«Bahnfahren in der Schweiz ist selbstverständlich sicher»

Die Verantwortlichen der SBB haben sich zur Häufung von Unfällen in jüngster Zeit geäussert. Ein Zusammenhang bestehe nicht. Die Gewerkschaft bemängelt derweil die Situation der Lokführer.

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Seit Anfang Jahr haben sich auf dem Schienennetz der SBB zehn Unfälle ereignet. Der gravierendste war der Zusammenstoss zweier Züge in Neuhausen SH mit 26 Verletzten. Die SBB kommen nach einer ersten Analyse zum Schluss, dass es zwischen den Unfällen keinen Zusammenhang gebe.

Die Häufung seit Anfang Jahr sei ungewöhnlich, sagte Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon vor den Medien in Bern. Es liege aber kein Muster vor, das auf systematische Probleme hindeute. Mit Ausnahme von drei Signalzwischenfällen hätten die Unfälle keinen gemeinsamen Nenner.

Überlastung kein Grund

Klar scheint den Verantwortlichen, dass die Ursachen nicht in einer Überlastung des Netzes zu suchen sind. Die Infrastruktur sei zwar stark belastet, sagte Sicherheitschef Hans Vogt im Anschluss an die Medienkonferenz. Die SBB machten aber alles, damit sie nicht ans Limit komme.

«Bahnfahren in der Schweiz ist selbstverständlich sicher und wird sogar immer sicherer», sagte Vogt. Dies belegen die von der SBB präsentierten Zahlen zu Unfällen: Zusammenstösse und Entgleisungen werden immer weniger, unterliegen aber Schwankungen. Auch die Zahl der Signalfälle nehmen den Statistiken zufolge ab.

Risiken bekannt - Massnahmen ergriffen

Untersucht werden die Ereignisse von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust). Aber auch die SBB analysieren derzeit jeden einzelnen Zwischenfall. Zum Teil werden dazu auch externe Gutachten in Auftrag gegeben.

Dabei werde die Wirksamkeit von bereits getroffenen Massnahmen geprüft, und – falls nötig – würden zusätzliche Massnahmen ergriffen, sagte Vogt. «Wenn wir Risiken feststellen, reagieren wir sofort.» Erste Analysen der Ereignisse hätten keine Grundrisiken gezeigt, die nicht schon früher erkannt worden waren.

Intensive Zugsicherungsarbeiten

Jährlich nähmen die SBB Risikoabschätzungen vor und ergriffen darauf basierend Massnahmen. So steckten die SBB schon länger vermehrt Mittel in die Zugsicherung: Sie ersetze alte Signale und rüste Signalpunkte mit Geschwindigkeitsüberwachung aus. Dadurch werde das Sicherheitsniveau trotz Mehrverkehr noch gesteigert.

In Neuhausen SH, wo am 10. Januar ein SBB-Doppelstockzug und eine Thurbo-Komposition zusammenstiessen, wird das veraltete Signal gar vorzeitig ersetzt.

Konkret beobachteten die SBB nach den Vorfällen auch den Meldeprozess zwischen Lokführern und Betriebsführung und den Freigabeablauf nach Bauarbeiten. Weiter werden Lieferfirmen und Drittunternehmen verstärkt auf Sicherheit getrimmt und die Verladevorschriften besser geschult.

Situation bei Lokführern unter der Lupe

Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem Personal. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) schreibt in einer Mitteilung, dass die Produktivität bis ans Äusserste gesteigert werde und warnt vor Folgen.

Beispielsweise würden Pikett-Dienste reduziert, sodass weniger kompetente Leute auf dem Streckennetz verteilt seien, sagte SEV-Sprecher Peter Moor der Nachrichtenagentur sda. Dies führe etwa zu längeren Wartezeiten bei technischen Störungen oder Zwischenfällen.

Bei den Lokführern würden die Lenkzeiten – innerhalb der sozialpartnerschaftlichen Vereinbarungen – ausgeschöpft, was unter anderem zu kürzeren Pausen und Wendezeiten führe. Da stelle sich schon die Frage, ob das Personal technisch so abgesichert sei, dass nichts passiere. «Die Lokführer sind nicht überfordert, aber überlastet», sagte Moor.

Die SBB weist den Vorwurf zurück – und will die Lokführersituation laut Vogt dennoch «ohne Tabu» überprüfen.

SBB Infrastruktur spart nicht

Zugleich wird Vogt nicht müde zu erklären, dass bei der Infrastruktur in den vergangenen Jahren beim Personal keine Abstriche gemacht worden seien. Im Gegenteil, die Zahl der Mitarbeitenden sei innerhalb von fünf Jahren von 9200 auf 9700 gestiegen.

350 Mitarbeitende hätten vergangenes Jahr 3526 Streckenkilometer, 14'058 Weichen, 8048 Fahrleitungskilometer, 534 Tunnel, 400 Lärmschutzwandkilometer, 8671 Schutzwälder, 29'880 Signale und 418 Perronkantenkilometer überwacht. «40 Streckeninspektoren schreiten das über 3000 Kilometer lange Schienennetz alle 14 Tage komplett zu Fuss ab» und umrunden dabei pro Jahr die Welt vier Mal.

Auch seien letztes Jahr mehr Mittel für das Netz – das meistbefahrene in Europa – eingesetzt worden: 552 Millionen Franken für den Unterhalt und 1,1 Milliarden für den Substanzerhalt.

Die unmittelbaren Kosten und Folgekosten der Zwischenfälle konnten die SBB noch nicht beziffern. Laut Gauderon belaufen sie sich auf Millionenhöhe. Die SBB seien aber für solche Fälle versichert. (mw/sda)

(Erstellt: 11.03.2013, 16:06 Uhr)

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Kein Muster: Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon vor den Medien in Bern. (Video: Keystone )

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