Schweiz
Atomausstieg ohne Plan
Aktualisiert am 16.04.2012 265 Kommentare
So funktioniert ein Gas- und Dampfkombikraftwerk. (Bild: TA-Grafik ib / Quelle: Kraftwerkforschung)
Artikel zum Thema
- Der Atomausstieg kostet Milliarden
- Die Stadt soll aus der Atomenergie aussteigen
- Gemeinderat will Fahrplan für Atomausstieg
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der Atomausstieg wird schwieriger als erhofft. Denn die ursprünglichen Annahmen des Bundes haben sich teilweise als Wunschdenken herausgestellt. So räumt das Bundesamt für Energie zum Beispiel dem Ausbau der Wasserkraft nur noch halb so viel Potenzial ein wie vor einem Jahr. Und die Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen (kleine Gaskraftwerke, die sowohl Strom als auch Fern- oder Nahwärme produzieren) geben ebenfalls massiv weniger her als ursprünglich angenommen.
Der Bundesrat muss daher über die Bücher. Am Mittwoch wird er voraussichtlich ein erstes Mal über die neue Ausgangslage diskutieren und erörtern, was dies für die geplante Energiewende bedeutet. Zuvor möchte das Departement Leuthard nicht über seine Vorschläge sprechen. Doch was die Zeitung «Sonntag» als «Geheimpapier» bezeichnet, wurde gestern gleich in drei Blättern auf der Titelseite ausgebreitet. Demnach schlägt Energieministerin Doris Leuthard den Bau von Gaskraftwerken vor – wobei sich die drei Zeitungen nicht ganz einig sind, auf wie viele Werke es hinausläuft. «Vier Gaskraftwerke sollen die AKW ersetzen», titelt der «Sonntag». «Leuthard will fünf neue Gaskraftwerke», schlussfolgert die «SonntagsZeitung». Und die «NZZ am Sonntag» will wissen: «Bundesrätin Leuthard plant bereits sechs Gaskraftwerke.» Das erste soll bis 2020 gebaut werden, vier oder fünf könnten bis 2050 nötig werden.
Bedarf vor allem im Winter
Leuthards Mediensprecher Dominique Bugnon mag sämtliche Angaben weder bestätigen noch dementieren. Laut einer Präsentation der Beratungsfirma Prognos, die der «Sonntag» publik machte, wären übers ganze Jahr betrachtet lediglich zwei bis drei Gaskraftwerke notwendig. Im Winter hingegen brauche es mehr Anlagen, nämlich vier bis fünf. Herrscht kein Strommangel, sollen die Werke nicht laufen, um den CO2-Ausstoss tief zu halten.
Die Elektrizitätskonzerne wollen sich allerdings nicht vorschreiben lassen, wie viel Strom mit welchen Anlagen sie wann zu produzieren haben. «Es wäre wenig sinnvoll, politisch festzulegen, wie viele Gaskraftwerke wir brauchen», sagt BKW-Konzernleitungsmitglied Samuel Leupold. Das müsse der Markt bestimmen. Der Bund könne aber durch bessere Rahmenbedingungen auf Gaskraftwerke hinarbeiten – insbesondere, wenn er eine Kompensation des CO2-Ausstosses durch internationale Zertifikate zulasse. Darauf pochen auch Alpiq und Axpo, wobei Letztere den Bau von Gaskraftwerken in den nächsten fünf Jahren für unwirtschaftlich hält.
Mehr Geld zur Förderung von erneuerbaren Energien
Am weitesten fortgeschritten ist derzeit das Projekt der EOS-Gruppe in Chavalon VS. Dort ist im ehemaligen Ölkraftwerk ein Gaskombikraftwerk geplant. Noch ist aber offen, ob es wirklich gebaut wird. Es dürfte 50 Prozent seines CO2-Ausstosses im Ausland kompensieren. In Deutschland sind trotz grosszügigeren Kompensationsregeln diverse Projekte aufgegeben worden.
Nebst Gaskraftwerken plant Leuthard laut übereinstimmenden Berichten in den Sonntagszeitungen auch mehr Geld für die Förderung von erneuerbaren Energien sowie von besseren Isolationen bei Gebäuden. Die Mittel für das Gebäudesanierungsprogramm sollen zum Beispiel auf jährlich 600 Millionen Franken verdoppelt werden. Offen ist, inwiefern sich die Kantone hier beteiligen werden.
20 Prozent höhere Stromtarife
Insgesamt will Leuthard jährlich über eine Milliarde Franken für die Energiewende ausgeben. Finanziert werden soll dies laut der «NZZ am Sonntag» durch einen Zuschlag von 1,82 Rappen pro Kilowattstunde. Insgesamt betrügen die Mehrkosten beim Strom rund 20 Prozent – deutlich mehr als vor einem Jahr erwartet. Nicht eingerechnet sind darin die Kosten für den Netzausbau.
Auf eine ökologische Steuerreform will Leuthard dagegen laut «SonntagsZeitung» verzichten. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf hingegen lässt eine solche Reform weiterhin prüfen. Sollten sich Bundesrat, Parlament und Volk dafür entscheiden, könnte am Ende doch noch auf das eine oder andere Gaskraftwerk verzichtet werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.04.2012, 22:34 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
265 Kommentare
Nun zeichnen sich die ersten Folgen dieses populistischen, überhasteten und nicht zu Ende überlegten AKW Ausstiegentscheids. Langsam dämmerts auch bei den Oekofreaks, dass der "Energiehunger" nicht mit Windrädli und Solardächern kompensiert werden kann. Zusätzliche Stauwerke will auch niemand, also was bleibt? CO2-Schleudern und Abhängigkeit von Gasliferanten kann doch nicht die Lösung sein. Antworten
Wacht endlich auf! Leuthard repräsentiert die Energiekonzerne und die wollen eine total abhängige Kundschaft und ihr Preisdiktat durchsetzen. Die Lösung für stabile (Krisenfestigkeit) und bezahlbare Energie liegt in der dezentralen, regionalen Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien, sog.energieautonome Kommunen. Beispiele: Extremadura (SP), Reuth (DE), Wildpoldsried (DE) und viele mehr..... Antworten
Schweiz
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.
Online-Wettbewerb
Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.



Bitte warten

























