Panorama

Vincenzo Capodici
Reporter


Überbleibsel einer Tenniskarriere

Aktualisiert am 27.04.2012

Patty Schnyder hinterliess bei ihrem Abgang aus der Schweiz Schulden in der Höhe von rund 380'000 Franken. Das Betreibungsamt Höfe hat nun Rackets, Sporttaschen, Möbel und andere Dinge des früheren Tennisstars versteigert.

1/15 Bei der Gant in Schindellegi stehen sehr persönliche Dinge von Patty Schnyder zum Verkauf – zum Beispiel eine von einem Fan gebastelte Uhr mit Tennisbällen und Fotos der einstigen Top-Ten-Spielerin.
Bild: Chantal Hebeisen

   

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Ausverkauf: Das Betreibungsamt versteigert private Gegenstände von Patty Schnyer. (Video: Keystone)

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Patty Schnyders bewegtes Leben

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Vom Liebling der Nation zur tragischen Figur.

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«Nein, wegen Patty Schnyder bin ich nicht hier», sagt ein älterer Mann, der bei den Versteigerungen im Maihofsaal in Schindellegi (SZ) immer dabei ist – aus Neugier, aber auch, weil er sich hier bei einem Bier mit Bekannten austauschen kann. Dieser Mann ist schlecht auf die frühere Weltklasse-Tennisspielerin zu sprechen. Sie sei zuerst auf den «Orangensaft-Heini hereingefallen und dann auf den anderen Tubel». Selber schuld, meint er zur finanziellen Misere der einstigen Grossverdienerin, die in Pfäffikon und Bäch wohnte. Überhaupt: Wenige Gantbesucher geben sich als Schnyder-Fans zu erkennen.

Mehrere hundert Neugierige sind an diesem frühlingshaften Abend nach Schindellegi gekommen, wo der Höfner Betreibungsbeamte Franz Stössel zweimal im Jahr zur Gant einlädt. Gleich zu Beginn kommen Velos, Motorräder und Autos unter den Hammer. Für 90'000 Franken findet zum Beispiel ein Porsche 911 GT3 RS einen neuen Besitzer. Keines dieser Fahrzeuge gehörte jedoch Patty Schnyder, die bei ihrem abrupten Weggang vom oberen Zürichsee nach Deutschland einen Teil ihres Besitzes bei einem Cargo-Unternehmen zwischengelagert hatte. Die Fahrzeuge stammen von anderen Schuldnern.

«Das meiste ist Schrott und nicht viel wert»

Was von Schnyder zur Versteigerung kommt, sind ein halbes Dutzend Sporttaschen mit Adidas-Kleidern, weitere Taschen mit Spielfilm-Videos, etwa ein Dutzend Tennisrackets, ein Sack mit Tennisbällen, eine Kunstpalme, mehrere Hocker, ein Katzenkörbli, eine Kiste mit CDs, ein Schachtel mit Pokalen aus der Jugendzeit und Fanpost, ein Röhrenfernseher, eine Sporttasche mit Tauchutensilien, eine Stereoanlage, zwei Bettgestelle, zwei Holzmöbel, Skischuhe und Skistöcke, ein Golfschläger und acht Kisten mit allerlei kleinen Dingen. «Das meiste ist Schrott und nicht viel wert», sagt ein älterer Mann bei der Besichtigung der Habseligkeiten der früheren Tennisspielerin vor dem Beginn der Gant. Eine Frau im mittleren Alter begutachtet ganz genau die Tennisschläger. Sie winkt dann aber entschieden ab bei der Frage, ob sie die Rackets ersteigern werde: «Nein, auf keinen Fall.»

Die Gant wird lange dauern an diesem Abend. Zuerst werden Antiquitäten, Bordeaux-Weine, Teppiche, Möbel, Halsketten und Ohrringe, Uhren mit Brillanten, Computer und weitere Sachen von anderen Schuldnern versteigert. Am späten Abend kommen endlich Sportartikel, Hausrat und andere Gegenstände von Schnyder unter den Hammer. Die Versteigerung verläuft schleppend, das Interesse des Publikums hält sich in Grenzen.

Erlös von ein paar tausend Franken

Die Versteigerung von Schnyders Sachen dürfte am Schluss ein paar tausend Franken eingebracht haben, die anschliessend an die Gläubiger der früheren Tennisspielerin verteilt werden. Das ist sehr wenig, denn die beim Betreibungsamt Höfe registrierten Forderungen belaufen sich auf 379'260 Franken und 85 Rappen. Dies geht aus dem amtlichen Betreibungsauszug hervor, den der «SonntagsBlick» im letzten Sommer publik gemacht hatte. Bei den Gläubigern handelt es sich unter anderem um Steuerbehörden, Treuhandbüros, Banken und eine Seniorenresidenz in Pfäffikon, wo Schnyder und ihr Ehemann Rainer Hofmann eine Zweieinhalbzimmerwohnung gemietet hatten. Der offizielle Wohnsitz war Bäch, das wie Pfäffikon zur steuergünstigen Gemeinde Freienbach gehört.

Im Frühjahr 2011 zog das Ehepaar Schnyder Hofmann weg aus dem Kanton Schwyz. Die Beiden dürften sich in Deutschland aufhalten. Die einstige Top-Ten-Spielerin, die Preisgelder in der Höhe von rund 8,5 Millionen Dollar gewonnen hatte, beendete ihre Karriere im letzten Mai nach der Erstrundenniederlage am French Open in Paris. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.04.2012, 12:41 Uhr

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