Werden Piloten auf Linienflügen bald überflüssig?

Der Flugzeughersteller Boeing will Algorithmen entwickeln, die Verkehrsflugzeuge autonom steuern. Erste Tests in Simulatoren sollen noch dieses Jahr stattfinden.

Kann das auch ein Computer? Pilot und Co-Pilot in einem Flugzeug der Swiss. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Kann das auch ein Computer? Pilot und Co-Pilot in einem Flugzeug der Swiss. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Es dauert noch zwei Wochen, bis die Luftfahrtmesse in Paris Le Bourget startet. Doch Boeing wollte mit dieser Ankündigung offenbar nicht warten: Der amerikanische Flugzeugbauer will mit einem neuen Projekt das pilotenlose Cockpit in Verkehrsflugzeugen vorantreiben. Noch in diesem Jahr sollen erste Tests im Simulator beginnen, kündigt Entwicklungschef Mike Sinnett an.

Schon im kommenden Jahr soll dann «eine Art von künstlicher Intelligenz ein Flugzeug fliegen und Entscheidungen treffen, die Piloten treffen müssen», so Sinnet laut Medienberichten. Gerade vor dem Hintergrund des Pilotenmangels sei diese Technologie derzeit wichtig, so der Boeing-Manager. Wirklich ausgereift ist noch nichts. «Wir haben noch nicht wirklich eine Ahnung, wo uns das hinführt», so Sinnet. «Aber daran arbeiten wir gerade und entwickeln entsprechende Algorithmen.» So unrealistisch wie es vielleicht klinge, sei das Ganze nicht. Immerhin könne man bereits jetzt für 1000 Dollar Drohnen kaufen, die ziemlich erstaunliche Dinge vollbringen können.

Zertifizierungsbehörden noch nicht vorbereitet

Ein Hindernis für die neue Technologie ist auch, dass die Zertifizierungsbehörden sich selbst noch gar nicht wirklich im Klaren sind, nach welchen Kriterien man Technologie beurteilt, die für die Steuerung von Verkehrsflugzeugen zuständig ist. Laut Sinnett müsste die künstliche Intelligenz auch in der Lage sein, «menschlich» zu denken – als Beispiel dafür nannte der Boeing-Manager den Fall des «Wunders vom Hudson», als US-Airways-Pilot Chesley Sullenberger eine Notwasserung im New Yorker Hudson River gelang.

Passagiere können sich mit dem Gedanken eines Cockpits ohne Piloten noch nicht wirklich anfreunden – auch wenn bereits jetzt grosse Teile des Fluges vom Autopiloten geflogen werden, sehen es viele als Beruhigung an, dass noch zwei Piloten im Cockpit anwesend sind. Laut einer Studie des deutschen IT-Branchenverbandes Bitkom würden derzeit 9 von 10 Flugreisenden nicht in ein Flugzeug ohne Pilot steigen.

Passagiere fürchten Hackerangriffe und Fehlentscheide

Die Befragten fürchten, dass Computer nicht besser als Piloten mit Schlechtwetterproblemen, Triebwerksausfall oder anderen, die Erfahrung erfordernden Problemen, klarkommen würden. Auch Angst vor möglichen Programmiererfehlern oder Hacker-Angriffen sind Dinge, die Passagieren Angst machen.

Aufgrund dieser Skepsis erwarten Branchenkenner denn auch, dass die Technik zwar definitiv kommen wird, jedoch zunächst in Frachtflugzeugen eingesetzt wird. Aber bei Bitkom ist man auch überzeugt, dass sich die Zweifel irgendwann verflüchtigen werden. «Genau wie beim autonomen Fahren werden auch gegenüber dem autonomen Fliegen mit der Zeit die Vorbehalte schwinden und wird das Vertrauen wachsen», so Luftfahrtexperte Marc Bachmann in einer Mitteilung zur Studie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.06.2017, 15:28 Uhr

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