Schweiz
«Ausdruck einer gewissen Dekadenz»
Aktualisiert am 01.10.2012 33 Kommentare
«Die Schweiz ist eine internationale Schaltstelle»: Albert A. Stahel vom Institut für Strategische Studien, Wädenswil (ZH). (Bild: Keystone / Lukas Lehmann)
Artikel zum Thema
- Die UBS gab den entscheidenden Tipp
- Der Courant-normal-Mensch
- Wieso der Datendiebstahl nicht erst am Sonntag in der Zeitung stand
- Datendiebstahl beim Schweizer Geheimdienst
Teilen und kommentieren
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Herr Stahel, etwas polemisch gefragt: Was gibt es in der Schweiz eigentlich zu spionieren?
Eine Menge! Die Schweiz ist eine internationale Schaltstelle. Auch und gerade für Grossmächte. Schliesslich hatte China jahrelang eine hohe Anwesenheit von Militärattachés in der Schweiz. Und der Uno-Sitz in Genf ist zwar historisch gewachsen, erhält aber eine immer grössere Bedeutung in der internationalen Diplomatie.
Aber geht das nicht alles bloss die Diplomaten und die Uno etwas an?
Wegen ihrer Funktion als internationale Schaltstelle ist die Schweiz für ausländische Nachrichtendienste sehr wichtig. Nur schon die Information, dass ein ausländischer Staatschef schwer krank ist und nicht mehr reisen kann, ist wertvoll.
Trotzdem hat man den Eindruck, dass die wertvollen Daten der Schweiz ohnehin auf den Computern von Hochfinanz und Industrie lägen.
Das ist eine weitere Fehlbeurteilung. Die Schweiz ist nicht nur eine wirtschaftliche Macht, sondern wegen ihrer Funktion als Schaltstelle und auch wegen ihres Wirtschaftspotenzials eine politische Macht. Die rege Tätigkeit von Diplomaten auf unserem Boden und die Aussenpolitik unserer Regierung sind für ausländische Nachrichtendienste höchst interessant. Und dies bestimmt auch den Informationsaustausch zwischen unserem Nachrichtendienst mit anderen Nachrichtendiensten.
In welcher Form?
Der eben geschnappte Fast-Spion kopierte ja riesige Mengen E-Mails auf seine gestohlenen Festplatten. Das ist genau die Möglichkeit, mit der der internationale Austausch erkennbar wird. Daraus werden der Mailverkehr und der Datenaustausch erfassbar.
Wer also NDB-Mails kauft, kommt auch an Daten anderer Länder heran?
Genau. Über geheime Dokumente wird ja nicht nur geschrieben, sie werden oft in Mails verschlüsselt erwähnt. Die Entschlüsselung des Austauschs dürfte auch die Erfassung der Informationen ermöglichen.
Umso unverständlicher, dass der NDB es zulässt, dass ein Mitarbeiter sich über Jahre hinweg in eine gefährliche Paranoia steigerte.
Allerdings. Offenbar misst man in der Bundesverwaltung der Sicherheitsabklärung von Mitarbeitern immer noch zu wenig Gewicht bei. Ich sehe dies als Ausdruck einer gewissen Dekadenz. Offenbar will man nicht erkennen, wie wichtig die Absicherung von nachrichtendienstlichen Daten ist.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.10.2012, 14:58 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
33 Kommentare
Das Problem von unseriösen ITlern hat bekanntlich nicht nur der NDB alleine.
In vielen Firmen wird die Rolle der Informatik falsch eingeschätzt, nach dem Motto: IT kostet nur und ist nicht das Kerngeschäft - IT interessiert die GL nada - es soll 'nur funktionieren'. Konsequenz: Rekrutierung von fachlich und moralisch mangelhaften Mitarbeitern, was zu sicherheitstechnisch schlechten Konzepten führt
Antworten



Bitte warten


























