Schweiz

«14 Wildschweine und drei Rehe»

Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 12.10.2011 66 Kommentare

Publizist Karl Lüönd fordert mehr Jäger in Bern. Was haben Parlamentarier mit Jagdpatent in diesem Jahr bereits erlegt? Die Jagdbilanz.

1/11 Guter Jagdinstinkt: Jean-Francois Rime, Unternehmer aus Bulle und SVP-Nationalrat des Kantons Freiburg, schiesst 14 Wildschweine und 3 Rehe. Bislang erfolgreichster Jäger unter den Parlamentarier. Bild: Keystone

   

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Eine Wahlempfehlung der ungewöhnlichen Art konnte man jüngst vom bekannten Publizisten Karl Lüönd lesen. Auf der Webseite des Magazins «Jagd&Natur» gab er folgende Wahlempfehlung: «Jäger und Jagdfreunde wählen.» Lüönd führte 26 Namen von aktiven Politikern mit Jagdschein auf.

Lüönd will seinen Aufruf nicht als weidmännische Heiterkeit verstanden wissen. Auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet erklärt er, dass es in Bern tatsächlich an einer starken Jäger-Lobby fehle. Gerade mal acht Parlamentarier würden die Interessen der Jäger vertreten. Im Gegensatz zu den vielen Tierschutzorganisationen wie Pronatura, die mit viel Geld unter der Bundeskuppel lobbyieren, sei die Jäger-Interessengruppe sehr klein.

«Jäger sind Grüne der ersten Stunde»

Dabei würden auf Bundesebene bald Entscheidungen gefällt, welche die Jägerei direkt beträfen, sagt Lüönd. Er denkt an die Umwälzungen in der Landwirtschaft, an das Waldgesetz und an die Raumplanung. Der Publizist vermisst bei den Parlamentariern den gelebten Naturverstand. Obwohl viele seiner Jägerkollegen bürgerlich seien, wären sie in gewisser Hinsicht die besseren Grünen. «Jäger sind Grüne der ersten Stunde», meint Lüönd.

Und was haben diese Jäger, die Lüönd als «bessere Grüne» bezeichnet, in diesem Jahr bereits geschossen? Beginnen wir mit den SVP-Jägern. Sie weisen mit Abstand die höchste Abschussquote auf, wie eine Umfrage zeigt. Erfolgreichster Schütze unter ihnen ist Jean-François Rime (SVP, FR). «Ich habe in diesem Jahr 14 Wildschweine und drei Rehe erlegt», bilanziert er und fügt gleich an, dass diese Zahlen doch niemanden interessierten. Rime, der sich schon als Bundesratskandidat ins Rennen schickte, betont auch, dass er selbst nicht in der Schweiz jage, sondern nur im französischen Elsass.

Auch Rimes Parteikollegen sitzen mit Flinten auf Hochsitzen und jagen Rehböcke und Wildschweine. Wer in der Schweiz in einem Patentgebiet auf Pirsch geht, der muss sich allerdings mit weniger als Rime zufriedengeben. Der Berner BDP-Nationalratskandidat Lorenz Hess erlegte in diesem Jahr drei Rehe und habe sein Kontingent somit ausgeschöpft, wie er sagt. Auch sein Kollege im Jura, SVP-Nationalrat Dominique Baettig, hat die gesetzliche Tötungslimite erreicht. Er schoss zwei Rehe und hat nach eigenen Angaben auch genug.

Bescheidene Ausbeute für Bündner

Dass die Trefferquote wegen des Wahlkampfes tiefer ausfällt als gewöhnlich, beweisen die Volksvertreter aus dem Bündnerland. SVP-Nationlaratskandidat Jon Peider Lemm schoss einen Rehbock. «Wenn man in der Politik ist, verliert man den Jagdinstinkt», meint er. FDP-Nationalrat Tarzisius Caviezel und BDP-Kandidat Jon Domenic Parolini waren in diesem Jahr gar nicht von Erfolg gekrönt. Vor Caviezels Flinte zeigte sich kein Bock, Parolini setzte Prioritäten und ging auf Stimmenjagd. Seine Frau war dafür treffsicher: Sie füllte mit zwei erlegten Hirschen die Vorratskammer.

SVP-Nationalrätin Silvia Flückiger ist ebenfalls im Kreis der Jäger zu finden. Zwar hat sie erst vor zwei Wochen das Jagdpatent erhalten, aber sie will mit Meisterschütze Rime noch in diesem Jahr im Elsass auf die Hatz gehen. Im November plant Flückiger zudem im ortsnahen Revier einen Jagdausflug. Sie ziehe den Rehbock dem Fuchs vor, wie sie sagt.

«Die Jagd ist eine private Angelegenheit»

Auch die FDP-Volksvertreter können eine ansehnliche Jagdbilanz aufweisen. Nationalratskandidat Beat Loosli (SO) schoss drei Rehe und drei Füchse. Und Ruedi Lustenberger (CVP, LU) hat seinen «Sommerbock» geschossen. Der passionierte Jäger hat aber noch nicht genug. Er gehe demnächst noch auf die bevorstehende Treibjagd.

Was sein Parteikollege Christophe Darbellay in diesem Jahr erlegt hat, war nicht in Erfahrung zu bringen. Telefonisch war der Parteipräsident aus dem Wallis nicht erreichbar. Dafür sein Kantonskollege Nationalrat Stéphane Rossini (SP). Er will partout keine Auskunft geben: «Die Jagd ist eine private Angelegenheit. Ich mache keinen Kommentar dazu.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.10.2011, 11:50 Uhr

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66 Kommentare

Hans Hasler

12.10.2011, 12:54 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Wölfe statt Jäger, das wäre noch viel Grüner. Antworten


Kurt Weber

12.10.2011, 11:56 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Schade kann sich das Wild nicht revanchieren. Antworten



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