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Tagebuch einer Entführung

Aktualisiert am 14.05.2012 39 Kommentare

Die ehemaligen Schweizer Geiseln Daniela W. und David O. führten Buch über ihre Gefangenschaft in Pakistan. Der «Spiegel» veröffentlichte heute Ausschnitte davon.

Leidensnotizen und Austausch mit den Geiselnehmern: Ausschnitt aus dem Tagebuch von Daniela W. (Ausriss: «Spiegel»)

Leidensnotizen und Austausch mit den Geiselnehmern: Ausschnitt aus dem Tagebuch von Daniela W. (Ausriss: «Spiegel»)

Zweifel an Fluchttheorie

Die Entführung von Daniela W. und David O. ereignete sich im Juli vergangenen Jahres im Nordosten Belutschistans. Das Paar – ein aktiver Polizist und eine ehemalige Beamtin der Kantonspolizei Bern – befand sich auf einer Reise mit einem eigenen VW-Bus.

Nach mehreren Monaten Gefangenschaft konnten sich die Geiseln nach eigenen Angaben Mitte März selbst befreien. Nach der Rückkehr in die Schweiz wurden allerdings von verschiedenen Seiten Zweifel an der Fluchttheorie laut. Geheimdienstler sprachen von Lösegeld, das die Schweiz an die Taliban gezahlt haben soll.

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Die Schweizer Geiseln der Taliban

Die Schweizer Geiseln der Taliban
Über acht Monate befanden sich Daniela W. und David O. in Geiselhaft der Taliban. Das Berner Paar wurde auf seiner Reise im Westen Pakistans entführt.

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«Wir wissen, am Ende kommt das zweite Leben», schreibt Daniela W. am 30. Oktober des letzten Jahres, dem 122. Tag ihrer Gefangenschaft, in ihr Tagebuch. Es sollte nochmals knapp 5 Monate dauern, bis sie mit ihrem Lebensgefährten David O. tatsächlich ihr zweites Leben antreten konnte: Am 15. März 2012 gelingt den beiden Bernern die Flucht. Der «Spiegel» veröffentlichte heute Tagebucheinträge der beiden Ex-Geiseln (Artikel online nicht verfügbar).

Die schriftlichen Notizen erzählen eindrücklich von der monatelangen Leidensgeschichte des Schweizer Paars. Die ersten Einträge sind dramatisch: «Sie pressen uns auf den Kofferraumboden des Jeeps. [...] Ich sehe David nicht, ich höre ihn keuchen. Ich sage: ‹Sie erschiessen uns!› [...] Wir sagen, dass es schnell geht, wenn sie uns erschiessen.»

«Schokolade, Kuchen und Freiheit»

Die Lebensbedingungen sind schlecht: «Der Aufenthaltsraum ist feucht, stickig und dunkel. [...] Ich schlafe an der Wand. Alle beobachten uns.» Nach acht Tagen Gefangenschaft notiert Daniela W.: «Wir essen fast nichts. Hunger gibt es nicht mehr. Nur Angst.» Nach sieben Wochen in den Händen der Taliban schreibt sie: «An die Explosionen und Schüsse haben wir uns gewöhnt. Auch das Surren der Drohnen gehört dazu, 24 Stunden. Es ist Krieg hier.»

Immer wieder schimmert auch Hoffnung durch die Zeilen: «Um 9.30 Uhr bin ich wach. Wieder einmal von Süssigkeiten geträumt. Von Schokolade, Kuchen und der Freiheit. Von einer Waschmaschine und dass sie uns sagen, ihr könnt jetzt gehen.»

Aber auch eine gewisse Normalität scheint im Leben von Daniela W. und David O. Einzug zu halten. Am 8. und 9. März feiern die beiden ihre Geburtstage: «David singt für mich, als ich noch auf dem Bett liege. In seiner Hand eine Banane, darin ein brennendes Streichholz. Meine Geburtstagstorte.»

Ein Tagebuch gegen die Langeweile

Das Tagebuch erfüllt neben dem Aufzeichnen und Verarbeiten des Erlebten auch weitere Funktionen. Um die Langeweile zu vertreiben, spielt das Paar immer wieder Stadt-Land-Fluss, schreibt Wörterliste um Wörterliste. Mittels Zeichnungen versuchen sie mit den Geiselnehmern zu kommunizieren. Diese waren fast ausnahmslos Analphabeten. Eine skizzierte reich gedeckte Tafel soll Dankbarkeit ausdrücken für ein unüblich üppiges Mahl. Das entführte Paar brachte sich über die Monate auch selber rudimentäre Kenntnisse der Sprache der Paschtunen bei, auch dies kann man anhand der Tagebucheinträge nachvollziehen.

«Ich habe mich nie gefragt: ‹Warum ausgerechnet wir?› Denn niemand anderem hätte ich das je gewünscht», schreibt Daniela W. einmal in ihr Tagebuch. Mehr als acht Monate werden die zwei Geiseln von den Taliban an verschiedenen Orten gefangen gehalten. Am 15. März 2012 gelingt den beiden die Flucht.

Zu Fuss verlassen sie das Lager der Taliban und erreichen schliesslich in der Dunkelheit ein Militärfort der pakistanischen Armee. Nach zwei Stunden werden sie endlich eingelassen und mit Helikoptern ausgeflogen. Am 17. März kehren die beiden in die Schweiz zurück – nach 259 Tagen Gefangenschaft. (mpl)

Erstellt: 14.05.2012, 11:25 Uhr

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39 Kommentare

Bruno Bänninger

14.05.2012, 11:58 Uhr
Melden 150 Empfehlung 0

Der nächsten Schritte der beiden auf ihrem Weg zur Prominenz werden direkt in Talk-shows führen. Danach dürfte rechtzeitig auf Weihnachten ein Buch erscheinen und als Krönung in einem Jahr ein TV- Dok-Filmchen. Parallel mit ihrer Populatität werden die Einnahmen steigen. Dazu dumme Fragen eines Spiessers: Was hat die Befreiungsübung den Bund wirklich gekostet? Wer bezahlt? Antworten


Mario Monaro

14.05.2012, 12:25 Uhr
Melden 58 Empfehlung 0

Unglaublich, dass es in vielen Kommentaren hier nur ums Geld geht. Die Schweizer werden ihrem Ruf vollumfänglich gerecht... Antworten



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