Schweiz

115 alte Doppelstöcker erhalten endlich Klimaanlagen

Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 13.07.2010 106 Kommentare

«Die alten Doppelstockzüge gleichen praktisch jeden Abend einer Sauna», stöhnen DerBund.ch/Newsnet-Leser. Ihr Leiden hat bald ein Ende, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig erklärt.

Pendeln im Doppelstöcker des ZVV: Im Sommer oft eine Tortur.

300 Millionen Franken für Anpassungen

Im Rahmen einer Gesamtrevision werden die 115 (113 ZVV und 2 SZU) Kompositionen der ersten Generation Doppelstockzüge auf den neusten Stand der Technik gebracht. Dazu gehört auch die Umrüstung von Lüftungs- auf Klimaanlagen. Zudem erhalten die Kompositionen Niederflurwagen, die rollstuhlfreundlich sind. Weitere Anpassungen sind vorgesehen. Kostenpunkt: 300 Millionen Franken. Laut ZVV-Sprecherin Beatrice Henes hätte es keinen Sinn gemacht, die Kompositionen nur für die Aufrüstung der Klimatechnik aus dem Verkehr zu ziehen. Mit der Gesamtrevision ist das Rollmaterial dann für die nächsten 20 Jahre einsatzfähig.

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Herr Ginsig, viele Leute beklagen die Zustände in alten Doppelstockzügen (z.B. S12). Was ist da genau das Problem?
Die erste Serie der Doppelstockzüge im Zürcher Verkehrsverbund war noch nicht mit Klimaanlagen ausgerüstet. Diese insgesamt 113 Kompositionen (plus 2 der SZU) – ausgeliefert ab 1989 – hatten nur eine Lüftung, ähnlich derjenigen beim Auto. Es wird also einfach Aussenluft in die Wagen geblasen. Der Fahrgast bekommt so das Gefühl von bewegter Luft. Wirklich kühl ist die Luft aber nicht.

Gibt es da bald eine Verbesserung?
Ja. Ab diesem Sommer beginnen wir mit der Umrüstung dieser ersten Serie Doppelstockzüge. Bis 2012 werden alle mit einer Klimaanlage versehen. Hier möchte ich noch ergänzen, dass die SBB keine Personenzüge mehr ohne Klimatisierung kaufen. Das gehört heute zum Standard.

Warum erfolgt die Umrüstung erst jetzt?
Dies hat technische und finanzielle Gründe. Die Technik ist komplex, weil die Züge oft anhalten, die Türen geöffnet werden und so grosse Luftumwälzungen stattfinden. Dabei sollte der ein- oder aussteigende Fahrgast nicht das Gefühlt bekommen, er werde weggeblasen. Was die Finanzen betrifft: Hier waren Absprachen mit dem ZVV notwenig. Hier mussten wir auf das Okay des ZVV warten. Wir arbeiten im Auftragsverhältnis. Der ZVV musste sein Ja zur Finanzierung der Umrüstung geben.

Viele verstehen nicht, dass man die Fenster nicht öffnen kann. Speziell auf S-Bahn-Linien, die nicht so schnell fahren.
Das ist eine Frage der Sicherheit. Wir fahren mit hohen Tempi an Signalanlagen vorbei, die Züge kreuzen sich. Die Gefahr, dass hier etwas passiert, ist zu gross. Klimatechnisch würde es auch keinen Sinn machen, wenn man in klimatisierten Wagen plötzlich wieder die Fenster öffnen könnte. Für uns wäre das ein technologischer Schritt retour.

Gibt es denn ein Notfallszenario für den Fall, dass bei grosser Hitze die Klimaanlage aussteigt und gleichzeitig der Zug stehen bleibt?
Theoretisch kann der Lokführer die Türen öffnen. Das könnte er aber nur tun, wenn zuvor das Nebengleis gesperrt wurde.

Die SBB erhalten derzeit neue Doppelstockzüge von Stadler Rail. Wie sieht es da mit der Klimatechnik aus?
Die Züge werden im gewohnten Rahmen nach SBB-Standard ausgerüstet. Konkret heisst das, die Klimaanlagen müssen einen Unterschied von zwischen 5 bis 6 Grad zur Aussentemperatur erreichen. Wenn es also draussen 30 Grad warm ist, beträgt die Temperatur im Innenraum der Wagen rund 25 Grad. Dieser Wert ist auch international Standard. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2010, 17:08 Uhr

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106 Kommentare

Hans-Peter Pfister

12.07.2010, 19:51 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Es ist wirklich eine Schande, dass im Jahre 1990 Traktionen ohne Klimaanlagen in Betrieb genommen wurden und danach Jahrelang behauptet wurde "aus technischen Gründen wäre der Einbau von Klimaanlagen nicht möglich" obwohl die früher in Betrieb genommenen Einheitswagen IV bereits mit Klimaanlagen ausgerüstet wurden. Dies ist auf gut Deutsch gesagt "Eine Verarschung des ÖV Benutzers" EINE ZUMUTUNG!! Antworten


Frits Schnuerbel

14.07.2010, 10:30 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Beschaffungsverantwortlichen der SBB (und Deutschen Bahn - die haben ja dasselbe Problem) sollten einfach mal in Urlaub nach Afrika, Asien, Australien, Nord- oder Süd-Amerika gehen. Dort funktionieren Klimaanlagen, indem sie auf eine Zieltemperatur (z.B. 22°C - 24°C) kühlen. Dass eine Klimaanlage nur 5°C runterfächern soll, ist ja wohl der hiesige typisch blanke Hohn am Kunden. Antworten



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