der Oberst und Gewerbeverbands-Direktor bei der Parteileitung schon mal vorübergehend in Ungnade gefallen.

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, Blocher höchst persönlich hat den 59-jährigen Zuppiger gebeten zu kandidieren. Seine Chancen sind gut, er erfüllt die Anforderungen an Bekanntheit und Erfahrung, die andere Parteien an einen potenziellen neuen SVP-Bundesrat stellen. Dass er seine heranwachsenden Kinder als Bundesrat kaum mehr sehen würde, wäre nicht neu. Sie sehe ihren Mann meistens weder morgens noch abends, sagte Rösli Zuppiger einmal. «Aber wir telefonieren oft.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2011, 12:41 Uhr

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46 Kommentare

Xaveer Inderbitzin

30.11.2011, 13:17 Uhr
Melden 120 Empfehlung 0

"dass Eltern berufstätig sind, obwohl sie es finanziell nicht unbedingt nötig hätten"
-
Mag vielleicht für ein paar SVP-Millionäre und Erben von Landwirtschafsland/Bauland gelten.
Für die Mehrheit jedoch heissts je länger je klarer: Ein Einkommen reicht nicht. Ist ja nicht zuletzt die SVP, die sich gegen Mindestlöhne stemmt.
Antworten


Anne-Sophie Meier

30.11.2011, 13:18 Uhr
Melden 75 Empfehlung 0

Ist das die traditionelle Familie - ein abwesender Vater? Traurig und ein schlechtes Vorbild für junge Familien. Antworten



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