Wieso Cameron einen abgewetzten roten Koffer mit sich herumträgt

Am Budgetgipfel der EU in Brüssel ist der britische Premier wie alle anderen über den roten Teppich gelaufen – als einziger aber mit einem abgewetzten roten Koffer. Modebewusstsein oder Drohkulisse?

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Als David Cameron am Sondergipfel der Europäischen Union in Brüssel über den roten Teppich schreitet, sind viele Augen auf ihn gerichtet. Mit einer europakritischen Koalition im Nacken will der britische Premier eine Erhöhung des EU-Budgets verhindern. Doch wieso hält er einen roten Aktenkoffer in der Hand? Ist es Modebewusstsein – oder eine Drohung an die Kollegen im Ministerrat der EU, die verlangen, dass London mehr Geld nach Brüssel sendet?

Weit gefehlt – der rote Koffer, in Grossbritannien als Red Box bekannt, ist treuer Begleiter und traditionelles Accessoire der britischen Minister. Im Jahre 1860 begründete der britische Premier William Gladstone die Tradition. Seither wird der Koffer von den Ministern zum Transport vertraulicher Dokumente verwendet. Hergestellt wird er von der englischen Traditionsfirma Barrow and Gale aus bestem Leder. Wie die BBC vor einiger Zeit in einem dem roten Koffer gewidmeten Porträt schrieb, war Prinz Albert im 19. Jahrhundert für die Farbgebung verantwortlich – rot war die dominante Farbe im Wappen seiner Familie Sachsen-Coburg und Gotha.

Elektronischer roter Koffer nicht erfolgreich

Einen besonderen Einsatz hat der Koffer jeweils bei der Präsentation des Budgets des Vereinigten Königreichs. Bevor der jeweilige Schatzkanzler dieses im roten Koffer ins Parlament trägt, zeigt er den Koffer vor dem Regierungssitz den anwesenden Fotografen und Schaulustigen. Bis 2010 wurde sogar der originale Koffer aus dem Jahre 1860 verwendet.

Nicht erfolgreich war laut der BBC ein Pilotversuch mit einem elektronischen roten Koffer – mit Fingerabdruckerkennung und eingebautem Notebook – gewesen. Es bleibt also zu vermuten, dass David Cameron in Brüssel höchstens Papiere mit drastischen Kürzungsplänen mit sich herumträgt.

(DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 22.11.2012, 18:33 Uhr)

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