Müder Passagier legt SBB-Verkehr lahm und macht sich aus dem Staub
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 17.01.2012 2 Kommentare
Als die neue SBB-Zentrale Ost den Medien vorgestellt wird, gilt es für die Mitarbeiter ernst: Sie müssen auf eine Störung zwischen Winterthur und Schaffhausen reagieren.
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Heute Dienstag kurz vor 8 Uhr erreichte ein S-Bahn-Zug seinen Endbahnhof Zürich-Altstetten. Alle Fahrgäste stiegen aus, und der leere Zug wurde in Richtung Wettingen AG weitergezogen. «Dort sollte er auf seinen nächsten Einsatz warten», wie SBB-Sprecher Reto Kormann gegenüber der SDA sagte.
Ein Passagier verschlief jedoch offenbar die Endhaltestelle. Statt auszusteigen, schlummerte er im leeren Zug weiter. Als er erwachte, rieb er sich die Augen: Schlieren! Der Fahrgast sprang auf, packte die Notbremse und zog.
Halt löst Kurzschluss aus
Das Pech wollte es, dass der Zug ausgerechnet auf einem sogenannten Streckentrenner zum Stillstand kam. «Dort gibt es unterschiedliche Stromspannungen», wie Kormann erklärte. Dies löste einen Kurzschluss aus.
Dieser hat vermutlich bewirkt, dass eine derart grosse Hitze entstand, dass die Fahrleitung durchtrennt wurde. Darauf stürzte die Leitung zu Boden. Das Ende der Leitung berührte dabei einen Wagen, was zu einem derart grossen Stromfluss führte, dass der Zug beschädigt wurde. Daraufhin schaltete das Sicherheitssystem den Strom sofort ab.
Passagier durchgebrannt
Der Lokführer bemerkte, dass sich eine Türe öffnete und ein Passagier ausstieg, sagt Kormann gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Der müde Fahrgast sprang aus dem Wagen und floh über drei Gleise.
Ob gegen den Passagier Anzeige eingereicht wird und wie teuer der Schaden ist, kann Kormann derzeit nicht sagen. Priorität habe nun, dass die Gleise vor der Rushhour am Abend wieder befahrbar sind. Die Bahnstörung vom Dienstag zwischen Schlieren und Dietikon im Limmattal nähert sich derzeit dem Ende. Mitte Nachmittag waren drei von vier Gleisen wieder befahrbar, wie Kormann der sda mitteilte.
Damit könne man voraussichtlich den Ansturm der abendlichen Rush- Hour bewältigen, sagte Kormann. Bis das vierte und letzte Gleis wieder befahren werden kann, dürfte es etwa 22 Uhr werden.
1300 Minuten Verspätung
Vom Ausfall waren 176 Züge betroffen. Sie fuhren Verspätungen von insgesamt 1300 Minuten ein, rechnete Kormann vor. Bisher seien keine so genannten Regress-Forderungen bei der SBB eingegangen. Dies werde aber voraussichtlich noch kommen. Wenn ein Zugspassagier wegen der Streckenblockierung beispielsweise einen Flug verpasst hat, dann wird er wohl Forderungen geltend machen.
Mit ihrem Missbrauch der Notbremse ist die Person nicht allein. Laut Kormann registrierte die SBB im vergangenen Jahr 350 missbräuchliche Notbremsungen. Im Jahr zuvor waren es gar 395. Blicke man auf die vergangenen Jahre, so bewege sich die Zahl regelmässig zwischen 320 und 400. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 11:29 Uhr
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