Schweiz

Anti-Rassismus-Kommission prüft Roma-Bericht der «Weltwoche»

Aktualisiert am 09.04.2012

Das Cover der letzten Ausgabe der «Weltwoche» wirft weiter hohe Wellen. Immer mehr Politiker und öffentliche Stellen schalten sich ein.

Immer wieder Provokationen: Chefredaktor Roger Köppel (l.) an einer Redaktionssitzung (Archivbild 2008)

Immer wieder Provokationen: Chefredaktor Roger Köppel (l.) an einer Redaktionssitzung (Archivbild 2008)
Bild: Keystone

Umstritten: Cover der «Weltwoche».

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Das Bild eines Roma-Kindes mit Waffe auf der Titelseite der «Weltwoche» hat Empörung und heftige Reaktionen ausgelöst. In der Schweiz, in Österreich sowie offenbar auch in Deutschland sind Anzeigen gegen das Schweizer Wochenmagazin eingegangen.

Nun wird sich auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) laut ihrer Präsidentin Martine Brunschwig Graf noch mit dem «Weltwoche»-Bericht befassen. Brunschwig Graf bestätigte einen entsprechenden Bericht in der Zeitung «Der Sonntag» und fügte an, die Roma bildeten ein Schwerpunktthema für die EKR in diesem Jahr.

Auf der Titelseite der am Donnerstag erschienen Ausgabe der «Weltwoche» ist ein kleiner Bub abgebildet, der eine Waffe in die Kamera hält. Unter dem Foto steht: «Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz».

«Ein unerhörtes Bild»

Die Jungen Grünen bezeichneten das Titelbild in einem offenen Brief an «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel als «völlig daneben». Mit dem Bild solle suggeriert werden, dass «alle Romas kriminell und asozial» seien. «Das ist verletzend und erniedrigend», so das Fazit der Jungpartei.

Auch der Schweizer Medienrechtsexperte Peter Studer störte sich an der Botschaft des Fotos. «Es ist ein unerhörtes Bild» mit «rassistischen Zügen», sagte Studer am Samstag gegenüber «Radio 1». Ansonsten sei der Bericht aber «sehr gut dokumentiert».

Anzeige in der Schweiz

Die Kombination von Titel und Bild war es, die eine im Kanton Baselland wohnhafte Frau dazu bewogen hatte, Anzeige gegen die «Weltwoche» zu erstatten. Sie sehe die Anti-Rassismus-Strafnorm, Artikel 261 des Strafgesetzbuches, verletzt, sagte die Klägerin auf Anfrage.

Auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter war am Samstag ausserdem die Meldung verbreitet worden, wonach auch in Deutschland eine Klage im Zusammenhang mit der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche» eingereicht worden sei.

Klagen in Österreich und Deutschland

Einer der Kläger ist der österreichische Journalist Klaus Kamolz, wie DerBund.ch/Newsnet bereits am Samstag berichtet hatte. Er will mit der Anzeige ein «symbolisches Zeichen» gegen die in seinen Augen durch die «Weltwoche» betriebene «Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher» setzen. Dies sagte er am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Kamolz will auch, dass die österreichischen Behörden von sich aus aktiv werden, handle es sich doch beim Tatbestand der Verhetzung nach österreichischem Recht um ein Offizialdelikt.

Bild aus dem Kosovo

Das Foto des Roma-Bubs stammt vom italienischen Fotografen Livio Mancini. Es wurde 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen, wie Mancini auf Anfrage schriftlich mitteilte.

Er sei in zahlreichen Mails auf die Verwendung seines Fotos durch die «Weltwoche» aufmerksam gemacht worden, schrieb Mancini. Er lasse die Bilderserie aus dem Kosovo über eine Agentur vertreiben und habe weder persönlichen Kontakt mit dem Magazin gehabt noch die Kontrolle darüber, in welchem Kontext die Aufnahme verwendet werde.

Gut: Kein Verständnis für Empörung

Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche» und Co-Autor des Hauptartikels, kann die Empörung über das Bild nicht nachvollziehen, wie er auf Anfrage schriftlich mitteilte. Die Aufnahme symbolisiere «den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen», so Gut.

Der eigentliche Skandal sei, dass sich keiner der «Empörten» gegen diesen Missbrauch ausgesprochen habe. Zum Inhalt schrieb Gut, dieser brächte ein «gravierendes Problem ernsthaft und differenziert zur Sprache». Die Recherchen würden auf «Zahlen und Fakten der Behörden sowie von Roma-Organisationen selber beruhen». (rub/sda)

Erstellt: 09.04.2012, 14:13 Uhr

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