«Wir haben nichts gehört von der Reederei»
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 27.01.2012 11 Kommentare
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Nach der Havarie der Costa Concordia
14'000 Euro pro Passagier
Zwei Wochen nach der Havarie der Costa Concordia hat die Reederei mit zwölf italienischen Konsumentenverbänden eine Gesamtentschädigung von 14'000 Euro pro Passagier ausgehandelt. Der italienische Reiseindustrieverband Astoi Confindustria berichtet von einer Pauschalentschädigung von 11'000 Euro pro Passagier. Diese Summe für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung durch die Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis liegt gemäss Astoi «über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze».
Mit weiteren 3000 Euro pro Passagier werden die Kosten für die Heimreise kompensiert. Die Entschädigung soll demnach auch für Kinder bezahlt werden, die kostenlos an Bord gewesen seien. Die Regelung gilt für rund 3000 der 3200 Passagiere aus 60 Ländern. Die Hinterbliebenen der Opfer und die Verletzten sollen gesondert entschädigt werden.
Sammelklage in USA
Die Verbraucherschutzorganisation Codacons, die an der Einigung nicht beteiligt war, empfahl Passagieren, das Angebot zunächst nicht anzunehmen und sich erst auf psychische Schäden untersuchen zu lassen. Codacons bereitet eine Sammelklage gegen den Costa-Mutterkonzern Carnival in den USA vor und fordert 125'000 Euro für jeden Passagier.
Das französische Justizministerium kündigte an, dass sich ein Pariser Gericht mit der Frage der Entschädigungen für die 462 Franzosen an Bord des Luxuskreuzers kümmern werde. (vin/sda)
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Nein, eine Kreuzfahrt werden sie nicht mehr unternehmen. Eli und Toni Schläppi, die an Bord der Costa Concordia waren, haben keine Lust mehr, solche Riesenschiffe zu betreten, nachdem sie in der Nacht auf den 14. Januar bei der Havarie vor der Insel Giglio die schlimmsten Stunden ihres Lebens erlebt hatten. Zwei Wochen danach gelingt es dem Ehepaar Schläppi nur langsam, zur Tagesordnung überzugehen. Sie haben noch mit Albträumen zu kämpfen, immer wieder tauchen Szenen der chaotischen Evakuierung auf, wie die 55-jährige Frau im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet sagt.
Zusätzlich belastet wird das Befinden des Ehepaars Schläppi durch das Verhalten der Schifffahrtsgesellschaft Costa Crociere. Die Reederei hat sich am Montag nach dem Unglück telefonisch beim Ehepaar Schläppi gemeldet, um nachzufragen, ob sie gut zu Hause angekommen seien. «Das war alles», sagt Eli Schläppi. Das deutsche Reisebüro, bei dem die Kreuzfahrt mit der Costa Concordia gebucht wurde, kontaktierte das Ehepaar ebenfalls und verwies auf die Costa Crociere, um eine Verlustmeldung zu deponieren. «Aber niemand fragte nach, ob anderweitige Hilfe benötigt werde.»
Zumindest Ersatz für die persönlichen Dinge gefordert
Am letzten Montag schickte Eli Schläppi ein Schreiben an das italienische Schifffahrtsunternehmen. Der Brief enthält eine Auflistung der persönlichen Gegenstände, die das Ehepaar auf dem Schiff zurücklassen musste, zum Beispiel Gepäckstücke, Kleider und Schuhe, Schlüssel, Pässe und weitere Dokumente. «Wir erwarten von der Costa, dass diese Dinge zumindest ersetzt werden», sagt die Frau.
In der Zwischenzeit hat sich die Reederei mit einer Vereinigung von Passagieren auf die Zahlung von Schadenersatz geeinigt (siehe Infobox). Wie die italienische Zeitung «Repubblica» heute Vormittag berichtete, soll jeder Passagier 11'000 Euro Schadenersatz sowie 3000 Euro für den Reisepreis und die Rückreisekosten erhalten. Von dieser Entschädigungsvereinbarung weiss Eli Schläppi nichts, wie sie DerBund.ch/Newsnet sagte. «Wir haben nichts gehört von der Reederei.»
Im Moment geht es darum, mit dem Erlebten fertigzuwerden
Noch nicht nachgedacht hat das Ehepaar Schläppi über rechtliche Schritte gegen die Costa, die von anderen Passagieren des havarierten Schiffs angekündigt oder bereits eingeleitet wurden, um Schadenersatz und Schmerzensgeld geltend zu machen. Zunächst wolle man die Antwort der Reederei auf das Schreiben vom letzten Montag abwarten, sagt Eli Schläppi. Gleichzeitig betont sie, dass es ihnen im Moment vor allem darum gehe, mit dem Erlebten fertigzuwerden.
«Vor allem die Todesangst im Rettungsboot – dieses Gefühl kommt immer wieder hoch», erzählt die 55-jährige Baselbieterin. «Das Schiff war wie ein Gefängnis. Wir kamen nicht raus – und die Retter nicht rein. Die hohe Schiffswand war unüberwindbar. Das absackende, beinahe auskippende Rettungsboot war wie eine Falle.» Und weiter: «Die Machtlosigkeit gegenüber der kommandierenden, fehlenden Schiffscrew wühlte uns sehr auf. Das Vertrauen, sich auf Fachleute verlassen zu können, ist tief erschüttert.» Bisher haben Eli und Toni Schläppi auf eine psychologische Behandlung verzichtet. Sie hoffen, dass mit zunehmender Distanz zur Unglücksnacht die negativen Gefühle verschwinden. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.01.2012, 14:24 Uhr
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11 Kommentare
Bei allem Unglück. Ich finde es von denjenigen, die sich glücklicherweise ohne Verletzung gesund an Land retten konnten, schamlos sich an diesem Unfall zu bereichern. Das würde bedeuten, dass ein Ehepaar eine viertel Million Euro plus Schaden, plus Rückerstattung der Reise erhalten würde...! Entschädigungen in solchem Ausmass stünden meines Erachtens nur Verletzten oder Hinterbliebenen zu. Antworten
Ich glaube dir Reederei hat zur Zeit andere Sorgen,als die materielle Entschädigung von den glücklichen die nichts physisches geschehen war.Ist bereits genug die Nachfrage ob Sie gut nach Hause gekommen sind.Oder?Keine Angst die Schläppi bekommen Ihre Entschädigung!
Aber Typisch immer jammern,wieso merken die Leute nicht das Sie mit dem Leben davon gekommen sind.
Guter Rat,geniesst das Leben.
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