«Amstutz war der falsche Kandidat»
Interview: Michèle Widmer. Aktualisiert am 20.11.2011 137 Kommentare
Adrian Vatter ist Politologe an der Universität Bern. (Bild: Keystone )
«Ich habe einen guten Trost»: Adrian Amstutz nach seiner Abwahl. (Video: Berner Zeitung)
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Adrian Amstutz gilt als Hardliner, im Wahlkampf fuhr er aber einen Schmusekurs. Nahmen ihm das die Wähler nicht ab?
Der Strategiewechsel der SVP war zu kurzfristig. Adrian Amstutz hat die BDP oft und hart kritisiert. Für viele Wähler war er das Gesicht der SVP im Kampf gegen die BDP. Und nun empfiehlt die Partei plötzlich einen Kandidaten des Gegners? Das haben Amstutz viele Wähler nicht abgekauft. Es war zu offensichtlich, dass die Partei damit nur ihre Wahlchancen erhöhen wollte. Zudem haben bei den Ständeratswahlen moderate Kandidaten grundlegend bessere Chancen. Da war Amstutz eindeutig der falsche Kandidat.
Was hätte Amstutz anders machen müssen, um eine Chance zu haben?
Die Frage ist nicht, was Amstutz, sondern was die Partei hätte anders machen müssen. Amstutz selbst hat einen sehr intensiven Wahlkampf geführt. Die Partei hätte von Anfang an einen moderateren Kandidaten aufstellen müssen. Das wäre ein strategischer Entscheid gewesen, der schon vor einem Jahr hätte gefällt werden müssen.
Die SVP hat im Frühling eben erst den SP-Sitz der scheidenden Simonetta Sommaruga geholt - nun verliert sie ihn wieder an einen SP-Politiker. Was ist der Grund für dieses Hin und Her?
Die rot-grünen Parteien haben meistens dann gute Chancen, wenn sich die Bürgerlichen unschlüssig sind. Und diesen Anschein machte die Strategie der SVP bei den Bernern. Die SP hat vor allem in den Städten und im Westen des Kantons mobilisieren können. Ein Nachteil für die SVP könnte auch gewesen sein, dass die Berner bereits zum vierten Mal in diesem Jahr für Ständeratswahlen an die Urne gebeten wurden. Für die Partei war es schwierig die Wähler bei Laune zu halten. Amstutz hatte es wegen des Abnutzungseffekts schwerer als andere Kandidaten. Denn wer bereits dreimal Adrian Amstutz auf den Wahlzettel geschrieben hat, ist dies beim vierten Mal vielleicht Leid.
Wie ist der Sieg von SP-Mann Hans Stöckli zu erklären?
Stöckli hat in Biel und im Berner Jura rund 60 Prozent der Stimmen geholt. Das ist ein sehr gutes Resultat. Damit ist es ihm gelungen, seine lokalen Hochburgen zu mobilisieren. Der Stimmanteil in dieser Region war heute auch deutlich höher als sonst. Ich denke, das war ausschlaggebend.
BDP-Mann Werner Luginbühl holte mit Abstand am meisten Stimmen. Hat sich der Alleingang der Partei – sie unterstützte keinen der anderen Kandidaten für den zweiten Ständeratssitz – ausbezahlt?
Es war ein strategisch guter Entscheid, sich auf die Mitte zu konzentrieren und keine Koalitionen einzugehen. Lediglich 15 Prozent der Berner wählen die BDP. Das heisst, es ist Luginbühl gelungen, über seine Wählerschaft Stimmen zu gewinnen. Zudem hat man als Mitte-Politiker einen grossen Vorteil: Bei drei Kandidaten entscheidet sich der Wähler in der zweiten Zeile gerne für die Mitte. Das hat Luginbühl viele Stimmen gebracht.
Was bedeutet das Berner Ergebnis für die verbleibenden Ständeratswahlen in den übrigen Kantonen?
Ich denke nicht, dass das Resultat in Bern Auswirkungen auf das nächste Wochenende hat. Es hat noch einmal gezeigt, dass das Volk in der kleinen Kammer moderate Politiker bevorzugt. Und dass der Angriff der SVP aufs Stöckli misslungen ist und die Partei einen strategischen Fehler gemacht hat. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.11.2011, 19:35 Uhr
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137 Kommentare
Der Angriff der SVP-Dunkelmänner auf die "Dunkelkammer" Ständerat scheint in einem schwarzen Loch zu enden. Gut so - dann bleibt dies die "Chambre de Réflection" und droht nicht in eine "Chambre de Polemique" abzufallen. Jetzt braucht nur noch Toni Brunner in St. Gallen zu verlieren und die Wahlschlappe der SVP ist absolut komplett! Antworten
Sehr schön. Und jetzt noch Blocher in Zürich (wahrscheinlich) und Brunner in St. GallenP (wer weiss) mit einer Abfuhr. Hach, wär das schön. Dann werden wir mal 4 Jahre ohne dieses arrogante Grinsen der Exponenten dieser Partei erleben. 4 Jahre mit konstruktiver Politik, die unser Land in den verschiedenen schwierigen Situationen (von Finanzen über Umwelt bis zu Migrationsproblemen) weiter bringt. Antworten
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