Schweiz

Showdown in der Aula der Uni Bern

Rektor Würgler und Erziehungsdirektor Pulver diskutierten gestern Abend mit den Besetzern.

Bernhard Pulver (links) und Urs Würgler (rechts) bei den Protestierenden in der Uni-Aula. (Franziska Scheidegger)

Bernhard Pulver (links) und Urs Würgler (rechts) bei den Protestierenden in der Uni-Aula. (Franziska Scheidegger)

Die Besetzung der Aula des Hauptgebäudes der Uni Bern ist nach acht Tagen zu Ende. Gestern Abend fand eine finale, knapp zweistündige Podiumsdiskussion mit Universitätsrektor Urs Würgler und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver statt. Das Podium war eine Forderung der Protestierenden. Im Gegenzug haben sie versprochen, die Aula bis heute Morgen zu verlassen.

Der Anlass stiess auf grosses Interesse. Die Aula war bis auf den letzten Platz besetzt. Zu Beginn der Diskussion stellte Pulver grundsätzlich klar, auch er stehe der Bologna-Reform kritisch gegenüber. Und: Eine Ökonomisierung der Universität sei sicherlich nicht erwünscht. «In dem Sinne gefällt mir der Protest sehr gut», sagte Pulver.

Danach nahmen Würgler und Pulver Stellung zu den Forderungen der Protestierenden und stellten sich den Fragen aus dem Publikum. Für viele der Anliegen zeigten sie Verständnis. So sagte zum Beispiel Urs Würgler zum Thema Präsenzpflichten: «Präsenzpflichten bei geprüften Vorlesungen sind absurd.» Es gebe an der Uni keine rechtlichen Vorgaben, die Anwesenheitslisten vorschrieben. Und Bernhard Pulver doppelte nach: «Präsenzpflicht widerspricht dem Vertrauensprinzip unter erwachsenen Menschen.»

«Diese Gefahr wollen wir nicht»

Beim Thema Studiengebühren schloss Pulver aus, dass in den nächsten Jahren eine Erhöhung ins Auge gefasst werde, auch wenn dies das neue Universitätsgesetz erlauben würde. Diese Versicherung reichte der Vertreterin der Protestierenden, Lena Müller, nicht: «Durch die Schaffung der Möglichkeit besteht eine Gefahr und diese Gefahr wollen wir nicht», sagte sie und erntete tosenden Applaus. Gleiches gelte auch für die Befürchtung, dass im geplanten Universitäts-Beirat vor allem Vertreter aus der Wirtschaft Einsitz nehmen werden und den Unibetrieb beeinflussen. Diese Absicht sei ebenfalls nicht gegeben, beschwichtigte Pulver. Der Beirat sei ein Kompromiss. Die Regierung habe genau deshalb keinen Universitätsrat im Sinne eines Verwaltungsrates eingeführt, um den direkten Einfluss der Politik auf die Universität zu sichern.

Im weiteren Verlauf der Diskussion sprach sich Rektor Würgler unter anderem für eine Kooperation der Universität mit privaten Geldgebern aus. Er ermahnte die Protestierenden: «Wenn Sie Drittmittel von Privaten streichen wollen, dann müssen Sie auch die Konsequenzen tragen.»

Alternative Räume abgelehnt

Im Vorfeld der Podiumsdiskussion zogen die Besetzer vor den Medien Bilanz über die vergangene Woche. In kurzer Zeit sei viel erreicht worden, sagte ein Sprecher. Hauptziel sei es gewesen, eine Plattform für eine offene Diskussion über Bildungspolitik zu schaffen und die Inhalte in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit der Besetzung habe gezeigt werden können, dass die Anliegen breit verankert seien.

Die Protestierenden informierten auch, dass sie die von der Unileitung als alternativen Treffpunkt angebotenen Räume gleich neben dem Hauptgebäude nicht beziehen werden. Sie entsprächen nicht ihren Forderungen, weil sie nur befristet bis am 18. Dezember verfügbar seien, weil sie nicht jedermann offen stünden und weil sie nicht frei gestaltet werden dürften. Dennoch kündigte der Sprecher an: «Wir werden sicher weiter präsent sein.» Für die Zukunft solle eine universitätsinterne Plattform gesucht werden. (Der Bund)

Erstellt: 26.11.2009, 08:07 Uhr

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11 Kommentare

Alfred Balder

27.11.2009, 17:22 Uhr
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@ alle, die behaupten, ein studium sei nicht teuer und bedeute keine einschränkungen (stud. seien privilegiert): wenn das so ist, wieso haben nicht auch sie studiert oder holen das studium nicht nach? es gibt zwei möglichkeiten: entweder sie können es sich nicht leisten - also ist es doch nicht für alle finanzierbar; oder sie sind zu faul dafür - in diesem fall haben sie aber nichts zu meckern... Antworten


