67,5 Liter Blut in einer Nacht
Von Mario Stäuble. Aktualisiert am 21.07.2011 39 Kommentare
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Jeden Sommer sinken die Schweizer Blutvorräte, weil viele Spender in den Ferien sind. Dieses Jahr hat sich die Lage besonders zugespitzt – Blutspende Schweiz hatte am Montag Alarm geschlagen. Der Grund dafür: «Wir hatten schweizweit zwanzig bis dreissig Patienten, die über fünfzig Blutbeutel benötigten», sagt Rudolf Schwabe, Direktor Blutspende Schweiz. Gleich mehrere Spitäler haben deshalb grosse Mengen an Blutkonserven geordert, was die Reserven drastisch schrumpfen liess. Besonders bei der Blutgruppe A negativ herrscht eine Versorgungskrise: Ein Patient benötigte in einer einzigen Nacht 150 Beutel – 67,5 Liter – der seltenen Blutgruppe. Die Reserven von A-negativ-Blut belaufen sich landesweit normalerweise auf 600 Beutel.
Durch Arterien und Venen eines Erwachsenen fliessen zwischen vier und sechs Liter Blut. Wie ist es möglich, dass ein einzelner Patient so viel Blut benötigt? Oberärztin Brigitte Brand ist am Universitätsspital Zürich für die Blutbank verantwortlich. Einmal pro Monat trifft sie auf einen Patienten, für welchen sie mehr als fünfzig Blutbeutel bereitstellen muss. Sie schildert ihren neusten Fall: Ein 63-jähriger Mann ging letzte Woche zu seinem Hausarzt. Er glaubte, er habe einen Hexenschuss. «Auf dem Röntgenbild erkannte der Arzt jedoch einen Schatten auf Brusthöhe», so Brand. Eine Tomografie später war klar: Die Aorta, die Hauptschlagader beim Herz, war gerissen.
Ohne Blut kein Sauerstoff
Sofort flog die Rega den Mann ins Universitätsspital. In einer Notoperation setzten Chirurgen einen Bypass ein. Während der Operation strömte ständig Blut aus der gerissenen Aorta, das die Ärzte absaugen und ersetzen mussten.
Die Blutmenge im Körper darf eine bestimmte Grenze nie unterschreiten, sonst würde der Körper nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Der Patient erhielt am Tag der Operation 77 Beutel Spenderblut. Bei 0,45 Litern pro Beutel sind das fast 35 Liter – rund das Siebenfache des Eigenblutes. Die Operation verlief erfolgreich, aber die Belastung für das Herz des Patienten war zu gross: Er starb später auf der Intensivstation.
Auch wenn die rote Flüssigkeit knapp ist: Beim Bedarf der Patienten sparen die Ärzte nicht. «Es gibt keine zahlenmässige Obergrenze», sagt Oberärztin Brand. Der Arzt müsse aber sorgfältig abwägen, ob eine Transfusion nötig sei.
Der Spendenaufruf von Blutspende Schweiz ist unterdessen bei der Bevölkerung angekommen – die Zahl der Spender hat sich in den letzten Tagen verdoppelt. Rudolf Schwabe zeigte sich zuversichtlich, dass die Blutvorräte bald wieder auf akzeptablem Niveau sein werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.07.2011, 06:57 Uhr
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39 Kommentare
Der wirkliche Grund für die Blutknappheit liegt in der rigiden Zulassung von willigen Spendern: USA/GB-Aufenthalt, neue Partnerin, Reisen in die 3. Welt: Es gibt heutzutage wohl nur noch wenige Schweizer, die überhaupt noch in Frage kommen. Antworten
Ich war regelmässiger Blutspender. Als ich das letzte Mal spendete (zusammen mit 3 Kollegen die ich motivieren konnte) hatte ich eine ganz leichte Erkältung. Als ich fragte was mit meinen Blut geschehen würde, sagten sie mir es wird fortgeschmissen, wegen der Erkältung. Das Blut meines Kollegen wurde ebenfalls nicht weiter verwendet, weil er mit in Thailand war. Wir waren seither nie mehr spenden Antworten
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