«Sie behandeln uns wie Hunde»
Artikel zum Thema
Mädchen gerettet
Nach dem Absturz eines jemenitischen Passagierflugzeugs mit 153 Menschen an Bord ist ein 14-jähriges Mädchen vor der Küste der Komoren lebend geborgen worden. Das bestätigte das komorische Verkehrsministerium am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.
Der Sprecher der jemenitischen Zivilluftfahrtbehörde hatte zuvor von einem fünf Jahre alten Jungen gesprochen, der gerettet worden sei. Auch ein Vertreter der Fluggesellschaft Yemenia berichtete von einem Überlebenden. Ob es sich dabei um das Mädchen handelte, war zunächst unklar. Früher am Nachmittag wurde auch schon gemeldet, es handle sich um einen «Säugling».
Sie war von einem der Boote geborgen worden, die vor den Komoren im Indischen Ozean nach dem Wrack suchten. Fischer hätten desweiteren Wrackteile und persönliche Objekte von Passagieren wie Handtaschen oder Koffer entdeckt, berichtete der Vertreter des Roten Halbmonds. Laut dem komorischen Verkehrsministerium wurde zudem drei Leichen geborgen.
Trauer und Betroffenheit über die 228 Opfer im Air-France-Flug von Brasilien nach Paris sitzen noch tief, da verunglückt ein weiterer Airbus mit 153 Menschen an Bord. Unter den Vermissten: 66 Franzosen, die auf den Komoren ihren Urlaub verbringen wollten.
Familien mit Kindern. Sie waren am Montag von Marseille aufgebrochen und im Jemen in den Todesflieger umgestiegen. Auch wenn ein Kind aus dem indischen Ozean gerettet werden konnte, gibt es kaum Hoffnung auf viele Überlebende.
Entsetzen in Marseille
Wieder ein Krisenzentrum am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Wieder Bilder von Angehörigen unter Schock.
Besonders in Marseille herrscht Entsetzen. «Es ist die schiere Verzweiflung», sagt der komorische Generalkonsul Stéphane Salord. «Es handelt sich um Familien, die jedes Jahr mit Beginn des Sommers in ihre alte Heimat reisen, um mit Freunden und Verwandten die Ferien zu verbringen.» Die Identitäten der Passagiere wurden zunächst nicht bekanntgegeben. «Die meisten sind Franko-Komorer», sagt Salord.
«Fliegende Viehtransporter»
In Marseille leben rund 80'000 von ihnen. Dass sie zur Reise in ihr Herkunftsland auf technisch bedenkliche Flugzeuge angewiesen sind, macht sie wütend. «Man setzt uns in Schrottmaschinen, die den Normen nicht entsprechen», sagt Farid Soilihi, Präsident der Organisation SOS-Voyages mit Sitz in der französischen Hafenstadt. «Zum grossen Unglück hat der komorische Staat nicht auf uns gehört. Nun ist geschehen, was wir vorhergesagt haben.» Von «fliegenden Viehtransportern» spricht Generalkonsul Salord, und sagt, manche «Schrott-Airlines» würden sich amüsieren, unsichere Maschinen einzusetzen.
Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau bestätigt den Vorwurf. Bei einer Inspektion der Unglücksmaschine vor zwei Jahren sei «eine grosse Zahl von Mängeln» festgestellt worden. Seitdem sei der Airbus A310-300 vom französischen Himmel verbannt worden. Die Fluggesellschaft Yemenia Air steht jedoch nicht auf der schwarzen Liste der EU. Bislang habe sie die Sicherheitsanforderungen erfüllt, sagt EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Die Airline werde nun verschärft überprüft.
Die neuen Bilder von Angehörigen unter Schock wecken in Frankreich schmerzhafte Erinnerungen an den 1. Juni, als 71 Franzosen auf dem Weg von Brasilien in die Heimat über dem Atlantik in den Tod stürzten, zusammen mit 28 Deutschen und 129 weiteren Passagieren. Staatspräsident Nicolas Sarkozy drückt den Betroffenen auch am Dienstag sein tiefes Mitgefühl aus. Und schickt abermals Marineschiffe und Flugzeuge aus, um zu retten, wenn es noch etwas zu retten gibt.
Crew-Mitglieder aus fünf Ländern
Als schwarzer Monat wird der Juni auch in die Geschichte von Airbus eingehen. Die vor Brasilien verunglückte Maschine war ein A330. Ob anfällige Geschwindigkeitssensoren eine Rolle beim Absturz über dem Atlantik spielten, könnte am Donnerstag bekanntwerden, wenn die französischen Ermittler ihren ersten Zwischenbericht vorlegen. Die Maschine der Air France war von erfahrenen französischen Piloten gesteuert worden.
Der A310 der Yemenia Air glich, glaubt man den Vorwürfen aus Marseille, einem Seelenfänger. 1990 ausgeliefert, wurde er seit 1999 von der staatlichen jemenitischen Fluggesellschaft betrieben. Mehr als 50'000 Flugstunden hatte die Maschine auf dem Buckel, mehr als 17'300 Starts und Landungen. Und die elfköpfige Crew war aus fünf Ländern zusammengewürfelt. Ihr gelang es nicht, trotz undramatischer Wetterlage die Maschine zu landen.
Seit Jahren schon beklagen sich die Komorer bei ihrer Regierung über die Airline. «Sie behandeln uns wie Hunde», sagt ein Angehöriger am Flughafen Charles de Gaulle. «Es gibt Menschen, die all ihr Geld für den Flug sparen. Wenn es für einen Flug in den Tod ist, dann lohnt es nicht.» (sam/ap/)
Erstellt: 30.06.2009, 16:57 Uhr
Panorama
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.




