Auf dem Spassdampfer

Die Costa Fascinosa ist ein Kreuzfahrtschiff mit italienischem Flair. Ruhezonen sind rar. Trotzdem lohnt sich eine Reise durchs westliche Mittelmeer.

Auf der Costa Fascinosa herrscht Highlife bis nach Mitternacht. Foto: PD

Auf der Costa Fascinosa herrscht Highlife bis nach Mitternacht. Foto: PD

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Es geht stramm auf die Geisterstunde zu, und in der Amüsierzone auf Deck 5 herrscht noch viel Verkehr. In der Grand Bar Topkapi wiegen sich dicht gedrängt die Paare beim Foxtrott zu den schmeichelnden Klängen des Trios Naxos. Auch die Still Alive Band im Salon Chéri rockt vor voller Tanzfläche. Immerhin sind die Familien abgezogen, aber nicht in die Kabinen, eben startete die Seifenblasenshow mit dem rosa Schweinchen Peppa Wutz im Squok-Kinderclub.

Für die Halbwüchsigen steigt auf dem Pool-Deck unter Anleitung des «überwältigenden Animationsteams» (Eigenwerbung in der deutschen Programmfassung) die Wahl des «Mister Teen», anschliessend kühlt man sich gemeinsam im 10 mal 10 Meter grossen Schwimmbecken ab.

Die Costa Fascinosa pflügt unbeirrt durch das sommerglatte Mittelmeer, kein Wölkchen trübt den sternenklaren Himmel, die Temperaturen auf den Aussendecks liegen noch immer deutlich über 20 Grad Celsius. Es wird bis weit nach Mitternacht dauern, ehe der Spassdampfer der italienischen Reederei Costa Crociere zur Ruhe kommt.

Pooldeck auf der Costa Fascinosa. Foto: PD

Man feiert unverkrampft und ausgelassen. Etwa 60 Prozent der 3700 Passagiere stammen aus Italien. Unsere südlichen Nachbarn geniessen die Kreuzfahrt mit Enthusiasmus – und brauchen dazu nicht mal einen Alkoholpegel. Die Italiener beherrschen das Geschehen akustisch, von den 40 andern Nationen ist nicht viel zu hören.

Ruhesuchende müssen sich tagsüber in die Adults-only-Zone auf Deck 14 (10 Euro Eintritt, Handtuch inbegriffen) flüchten oder einen Halt einlegen auf der stets verlassenen Aussenpromenade auf Deck 3. Fast überall sonst herrscht südländisch-sympathischer Trubel, untermalt vom Geschrei der ausdauernden Animatoren oder lauter Musik. In den Pools stehen die Badenden Schulter an Schulter, an den Bars braucht es zu Stosszeiten Geduld, bis die Drinks gemixt sind, und wenn Ansagen über Bordlautsprecher erklingen, dauert das. Costa gibt sich international und informiert die Gäste umständlich auf Italienisch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch und Deutsch.

Mama und Papa mit Kids im Buggy

Ein munteres Völklein gönnt sich auf hoher See die schönsten Tage des Jahres. Manche Clans sind unterwegs im Drei-Generationen-Modus: Nonna im Rollstuhl, Mama und Papa mit Kids an der Hand oder im Buggy. «Als ich vor 20 Jahren bei Costa begann, traf man auf den Schiffen vor allem ältere Passagiere», sagt Pasquale Arena, «heute ist eine Kreuzfahrt ein Vergnügen für jedermann.»

Der 47-jährige Sizilianer dirigiert als Kapitän die Costa Fascinosa durchs Mittelmeer. Die Route: Savona–Neapel–Palermo–Ibiza–Palma de Mallorca–Barcelona –Savona. Die Landgänge versprechen einen bunten mediterranen Mix: Stätten innigster Heiligenverehrung im Centro historico von Neapel, Flanieren durchs verkehrsberuhigte Palermo, Tapas-Träume in der Altstadt Ibizas oder Shopping an der Rambla von Barcelona.

Obwohl sich diese Art von Kreuzfahrt nicht unbedingt an Intellektuelle richtet, scheint das Gros des Publikums durchaus interessiert an Land und Leuten. Kaum hat die Fascinosa jeweils im Hafen angelegt, flutet die Menge von Bord und in die mit laufenden Motoren wartenden Ausflugsbusse.

Geschickt integriert die Reederei eineinhalb Tage auf hoher See ins Programm, was dem Umsatz im 6000 Quadratmeter grossen Spa, in den Shops an Bord und im Kasino zuträglich scheint.

