«Amstutz ist das kleinere Übel»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 15.02.2011 105 Kommentare
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Nach dem Rückzug von FDP-Kandidatin Christa Markwalder kommt es am 6. März in Bern zur Stichwahl zwischen Adrian Amstutz (SVP) und Ursula Wyss (SP) für den Berner Ständeratssitz. Beide buhlen um die gut 69'000 Stimmen, die Markwalder am Sonntag erhalten hat. Die Mitte ist allerdings gespalten und tut sich schwer mit Wahlempfehlungen.
So hat die Parteispitze der FDP Kanton Bern in ihrer Sitzung vom Montagabend Stimmfreigabe beschlossen. Präsident Peter Flück macht aber keinen Hehl daraus, dass er Adrian Amstutz die Stimme geben wird. Zwar habe er mit Amstutz in mehreren Sachfragen das Heu nicht auf derselben Bühne, so etwa bei der Personenfreizügigkeit. Als Kleinunternehmer sei er auf die Einwanderer angewiesen, sagt Flück. Trotzdem: «Amstutz ist das kleinere Übel. Wir wollen sicher keine Linke.» Leer einlegen komme für ihn nicht in Frage, denn «das würde Ursula Wyss helfen».
«Amstutz ist für uns nicht wählbar»
Auch die Geschäftsleitung der Berner Grünliberalen hat sich für das kleinere Übel entschieden. Sie schlagen dem Vorstand eine Empfehlung für Ursula Wyss vor, wie Parteisekretär Aurel Köpfli auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet sagt. SVP-Kandidat Adrian Amstutz sei für die Grünliberalen nicht wählbar, in Bezug auf seine Politik wie auf seinen Stil.
Mit Wyss würden zudem die bisher spärlich vorhandenen, ökologischen Kräfte im Ständerat gestärkt, sagt Köpfli. Zum Entscheid für Wyss beigetragen habe auch das Abstimmungsresultat zum AKW Mühleberg sowie die Tatsache, dass die SVP mitgeholfen hat, die kantonale Ökologie-Vorlage für eine Autosteuer (Ecotax) zu bodigen.
Amstutz im KMU-Verband umstritten
Die BDP ist hin- und hergerissen. Für den Vorstand, der am Dienstagnachmittag tagte, steht eine Stimmfreigabe im Vordergrund. Besonders schwierig für die bürgerliche Partei ist, dass sie sich zur Empfehlung des Hardliners Adrian Amstutz genötigt sieht, obwohl sie sich wegen Rechtsaussentendenzen der SVP 2007 von der Partei gelöst hatte. «Wenn wir jemanden empfehlen, dann Amstutz», sagt Parteipräsident Hans Grunder.
Dasselbe sagt Christoph Erb, Präsident des Verbands Berner KMU, dem grössten Wirtschaftsverband des Kantons. Ob der Verband seinen 22'000 Mitgliedern Adrian Amstutz empfiehlt oder auf Stimmfreigabe setzt, entscheide die Verbandsleitung diese Woche. Er selber plädiere für Amstutz, weil jede Stimme zähle, um die linke Kandidatin zu verhindern. Doch Erb erwartet heftige Diskussionen im Vorstand, zumal Amstutz in der Wirtschaft wegen seiner Haltung zu den bilateralen Verträgen sehr umstritten sei.
Tiefe Stimmbeteiligung erwartet
Der CVP ist hingegen keine Angaben darüber zu entlocken, wen sie für wählbar hält. Die Kantonalpartei entscheidet sich in der kommenden Woche. Die Mitteparteien FDP, CVP, BDP und Grünliberale verfügen zusammen im Kanton Bern über einen Wähleranteil von etwas mehr als 30 Prozent. Am stärksten ist nach den Wahlen 2010 die BDP mit 16 Prozent Wähleranteil, die FDP besitzt noch 10 Prozent, die Grünliberalen kommen auf 4 Prozent und die CVP auf 1 Prozent.
Die grösste Herausforderung werde sein, die Wähler überhaupt an die Urne zu bringen, sagt Angelika Neuhaus von der SP Kanton Bern. Nachdem die bürgerliche Kandidatin ausgeschieden sei und auch keine Sachthemen mehr anstünden, sei eine weit tiefere Stimmbeteiligung zu erwarten. Am Sonntag betrug diese gut 50 Prozent. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.02.2011, 17:24 Uhr
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