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US-Experimente töteten über 80 Menschen
Aktualisiert am 30.08.2011 22 Kommentare
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Bei Menschenversuchen von US-Medizinern in Guatemala vor rund 65 Jahren sind nach Angaben einer Untersuchungskommission mindestens 83 Menschen getötet worden. Rund 5500 Testpersonen seien den Experimenten ausgesetzt gewesen. Die Forscher hätten 1300 von ihnen ohne deren Wissen mit den ansteckenden Geschlechtskrankheiten Tripper oder Syphilis infiziert.
Medizinisch behandelt wurden allerdings nur etwa 700 von ihnen, wie ein Mitglied des von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Gremiums gestern bei der Vorstellung vorläufiger Untersuchungsergebnisse erklärte. Die Menschenversuche hatten in den Jahren 1946 bis 1948 stattgefunden. Ein US-Arzt wollte über sie herausfinden, ob Tripper oder Syphilis mit dem damals noch neuen Wirkstoff Penicillin behandelt werden könnten.
Wunden geöffnet und Bakterien gespritzt
Zunächst infizierte das Medizinerteam Prostituierte, dann ermunterten sie die Frauen zu ungeschütztem Sex mit Soldaten oder Gefängnisinsassen. Weil sich nur wenige Männer ansteckten, infizierten die Ärzte schliesslich Soldaten, Gefängnisinsassen sowie psychisch Kranke direkt mit den Krankheitserregern.
«Es war ein inhumanes und brutales Verhalten», kritisierte Anita Allen von der US-Kommission. «Man hat ihnen Wunden geöffnet und Bakterien, Meningitis, Neurosyphilis und andere Krankheiten gespritzt. Und das sind schwere Menschenrechtsverletzungen».
Guatemalas Bericht im Oktober
US-Präsident Obama und seine Regierung hatten sich im Oktober offiziell bei Guatemala für die Menschenversuche entschuldigt. Einen Monat später setzte Obama die Untersuchungskommission ein, um die Vorgänge von damals aufzuklären.
Eine vom guatemaltekischen Präsidenten Álvaro Colom eingesetzte Kommission soll ihren Bericht im Oktober dieses Jahres veröffentlichen. Die Medien des Landes berichteten heute ausführlich über den Skandal und verurteilten die Tests als «Scheusslichkeit». «Alle Bürger der USA sollten Scham empfinden», schrieb die bedeutendste Zeitung «Prensa Libre». «Alle Guatemalteken werden Schmerz und Wut empfinden.» (ami/sda)
Erstellt: 30.08.2011, 21:36 Uhr
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