«Anständige Gebetsstätten mit oder ohne Minarette»
Von Michael Meier. Aktualisiert am 06.11.2009 52 Kommentare
«Wenn in Afghanistan jemand hustet, dann ist der Schweizer Muslim dafür verantwortlich»: Hisham Maizar.
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Jetzt äussern sich die Muslim-Verbände doch noch zur Minarett-Initiative. Sind sie überhaupt repräsentativ? Angeblich vertreten sie nur fünf Prozent der hiesigen Muslime.
Wir sprechen gewiss nicht im Namen aller hiesigen Muslime, aber wir nehmen auch die Interessen der nicht organisierten Muslime wahr. Anliegen aller Muslime sind etwa eigene Friedhöfe oder würdige und anständige Gebetsstätten mit oder ohne Minarette, jenseits der Hinterhofmoscheen jedenfalls. Die muslimischen Verbände bauen auch Brücken zur Mehrheitsgesellschaft.
Warum haben Sie keine Gegenkampagne lanciert?
Wir halten uns ganz bewusst zurück. Wir suchen den Konsens mit der Bevölkerung und gehen nicht auf Konfrontation mit den Initianten. Wir wollen uns nicht als Kanonenfutter für Populisten hergeben.
Wie ist denn die Befindlichkeit der hiesigen Muslime angesichts der Minarett-Kampagne? Fühlen Sie sich diskriminiert und schlecht behandelt in der Schweiz?
Nur schon die Tatsache, dass die Initiative die muslimische Minderheit ausgrenzt, und zwar mit sehr plakativen Methoden, ist eine Diskriminierung. Es ist vor allem auch eine Diskriminierung all jener Muslime, die sich im Rahmen des gesellschaftlichen und interreligiösen Dialogs engagieren. Sie fühlen sich wie mit Hammerschlägen vor den Kopf gestossen. Das ist emotional schwer zu verkraften.
Kann man den aktuellen Antiislamismus mit dem Phänomen des Antisemitismus vergleichen?
Gewiss, es gibt eindeutige Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Etwa die Sündenbockmentalität: Wenn in Afghanistan jemand hustet, dann ist der Schweizer Muslim dafür verantwortlich.
Wie schätzen Sie den Abstimmungskampf ein? Hat die Initiative eine Chance?
Nein, ich bin nicht nur zuversichtlich, sondern überzeugt, dass die Initiative abgelehnt wird. Die vernünftigen und aufgeklärten Menschen in der Schweiz sind klar dagegen. Regional werden die Initianten, etwa in den Kantonen, die mit «-gau» enden, wohl eine deutliche Mehrheit erzielen. Im Grossen und Ganzen aber werden die Initianten zu spüren bekommen, dass sie den falschen Weg beschritten haben. Es reagieren ja nicht nur die hiesigen Muslime. Auch das nähere Ausland schaut jetzt genau auf die Schweiz. Ich bekomme enorm viele Reaktionen aus England, auch aus Frankreich, Deutschland und Österreich.
Und was, wenn die Initiative doch angenommen wird?
Würde die Initiative angenommen, wäre das ein klarer Beweis dafür, dass wir Muslime hier nicht willkommen sind. Die Initianten sprechen ja nicht nur die Minarette an, sondern auch die schleichende Islamisierung der Schweiz. Ich glaube aber, wir würden uns weiterhin vernünftig verhalten und uns zurückhalten. Wir würden uns aber auch nicht von der Bildfläche verdrängen lassen. Sondern uns weiterhin für gerechte Verhältnisse einsetzen und auf den gesellschaftlichen und interreligiösen Dialog bauen. Gewiss nicht militant. Wir haben weder die Mentalität noch die Mittel der SVP. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.11.2009, 04:00 Uhr
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52 Kommentare
Keine Konfrontation - was sind dann die Anliegen / Ansprüche . - gibt man den kleinen Finger, will man die ganze Hand - in einem fremden Land, sei es in der Schweiz oder wo anderst, muss man sich auch anpassen, nur so kann mann friedlich zusammen leben. Antworten



































