So geht es den Kumpel heute
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Der Jubel verstummte bald: Mario Sepúlveda nach seiner Rettung. (Bild: Keystone )
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Von der Mine gings nach Disney World. Davor besuchte Jimmy Sánchez Griechenland, Grossbritannien, Israel und Los Angeles und es kostete ihn nichts. Eine Vielzahl von Menschen, die vom Schicksal des chilenischen Bergmanns berührt waren, luden ihn ein. Sánchez war einer der 33 chilenischen Kumpel, die vor einem Jahr in einer Mine in Copiapó verschüttet und am 13. Oktober 2010 nach 69 Tagen gerettet wurden.
Die Bergleute hofften nach ihrer Rettung, sie könnten ihre Geschichte zu Geld machen. Heute sind Sánchez, der Weitgereiste, und die meisten seiner Kumpel arbeitslos, wie die «New York Times» berichtet. Zweimal im Monat reist er mit dem Bus in die 11 Stunden entfernte Hauptstadt Santiago, zu seinem Psychiater.
Vom Marathon zum Drogenentzug
Die meisten seiner Kollegen hätten wie er psychische Probleme, sagt der 20-Jährige. «Die Angst, dass wir unsere Familien nie mehr wiedersehen, dass wir sterben würden – diese Erinnerungen kann man nicht mehr abschütteln.» Laut einem der Psychiater der Kumpel ist das Trauma der Bergleute vergleichbar mit jenem von Vietnam-Veteranen. Die posttraumatischen Symptome seien chronisch.
Edison Peña, einer der Kumpel, verkraftete weder das Unglück noch den Ruhm nach seiner Rettung. Er trat in David Lettermans Show auf, rannte den Marathon von New York. Dann begann er zu trinken, nahm Drogen. Heute macht er eine Entziehungskur.
Der Reichtum lässt auf sich warten
Nicht nur um die Psyche, auch um die Finanzen steht es schlecht. Einige der Kumpel sind gemäss der amerikanischen Zeitung ärmer als zuvor. Nur die wenigsten hätten einen festen Job. Vier der einst Verschütteten arbeiten wieder unter Tag. Einige versuchen, sich als Früchtehändler über Wasser zu halten. «Sie gaben uns das Gefühl, Helden zu sein. Heute verkaufen wir Erdnüsse. Ist das nicht ironisch?», fragt Edison Peña.
Bis heute ist die Geschichte der 33 Kumpel nicht verfilmt. Ursprünglich war dies der Plan, und die Bergmänner erhofften sich von einem Hollywood-Streifen fette Tantiemen. Doch es gibt noch nicht einmal ein Drehbuch für einen Film. Auch von der Politik gab es nicht viel zu holen. Der chilenische Präsident Sebastián Piñera, der sich mit der spektakulären Rettung der Kumpel als tatkräftiger Mann inszenierte, steht in der Kritik, die Opfer vergessen zu haben. Allerdings sprach er den 14 Ältesten und Kränksten unter ihnen kürzlich eine monatliche Rente von 500 Dollar zu – halb so viel Geld, wie die Kumpel vor dem Unglück verdient hatten.
Das grosse Geschäft des Motivators
Finanziell am meisten Erfolg hatte wohl Mario Sepúlveda, der nach seiner Rettung wegen seiner Freudensprünge den Übernamen «Super Mario» erhalten hatte. Sepúlveda war der Motivator im Team gewesen, und dies macht er sich noch heute zunutze: Er hat ein Unternehmen gegründet und hält für Kunden Referate über Motivation. «Wenn ich so weitermache, bin ich eines Tages Millionär», soll er vor kurzem gesagt haben. Bei seinen einstigen Kollegen soll sein Erfolg für Irritation sorgen. Einige seien auf ihn eifersüchtig, heisst es. Allerdings geht es auch «Super Mario» nicht super: Er gehört zu jenen, die unter posttraumatischem Stress leiden. (miw)
Erstellt: 12.10.2011, 16:26 Uhr
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