Wie ein liechtensteinischer Treuhänder vom Steuerstreit mit den USA profitiert
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 19.05.2009 1 Kommentar
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Wenn nicht alles täuscht, sind die Liechtensteiner in dieser Geschichte eine rechte Prise schlauer als ihre Schweizer Konkurrenten. Als die amerikanischen Steuerbehörden der UBS den Tarif durchgaben, als sie klarmachten, dass sie in aller Härte gegen Steuerhinterzieher und ihre Helfershelfer vorgehen werden, zogen viele Schweizer Vermögensverwalter den Kopf ein in der Absicht, das Problem auszusitzen.
Bei Kaiser Ritter Partner, einem Treuhänder mit Privatbank-Ableger in Vaduz, ging man nicht auf Tauchstation. Schon im Sommer 2008 begaben sich die tapferen Liechtensteiner in die Höhle des Löwen – wenn auch mit der nötigen Vorsicht. Diskret, nämlich zunächst anonym, klopften sie beim Internal Revenue Service (IRS), der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten an. Dort präsentierten sie sich als Musterknaben – voll guten Willens, nur noch versteuerte Kundengelder zu verwalten. Und mehr noch: reuigen Steuersündern den Weg in den Schoss der US-Behörden aufzuzeigen.
Offensivstrategie nicht überraschend
Diese Offensivstrategie von Kaiser Ritter Partner überrascht nicht wirklich. Der Staat Liechtenstein ist mit seinen Bemühungen vorausgegangen, den Finanzplatz von seinem Negativ-Image reinzuwaschen. Am Anfang stand die Vision, die Fritz Kaiser, Mitbegründer und Vorsitzender der Gruppe, so formuliert: «Liechtenstein muss sich vom Steuer- zum Vermögensparadies wandeln.» In dieses Bild passt Beihilfe zur Steuerhinterziehung definitiv nicht mehr.
Die IRS-Behörde liess sich durch die blütenweissen Hemden der Liechtensteiner offensichtlich blenden. Sie hat der Treuhandgesellschaft eine feste Kontaktperson zugeordnet. Diese ist für alle Kunden von Kaiser Ritter Partner zuständig. Das sei zwar kein Freibrief, stellt Kaiser klar, aber: «Wir haben uns verpflichtet, die US-Steuergesetze zu kennen und genau umzusetzen.»
Auch für jene Amerikaner, die Vermögenswerte bisher nicht deklariert haben, ist der Gang zur IRS alles andere als ein Freibrief. Wer seine Geheimschatullen vor den Steuerbehörden öffnet, wird tüchtig zur Kasse gebeten. Er muss rund ein Drittel des Inhalts abliefern. Wer auf betrügerischem Weg zum Geld gekommen ist oder Urkunden gefälscht hat, wird wesentlich härter angefasst.
Kunden nicht im Stich lassen
Dennoch sagt Otmar Hasler, früherer Regierungschef im Fürstentum und heute Partner der Treuhandgesellschaft: «Ich bin überzeugt, dass wir die Interessen der Kunden mit dieser Offensivstrategie besser vertreten.» Und er fügt bei: «Wir sagen unseren Kunden klar, wohin die Strategie führt. Aber wir lassen sie auch nicht im Stich.»
Genau hier liegt das Problem vieler US-Kunden. Nachdem die amerikanischen Behörden den Druck auf die UBS und damit auf die meisten Schweizer Banken massiv erhöht hatten, setzten diese ihre US-Klientel vor die Tür. Dort sitzen die meisten noch immer und wissen nicht, wohin. In diese Marktlücke treten die Liechtensteiner mit ihrem neu gegründeten Ableger Kaiser Ritter Partner Financial Advisors in Zollikon. Sie schätzen, dass 30 bis 50 Milliarden Dollar von amerikanischen Vermögenden auf Schweizer Banken lagern. Beziehungsweise lagerten. Nach der Ausquartierung dieser Kunden liegt das Geld gewissermassen auf der Strasse und wartet darauf, eingesammelt zu werden.
Geschäft bleibt diskret
«Wir sind die Ersten, die wirklich auf diese Kunden zugehen», sagt Stephan Ochsner, Jurist bei der Gesellschaft. Sie tun es nicht nur aus Nächstenliebe, wie Fritz Kaiser offen einräumt: «Ich würde mich nicht wundern, wenn sich das zu einem ansehnlichen Geschäft entwickelte.» Zumal er hofft, dass die weiss gewaschenen Amerikaner am Ende des Prozesses ihre Restvermögen auf der gruppeneigenen Privatbank deponieren.
Bisher haben die Liechtensteiner zwischen 50 und 100 Kunden durch diesen Reinigungsprozess begleitet. Die einen haben das Prozedere hinter sich. Die anderen stecken noch mittendrin. Genaue Zahlen nennt Ochsner nicht. Das Geschäft bleibt diskret, auch wenn es jetzt das Mäntelchen der Sauberkeit trägt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.05.2009, 23:18 Uhr
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1 Kommentar
interessant, aber noch die interessanter sind die amerikanischen Banken (selbst TARP-recipients), welche weiterhin "offshore banking" selbst fuer Amerikaner anbieten, mittels 2 Konten, etc. wie ein US-Private Banker erst an einem Kongress sagte "UBS was just unlucky.....!" Antworten
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