«Auf Seilbahnen besteht ein Restrisiko»
Von Fabienne Riklin. Aktualisiert am 18.01.2010 2 Kommentare
«Rund 80 Prozent der Unfälle werden von Menschen verursacht»: Reto Canale ist Direktor der Kontrollstelle für Seilbahnen und Skilifte (IKSS).
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Herr Canale, am Samstag ist eine unbesetzte Seilbahngondel der La-Videmanette-Bahn aus dem Seil gesprungen und rund 30 Meter in die Tiefe gestürzt, wie kann so etwas passieren?
Ich kenne die genauen Umstände dieses Ereignisses nicht. Aber auch auf Seilbahnen besteht trotz jährlichen Prüfungen immer ein Restrisiko. Rund 80 Prozent der Unfälle werden von Menschen verursacht, also von Fahrgästen und Seilbahnmitarbeitern. Die restlichen Unfälle sind auf technische Mängel, äussere Umstände wie beispielsweise Wind und Lawinen zurückzuführen.
Zurzeit ist in den Bergen Hochsaison. Wie sicher sind die Seilbahnen in der Schweiz?
Die sind extrem sicher. Wenn ich Ski fahren gehe, dann fühle ich mich auf den Bahnen am sichersten. Im Ausland würde ich dies aber nicht überall unterschreiben können.
Mit welchen Worten beruhigen Sie verunsicherte Leser?
Die Wahrscheinlichkeit, auf der Piste einen Unfall zu haben ist rund 10’000-mal grösser, als auf einer Seilbahn zu verunglücken.
Wie oft passieren Unfälle in der Schweiz?
Selten. Von den 400 Millionen Passagieren, welche die rund 3000 Anlagen in der Schweiz letztes Jahr transportierten, kamen weniger als 20 Personen zu Schaden.
Wie viele ereigneten sich auf Luftseilbahnen?
Auf kantonal bewilligten Anlagen, also bei 2500 Anlagen, nur gerade ein einziger. Die übrigen betrafen Skilifte und Sesselbahnen.
Wieso das?
Vor allem weil die Fahrgäste sich nicht an die Regeln gehalten haben, Slalom gefahren sind oder beim Sessellift nicht korrekt ausgestiegen sind.
Dann täuscht der Eindruck, dass Seilbahnunglücke zugenommen haben?
Ja. Seit dem neuen Seilbahngesetz von 2007 sind die Pflichten klarer definiert, alle Bahnen werden jährlich überprüft. Zudem kommen wir auch einmal im Jahr mit 20 Ländern zusammen und diskutieren die Unfälle. Dies ermöglicht es uns, zusätzliche Präventionsmassnahmen zu ergreifen.
Wie oft werden die Seilbahnen in der Schweiz geprüft? Worauf wird dabei geachtet?
Die Experten unserer Kontrollstelle prüfen die Luftseilbahnen jedes Jahr, die Skilifte alle zwei Jahre. Im Vergleich zum Ausland ist dies ein sehr intensiver Rhythmus. Es geht dabei nicht darum, die Betreiber in die Pfanne zu hauen, sondern die Leute auch zu beraten. Deshalb ist es möglich, dass wir so tiefe Unfallzahlen haben. Die Seilbahnbetreiber in der Schweiz arbeiten sehr seriös. Zudem müssen sie jährlich unterschreiben, dass sie sich den Aufgaben bewusst sind. Das heisst, es werden bei einem Unfall auch die Verwaltungsräte in die Pflicht genommen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.01.2010, 15:18 Uhr
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