Schweiz

«Asylunterkunft? Das ist doch kein Problem»

Von Ralph Heiniger. Aktualisiert am 28.02.2012 34 Kommentare

Eine Notunterkunft für Asylbewerber mitten im Wohnquartier – und niemand stört sich daran. Ein Einblick ins Berner Länggass-Quartier.

1/6 In der Zivilschutzanlage im Hochfeld schlafen mehr als 20 Asylbewerber in einem Raum. Privatsphäre ist knapp. Ausserhalb der Schlafräume gibt es einen Billardtisch, einen Töggelikasten und auch einen Fernseher zum Zeitvertreib. Die Betreuer bieten auch Deutschkurse an.
Bild: Urs Baumann

   

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Alltag im Hochfeld

Zurzeit leben etwa 80 Asylbewerber in der Zivilschutzanlage Hochfeld in Bern. Sie kommen zum Beispiel aus Tunesien, Marokko, Algerien, Tibet, Somalia oder Eritrea. Es gibt dreimal am Tag eine Mahlzeit, Hygieneartikel werden gratis abgegeben. Die Asylbewerber bekommen kein Geld ohne Arbeit, sie können durch einfache Arbeiten in der Unterkunft etwas verdienen.

Das vorübergehende Zuhause wird von den Gästen ganz unterschiedlich wahrgenommen. Einige sind zufrieden, das Essen sei gut , die Betreuung hilfreich. Einige haben auch schon Pläne, hoffen auf einen Job in einer Küche oder als Hilfskraft in einem Spital. Andere haben noch keine Pläne und sind vor allem empört. Das Essen sei miserabel, die Unterkunft eine Zumutung, und dass kein Geld abgegeben werde, sei einfach ungerecht.

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Für manche klingt es wie ein Rezept für ein Desaster: eine Notunterkunft für Asylbewerber unter einem Schulhaus, mitten im Wohnquartier. Was an anderen Orten Proteste auslöst und Gegner Sturm laufen lässt, ist im Berner Länggassquartier scheinbar kein Problem.

Seit Anfang Januar bewohnen etwa 80 Asylbewerber eine Notunterkunft in der Zivilschutzanlage Hochfeld. Direkt unter der Turnhalle des Schulhauses. «Das ist kein Problem», sagt Konrad Guggisberg, Geschäftsführer der Quartierkommission Länggasse. Er habe nichts Schlechtes über die Notunterkunft gehört. «Sie ist bei uns gar kein Thema.»

«Schulbetrieb nicht tangiert»

Der Schulleiter im Hochfeld, Rolf Rickenbach, weiss von keinerlei Problemen wegen der Unterkunft. «Mir ist kein Vorfall bekannt, der den Schulbetrieb tangiert hätte.» Die Schule sei in stetem Kontakt mit den Betreibern, sagt er und lobt deren Sicherheitskonzept. Indirekt habe die Schule sogar von den Asylbewerbern profitiert.

Vor einigen Wochen hätten nämlich Sprayer in der Länggasse ihr Unwesen getrieben. «Wegen der Securitas, welche eigentlich die Asylunterkunft bewacht, hatten wir an unserer Schule keine Sprayereien.» Auch die Polizei kann von keinen nennenswerten Vorfällen berichten. «Wir haben aber unsere Patrouillenpräsenz im Quartier prophylaktisch erhöht», sagt Alice Born, Pressesprecherin der Kantonspolizei.

Wenn man sich im Quartier auf der Strasse umhört, so ist die Unterkunft den meisten Leuten egal. Ein Mann äussert zwar sein generelles Unbehagen gegenüber den Asylbewerbern, er weiss aber von keinem Vorfall, der in Zusammenhang mit der Notunterkunft steht.

Playstation geschenkt

Bei der Betreiberin der Notunterkunft, der ORS Service AG, freut man sich über dieses Feedback. «Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten des Zusammenlebens zwischen Asylbewerbern und der Bevölkerung: gegeneinander, nebeneinander oder miteinander», sagt ORS-Sprecher Roman Della Rossa. «In der Länggasse haben wir ein Nebeneinander und manchmal sogar ein Miteinander», sagt er und verweist auf Hilfsangebote und Geschenke der Bevölkerung an die Notunterkunft. Ein Anwohner habe zum Beispiel seine Playstation gespendet.

Einer der wichtigsten Gründe für den reibungslosen Ablauf rund ums Hochfeld ist aus Sicht von Della Rossa die transparente Kommunikation. «Ich denke, dass der Kanton sehr früh Gespräche mit allen Beteiligten, also der Schule, der Quartierbevölkerung und der Polizei, geführt hat.» Es sei auch von Anfang an klar gewesen, wie viele Menschen kommen, und wie lange sie bleiben würden. Ausserdem ist das Hochfeld nun bereits zum dritten Mal vorübergehend eine Unterkunft für Asylbewerber. «Es ist in der Regel einfacher, an einen Ort zurückzukehren, der schon einmal als Notunterkunft in Betrieb war», sagt Della Rossa. Der Ruf einer Asylunterkunft in einem Quartier sei aber zerbrechlich. «Manchmal reichen zwei oder drei Asylbewerber, die Probleme machen.» Und dann habe die ganze Unterkunft Probleme.

«Offen, tolerant, wachsam»

Warum funktioniert in der Länggasse problemlos, was Leute an anderen Orten auf die Barrikaden treibt? Die Länggasse sei grundsätzlich ein sehr tolerantes Quartier, sagt Schulleiter Rickenbach. Polemik gegen Asylbewerber betreibe man hier nicht. «Wir sind offen, aber wachsam.»

Konrad Guggisberg von der Quartierkommission meint, dass die Länggasse durch Erfahrungen mit Stadtnomaden und Zaffaraya eher bereit sei, etwas Neues zu akzeptieren. «Ich frage mich eher, warum es an anderen Orten überhaupt Probleme gibt», sagt Guggisberg. «Es kommen Menschen und die werden einer Unterkunft zugewiesen. Mehr passiert eigentlich nicht.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.02.2012, 06:32 Uhr

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34 Kommentare

Erol Kistler

28.02.2012, 13:11 Uhr
Melden 80 Empfehlung 0

"Das Essen sei miserabel, die Unterkunft eine Zumutung, und dass kein Geld abgegeben werde, sei einfach ungerecht." Dem Unzufriedenen kann geholfen werden: ab nach hause mit ihm! Antworten


Barbara Mäder

28.02.2012, 14:12 Uhr
Melden 68 Empfehlung 0

Aha: "Das Essen sei miserabel, die Unterkunft eine Zumutung und dass kein Geld abgegeben werde, sei einfach ungerecht". Also offenbar, ginge es den Asylanten in ihrer Heimat wohl besser. Da frage ich mich einfach warum sind sie dann hier?? Ich denke jene die meckern, sollten grundsätzlich gleich wieder zurück geschickt werden. Antworten



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