Schweiz
«Bahnfahren in der Schweiz ist selbstverständlich sicher»
Aktualisiert am 11.03.2013 16 Kommentare
Kein Muster: Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon vor den Medien in Bern. (Video: Keystone )
Im Bahnhof von Cossonay VD fährt eine Lokomotive über das Ende eines Stumpengleises hinaus und stürzt in einen Bach. (Video: Keystone )
Dossiers
Artikel zum Thema
- «Noch ist von einem Zufall auszugehen»
- Lokomotive aus Bach zurück auf Schienen gehievt
- Rangierlokomotive stürzt in Bach
- SBB-Strecke Bern-Freiburg wieder befahrbar
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Seit Anfang Jahr haben sich auf dem Schienennetz der SBB zehn Unfälle ereignet. Der gravierendste war der Zusammenstoss zweier Züge in Neuhausen SH mit 26 Verletzten. Die SBB kommen nach einer ersten Analyse zum Schluss, dass es zwischen den Unfällen keinen Zusammenhang gebe.
Die Häufung seit Anfang Jahr sei ungewöhnlich, sagte Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon vor den Medien in Bern. Es liege aber kein Muster vor, das auf systematische Probleme hindeute. Mit Ausnahme von drei Signalzwischenfällen hätten die Unfälle keinen gemeinsamen Nenner.
Überlastung kein Grund
Klar scheint den Verantwortlichen, dass die Ursachen nicht in einer Überlastung des Netzes zu suchen sind. Die Infrastruktur sei zwar stark belastet, sagte Sicherheitschef Hans Vogt im Anschluss an die Medienkonferenz. Die SBB machten aber alles, damit sie nicht ans Limit komme.
«Bahnfahren in der Schweiz ist selbstverständlich sicher und wird sogar immer sicherer», sagte Vogt. Dies belegen die von der SBB präsentierten Zahlen zu Unfällen: Zusammenstösse und Entgleisungen werden immer weniger, unterliegen aber Schwankungen. Auch die Zahl der Signalfälle nehmen den Statistiken zufolge ab.
Risiken bekannt - Massnahmen ergriffen
Untersucht werden die Ereignisse von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust). Aber auch die SBB analysieren derzeit jeden einzelnen Zwischenfall. Zum Teil werden dazu auch externe Gutachten in Auftrag gegeben.
Dabei werde die Wirksamkeit von bereits getroffenen Massnahmen geprüft, und – falls nötig – würden zusätzliche Massnahmen ergriffen, sagte Vogt. «Wenn wir Risiken feststellen, reagieren wir sofort.» Erste Analysen der Ereignisse hätten keine Grundrisiken gezeigt, die nicht schon früher erkannt worden waren.
Intensive Zugsicherungsarbeiten
Jährlich nähmen die SBB Risikoabschätzungen vor und ergriffen darauf basierend Massnahmen. So steckten die SBB schon länger vermehrt Mittel in die Zugsicherung: Sie ersetze alte Signale und rüste Signalpunkte mit Geschwindigkeitsüberwachung aus. Dadurch werde das Sicherheitsniveau trotz Mehrverkehr noch gesteigert.
In Neuhausen SH, wo am 10. Januar ein SBB-Doppelstockzug und eine Thurbo-Komposition zusammenstiessen, wird das veraltete Signal gar vorzeitig ersetzt.
Konkret beobachteten die SBB nach den Vorfällen auch den Meldeprozess zwischen Lokführern und Betriebsführung und den Freigabeablauf nach Bauarbeiten. Weiter werden Lieferfirmen und Drittunternehmen verstärkt auf Sicherheit getrimmt und die Verladevorschriften besser geschult.
Situation bei Lokführern unter der Lupe
Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem Personal. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) schreibt in einer Mitteilung, dass die Produktivität bis ans Äusserste gesteigert werde und warnt vor Folgen.
Beispielsweise würden Pikett-Dienste reduziert, sodass weniger kompetente Leute auf dem Streckennetz verteilt seien, sagte SEV-Sprecher Peter Moor der Nachrichtenagentur sda. Dies führe etwa zu längeren Wartezeiten bei technischen Störungen oder Zwischenfällen.
Bei den Lokführern würden die Lenkzeiten – innerhalb der sozialpartnerschaftlichen Vereinbarungen – ausgeschöpft, was unter anderem zu kürzeren Pausen und Wendezeiten führe. Da stelle sich schon die Frage, ob das Personal technisch so abgesichert sei, dass nichts passiere. «Die Lokführer sind nicht überfordert, aber überlastet», sagte Moor.
Die SBB weist den Vorwurf zurück – und will die Lokführersituation laut Vogt dennoch «ohne Tabu» überprüfen.
SBB Infrastruktur spart nicht
Zugleich wird Vogt nicht müde zu erklären, dass bei der Infrastruktur in den vergangenen Jahren beim Personal keine Abstriche gemacht worden seien. Im Gegenteil, die Zahl der Mitarbeitenden sei innerhalb von fünf Jahren von 9200 auf 9700 gestiegen.
350 Mitarbeitende hätten vergangenes Jahr 3526 Streckenkilometer, 14'058 Weichen, 8048 Fahrleitungskilometer, 534 Tunnel, 400 Lärmschutzwandkilometer, 8671 Schutzwälder, 29'880 Signale und 418 Perronkantenkilometer überwacht. «40 Streckeninspektoren schreiten das über 3000 Kilometer lange Schienennetz alle 14 Tage komplett zu Fuss ab» und umrunden dabei pro Jahr die Welt vier Mal.
Auch seien letztes Jahr mehr Mittel für das Netz – das meistbefahrene in Europa – eingesetzt worden: 552 Millionen Franken für den Unterhalt und 1,1 Milliarden für den Substanzerhalt.
Die unmittelbaren Kosten und Folgekosten der Zwischenfälle konnten die SBB noch nicht beziffern. Laut Gauderon belaufen sie sich auf Millionenhöhe. Die SBB seien aber für solche Fälle versichert. (mw/sda)
Erstellt: 11.03.2013, 16:06 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
16 Kommentare
Das mag ja alles stimme - auch, dass es sich nicht um ein systemisches Problem handelt. Aber nur im engeren Sinn. In einem weitergefassten Rahmen lassen sich einige Fakts nicht weg argumentieren: Stäbe wurden ausgebaut, meistens mit Leuten aus anderen Branchen, Spaltung in Basis und Teppichetage mit eingeschränkter Kommunikation. Und der viel zu hohe Lohn von CEO Meyer, doppelt soviel wie ein BR. Antworten
@Paul Zürcher; Sie haben das Richtige angesprochen. Rationalisiert wurde beim unteren Angestellten, dafür verdienen die höheren Etagen mehr. Nicht Branchenfremdheit ist der Grund, nein, solange das Parteibüchlein und nicht die Arbeitsqualität zählt, solange haben wir schlechte Führungsgremien und das bei allen Parteien. Qualitäten statt Beziehung oder Partei sollte das Motto werden. Antworten
Schweiz
- 15:13CVP und EVP-Fraktion gegen befristete AWK-Laufzeiten
- 14:32«Bei gewissen Produkten sind die Regeln nicht ideal»
- 12:34Zwei lange Tunnels verbinden ab 2025 Schwyz und Uri
- 11:35Innerschweizer Finanzdirektoren auf «Tour de Berne»
- 09:05Welche Ziele China mit dem Abkommen verfolgt
- 08:47«Jetzt sollte man nicht jammern, dass die Initiative umgesetzt wird»
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.
Alles für Abonnenten und Abonnentinnen
Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".


Bitte warten



























