Showdown in der Aula der Uni Bern
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 26.11.2009 11 Kommentare
Die Besetzung der Aula des Hauptgebäudes der Uni Bern ist nach acht Tagen zu Ende. Gestern Abend fand eine finale, knapp zweistündige Podiumsdiskussion mit Universitätsrektor Urs Würgler und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver statt. Das Podium war eine Forderung der Protestierenden. Im Gegenzug haben sie versprochen, die Aula bis heute Morgen zu verlassen.
Der Anlass stiess auf grosses Interesse. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt. Zu Beginn der Diskussion stellte Pulver grundsätzlich klar, auch er stehe der Bologna-Reform kritisch gegenüber. Und: Eine Ökonomisierung der Universität sei sicherlich nicht erwünscht. «In dem Sinne gefällt mir der Protest sehr gut», sagte Pulver.
Danach nahmen Würgler und Pulver Stellung zu den Forderungen der Protestierenden und stellten sich den Fragen aus dem Publikum. Für viele der Anliegen zeigten sie Verständnis. So sagte zum Beispiel Urs Würgler zum Thema Präsenzpflichten: «Präsenzpflichten bei geprüften Vorlesungen sind absurd.» Es gebe an der Uni keine rechtlichen Vorgaben, die Anwesenheitslisten vorschrieben. Und Bernhard Pulver doppelte nach: «Präsenzpflicht widerspricht dem Vertrauensprinzip unter erwachsenen Menschen.»
«Diese Gefahr wollen wir nicht»
Beim Thema Studiengebühren schloss Pulver aus, dass in den nächsten Jahren eine Erhöhung ins Auge gefasst werde, auch wenn dies das neue Universitätsgesetz erlauben würde. Diese Versicherung reichte der Vertreterin der Protestierenden, Lena Müller, nicht: «Durch die Schaffung der Möglichkeit besteht eine Gefahr und diese Gefahr wollen wir nicht», sagte sie und erntete tosenden Applaus. Gleiches gelte auch für die Befürchtung, dass im geplanten Universitäts-Beirat vor allem Vertreter aus der Wirtschaft Einsitz nehmen werden und den Unibetrieb beeinflussen. Diese Absicht sei ebenfalls nicht gegeben, beschwichtigte Pulver. Der Beirat sei ein Kompromiss. Die Regierung habe genau deshalb keinen Universitätsrat im Sinne eines Verwaltungsrates eingeführt, um den direkten Einfluss der Politik auf die Universität zu sichern.
Im weiteren Verlauf der Diskussion sprach sich Rektor Würgler unter anderem für eine Kooperation der Universität mit privaten Geldgebern aus. Er ermahnte die Protestierenden: «Wenn Sie Drittmittel von Privaten streichen wollen, dann müssen Sie auch die Konsequenzen tragen.»
Alternative Räume abgelehnt
Im Vorfeld der Podiumsdiskussion zogen die Besetzer vor den Medien Bilanz über die vergangene Woche. In kurzer Zeit sei viel erreicht worden, sagte ein Sprecher. Hauptziel sei es gewesen, eine Plattform für eine offene Diskussion über Bildungspolitik zu schaffen und die Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit der Besetzung habe gezeigt werden können, dass die Anliegen breit verankert seien.
Die Protestierenden informierten auch, dass sie die von der Unileitung als alternativen Treffpunkt angebotenen Räume gleich neben dem Hauptgebäude nicht beziehen werden. Sie entsprächen nicht ihren Forderungen, weil sie nur befristet bis am 18. Dezember verfügbar seien, weil sie nicht jedermann offen stünden und weil sie nicht frei gestaltet werden dürften. Dennoch kündigte der Sprecher an: «Wir werden sicher weiter präsent sein.» Für die Zukunft solle eine universitätsinterne Plattform gesucht werden. (Der Bund)
Erstellt: 26.11.2009, 08:07 Uhr
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11 Kommentare
Auch nach der Verdoppelung ist studieren immer noch markant billiger als eine schulische Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Z. B. der Besuch einer Handelsschule kostet ein Mehrfaches der neuen Studiengebühren. Ganz zu schweigen von weiteren Ausbildungen, AKAD etc. Das Argument von Frau Fee Michel betr. Chancengleichheit greift deshalb nicht. Antworten
Eine Verdoppelung der Studiengebühren ist durchaus angemessen. Allerdings entstehen die Kosten an den Universitäten durch unangemessene Löhne (Lohn eines Prof. in CH doppelt so gross wie in D) und durch zu pompöse Bauten. Ob die Studenten 300 oder 600 zahlen ist da irrelevant, auch weil einige "Ueberhangstudenten", dann schlicht verschwinden. Antworten



