Stefan Meier

27.11.2009, 16:49 Uhr
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Wenn man sich Gedanken über die Löhne der Prof.en macht, sollte man bedenken, welchen riskanten Ausbildungsweg diese Leute haben: Jemand, der sich als Professor bewirbt, ist oft schon knapp 40 Jahre alt und steht 80 anderen potentiellen Prof.en gegenüber (Phil. Seminar). Bekommt er die Stelle nicht, ist er für die Privatwirtschaft massiv überqualifiziert, zu alt und mit zu wenig "Berufserfahrung". Antworten


Heinz Gfeller

27.11.2009, 16:39 Uhr
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@Roman Racine: Tut mir leid, Sie sind m.E. auf dem Holzweg. Ich befürworte eine Senkung der Löhne der Profs. auf das deutsche Niveau. Das Geld soll für zusätzlich Stellen im Mittelbau verwendet werden! Die Qualität der Bildung würde steigen. Antworten


Roman Racine

26.11.2009, 18:45 Uhr
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Hans Ulrich Suter: Die Löhne für Professoren sind in der Schweiz lachhaft tief im Vergleich zu den in der Privatwirtschaft für vergleichbare Positionen bezahlten Gehältern. Ein Vergleich mit D bringt nicht viel, in D sind sowohl die Löhne als auch die Lebenshaltungskosten und der allgemeine Lebensstandard durchs Band tiefer als in der CH. Antworten


Geranium Sylvaticum

26.11.2009, 13:16 Uhr
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eine erhöhung der gebühren verlängert das studium - etwas, was man mit bologna verhindern wollte! @h.u. sauter: ein land, in dem bildung die mit abstand wichtigste ressource ist, kann es sich nicht leisten, dort zu sparen! @thomas weber: handelsschulen sind private angebote, keine staatsangebote. die gebühren zu vergleichen macht keinen sinn. hier müsste wenn schon politisch entschieden werden. Antworten


Andreas Zimmerli

26.11.2009, 12:54 Uhr
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Die sollen nur mehr bezahlen, gut so! Denn immer mehr Ausländer kommen und Studieren hier und wollen dann bleiben! Und man sollte nicht vergessen dass Uni abgänger dann immmer extrem viel Geld verdienen! Nicht wie wir normalen Handwerker!!! Dazu kommt dass die Banker die uns in die Kriese gebracht haben auch alle auf der Uni waren und abzoken was und wie es nur geht! Antworten


Anita von Arb

26.11.2009, 12:44 Uhr
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Selbst nach der Verdoppelung der Studiengebühren sind diese noch tief. Im Vergleich zum Ausland und zu den Studien, welche "normal" Arbeiter machen. Eine Weiterbildung nach Schulabschluss kostetet mehr als CHF 10'000.00. Einige haben das Glück und konnen diese Kosten von den Steuern absetzen aber nicht alle. Die Studenten wissen nicht, dass sie da viel besser weg kommen. Ich finde es gut. Antworten


Tom Schneider

26.11.2009, 11:56 Uhr
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Die Mär von den bevorteilten Studenten wird so hartnäckig repetiert, wie wenn man damit eine Lüge zur Wahrheit machen wollte. Tatsache ist, wer eine Berufslehre macht, beginnt viel früher zu verdienen, und hat im Alter, wenn ein Student ins Berufsleben eintritt, bereits einen stattlichen Monatslohn. Wer studiert - erst recht wer lange studiert - ist bereits bestraft, auch ohne Gebührenerhöhung. Antworten


Jonas Schmid

26.11.2009, 10:39 Uhr
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Das ist wiedermal typisch, kaum steckt der Staat in der krise wird bei den Jungen und bei der Bildung gespart. Nur ja nicht die Steuer erhöhen für die Reichen, dafür höhere Studiengebühren für Studenten. Wie mein Studentenbudget das verkraften soll steht in den Sternen, habe es durchgerechet, eine Verdoppelung entspricht ca 3 Monatsmieten oder 5 Monate Krankenkasse,... Antworten


Hans Ulrich Suter

26.11.2009, 10:35 Uhr
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Eine Verdoppelung der Studiengebühren ist durchaus angemessen. Allerdings entstehen die Kosten an den Universitäten durch unangemessene Löhne (Lohn eines Prof. in CH doppelt so gross wie in D) und durch zu pompöse Bauten. Ob die Studenten 300 oder 600 zahlen ist da irrelevant, auch weil einige "Ueberhangstudenten", dann schlicht verschwinden. Antworten


Thomas Weber

26.11.2009, 09:46 Uhr
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Auch nach der Verdoppelung ist studieren immer noch markant billiger als eine schulische Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Z. B. der Besuch einer Handelsschule kostet ein Mehrfaches der neuen Studiengebühren. Ganz zu schweigen von weiteren Ausbildungen, AKAD etc. Das Argument von Frau Fee Michel betr. Chancengleichheit greift deshalb nicht. Antworten



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