Der Speisesaal. Foto: PD

Capitano Arena und seine Offiziere müssen während des Hochsommers im westlichen Mittelmeer kaum durch meteorologische Unwägbarkeiten navigieren. «Je näher wir aber den Häfen kommen, umso grössere Aufmerksamkeit erfordert der dichte Verkehr», sagt der Kapitän. «Sie können sich kaum vorstellen, was im Sommer an Segelbooten, Fischkuttern, Fähren und Frachtern unterwegs ist.» Und an Kreuzfahrtschiffen: Allein im Hafen von Neapel flankieren fünf weitere Cruise-Liner die Costa Fascinosa, die mit der weit seitwärts ragenden Brücke aussieht wie ein gigantischer, weisser Hammerhai.

Costa gehört neben dem neapolitanischen Konkurrenten MSC zu den Hauptplayern im helvetischen Kreuzfahrtenmarkt. Schätzungsweise 50'000 Schweizerinnen und Schweizer buchen pro Jahr eine Kreuzfahrt unter dem hohen C. Auf den 15 Schiffen will Costa den Passagieren «das Beste aus Italien» bieten – was im etwas gewöhnungsbedürftigen Design der fünf Jahre alten Fascinosa (vorherrschende Farben: Altrosa, Pink, Bordeauxrot, Braun) weniger gut gelingt als in den fünf Restaurants.

50 Lastwagen liefern Nachschub

Die Pasta (30 Varianten pro Woche) ist stets al dente, die Speisen werden auf die Destination abgestimmt: kampa­nischer Reiskuchen mit Ragout in Neapel oder sardisches Carasau-Brot mit pochiertem Ei und Fenchelsalat beim Passieren von Sardinien.

Kein Gast käme im Hauptrestaurant, wo man noch traditionell in zwei Sitzungen tafelt, in der Pizzeria oder im besonders treuen Gästen vorbehaltenen Club-Restaurant auf die Idee, dass hinter der Bord-Kulinarik eine nüchterne Indus­trie steckt. Der Costa-Hauptsitz in Genua schreibt im Zwei-Wochen-Rhythmus die Menüs, jeden Sonntag liefern 50 Lastwagen Nachschub in Savona an. 160 Köche arbeiten elf Stunden pro Tag und zaubern eine erstaunliche Qualität auf die Tische. Neben italienischen Gelati wird an Bord auch Mozzarella gefertigt, mit einer Maschine, die bis zu 1500 Portionen pro Tag produziert. Was an Resten in die Küche zurückkommt, wird im Bauch des Schiffes zu maritimem Kompost vermengt und ausserhalb der 12-Meilen-Zone im Meer versenkt.

Beeindruckend, wie weit Costa die kulinarische Kompetenz treibt: Wer bei der Anmeldung für die Cruise persönliche Unverträglichkeiten notiert hat, wird an Bord von einem Allergie-Kellner beraten, der mit drei spezialisierten Köchen in der Galley zusammenarbeitet.

Mittlerweile haben sich die Reihen auf Deck 5 gelichtet, das Trio Naxos ist ermattet. Jetzt noch rasch das letzte Häppchen vom Mitternachtsbuffet erhaschen. Fehlanzeige: Auf der Fascinosa wurde die Spätverpflegung abgeschafft, wegen mangelnder Nachfrage. Auch italienische Kreuzfahrer sind manchmal ganz vernünftige Menschen.


Die Reise wurde unterstützt von Costa Kreuzfahrten.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.06.2017, 16:48 Uhr

17 Decks, Theater & Spa

Costa Fascinosa
Länge 290,2 Meter, Breite 35,5 Meter. 17 Decks, 1508 Kabinen für über 3700 Passagiere. 1050 Crewmitglieder.

Einrichtung
5 Restaurants, 13 Bars, Samsara-Spa, Theater, Squok- Kinderclub, Formel-1-Simulator, Wasserrutschbahn, Casino und Shoppingcenter.

Route
Savona–Neapel–Palermo– Ibiza–Palma de Mallorca–Barcelona–Savona. Ab 24. September Malta und Marseille statt Ibiza und ­Palma.

Arrangements
Z. B. Abfahrt am 10. oder 17. September (Neben­saison). Eine Woche auf der Costa Fascinosa kostet zwischen 599 Fr. (Innenkabine) und 1199 Fr. (Balkonkabine) p. P., Vollpension inbegriffen. An- und Rückreise nach und von Savona mit Marti-Bus 260 Fr. p. P.; Getränkepaket 31.50 Fr./Tag.

Buchen
Bei Kuoni, Tui Suisse oder Hotelplan oder direkt bei Costa, Tel. 0800 55 60 20 (kostenlose Hotline).

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