Schweiz

Raphaela Birrer
Redaktorin News


«Zu wenig Schlaf, zu viel Stress, zu schweres Essen»

Aktualisiert am 04.10.2012

Der umtriebige GLP-Präsident Martin Bäumle hat einen Schwächeanfall erlitten. Dennoch erteilt er Forderungen nach einem Berufsparlament eine Absage. Stattdessen müsse der mediale Druck abnehmen.

Stets auf allen Kanälen präsent: GLP-Präsident Martin Bäumle. (Archivbild)

Stets auf allen Kanälen präsent: GLP-Präsident Martin Bäumle. (Archivbild)

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Martin Bäumle ist nichts weniger als das Gesicht der aufstrebenden GLP – noch immer. Trotz des Wahlerfolgs im vergangenen Herbst und trotz neuen grünliberalen Bundesparlamentariern hat sich noch kein Mitglied der Jungpartei aus seinem Schatten gelöst. Der zeitintensive Einsatz für seine Partei und die Omnipräsenz auf allen Kanälen zeitigen beim 48-Jährigen nun aber offenbar Wirkung: Die «Weltwoche» meldet in ihrer aktuellen Ausgabe, dass nach SVP-Nationalrätin Natalie Rickli auch GLP-Präsident Bäumle gesundheitliche Probleme habe.

Er habe letzte Woche einen Schwächeanfall erlitten, bestätigt Bäumle gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Ich verspürte einen starken Druck auf der Brust – das versetzt einen natürlich in Angst.» Medizinisch sei er bei Abklärungen jedoch rasch beruhigt worden, so der GLP-Präsident. Dennoch habe ihn dieses «ernst zu nehmende Signal» seines Körpers alarmiert. «In der dritten Sessionswoche bin ich eindeutig über meine Belastungsgrenze hinausgegangen», räumt er ein. Zu wenig Schlaf, zu viel Stress, zu viel und zu schweres Essen – diese ungesunde Kombination habe bei ihm wohl die körperlichen Beschwerden hervorgerufen. «Ich habe offenbar die Grenzen meiner Kräfte erreicht, das hat mich beunruhigt», gesteht Bäumle ein. Dabei sei er zuvor gut zehn Jahre nicht mehr beim Arzt gewesen.

Ankündigungen wahrmachen

Der Vollblutpolitiker will aus dem Vorfall Konsequenzen ziehen. Künftig nehme er sich bewusst Auszeiten, sagt er. Indes: Eine Verbreiterung der GLP-Führung, wie sie Bäumle zu seiner Entlastung bereits mehrfach angekündigt hat, konnte er nach wie vor nicht umsetzen. Ein verhängnisvolles Versäumnis? «Nein, aber wir müssen nun endlich das schrittweise realisieren, was ich mir schon lange vornehme: mehr Ruhephasen einhalten sowie Arbeit und Verantwortung abgeben», antwortet Bäumle mit jener Inbrunst, mit der er sich auch in neue politische Projekte begibt.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Bäumle in der Vergangenheit nötige Schritte eingeleitet. Fraktionschefin Tiana Angelina Moser entlastet den Dübendorfer bereits administrativ und koordinativ. Zudem kümmert sich eine persönliche Assistentin um die Öffentlichkeitsarbeit und um seinen Terminkalender. Aber für die GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer», für mehr Nachhaltigkeit generell und für den Aufbau neuer GLP-Sektionen auf kantonaler Ebene kämpft Bäumle persönlich nach wie vor an vorderster Front. Ob Auftritte an Podien, in Fernsehsendungen oder im Nationalrat: Dieser Mann wirkt stets energiegeladen und auf sein Mandat fokussiert. Und so soll es trotz des Schwächeanfalls auch weiter gehen. «Ich werde nun alle meine Kräfte für die GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» bündeln. Es ist meine Aufgabe als Parteichef, die ökologische Steuerreform an vorderster Front auf Kurs zu bringen.» Bäumles Kürzertreten dürfte insofern also bis Ende Jahr eher moderat ausfallen.

Persönliche Assistenten als Lösung

Natalie Ricklis Burn-out, Christoph Blochers darauf folgendes Bekenntnis zu einem Nervenzusammenbruch nach der EWR-Abstimmung, Peter Spuhlers Rücktritt aus dem Nationalrat wegen seines zeitintensiven Jobs: Bäumles Schwächeanfall dürfte der aktuellen Diskussion um eine zu starke Auslastung der Schweizer Milizparlamentarier neuen Zündstoff geben. Trotz des «eindeutigen Warnsignals» seines Körpers hält Bäumle die Forderungen nach einem Berufsparlament jedoch für falsch. Einen möglichen Ansatz sieht er dagegen in persönlichen Assistenten für die Politiker. Das habe sich in seinem Fall bewährt.

Zudem übt Bäumle auch Kritik an den Medien: Ähnlich wie die Zürcher SVP-Nationalrätin Rickli sieht er die permanente Erreichbarkeit zunehmend als Problem. Mehr noch: «Das Privatleben der Politiker wird je länger desto weniger respektiert.» Immer mehr müssten Politiker Auskunft über Privatangelegenheiten geben, und mediale Angriffe zielten häufig auf die Person statt auf die Sache – das bleibe nicht ohne Wirkung. Bäumle selbst hat das vor einem halben Jahr erfahren, als er wegen einer Indiskretion vor einer Volksabstimmung unter starken Beschuss geriet. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2012, 17:05 Uhr

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