Panorama

Schweizer Missionarin in Mali verschleppt

Aktualisiert am 16.04.2012 59 Kommentare

Der Norden Malis gilt als gefährliche Region für westliche Ausländer – umso mehr, seit Rebellen die Region kontrollieren. Gestern ist eine Schweizer Missionarin von Bewaffneten entführt worden.

Sie engagierte sich im Norden Malis sozial: In der Stadt Timbuktu wurde die Schweizerin entführt.

Sie engagierte sich im Norden Malis sozial: In der Stadt Timbuktu wurde die Schweizerin entführt.
Bild: Keystone

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Im Norden Malis ist gestern eine Schweizerin von Unbekannten aus ihrem Haus verschleppt worden. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte heute die Entführung in der Oasenstadt Timbuktu.

Das Departement stehe mit der Familie der Frau in Kontakt, hiess es in einer Mitteilung. Das Krisenmanagement-Zentrum (KMZ) des EDA habe seine Arbeit aufgenommen.

Zudem stünden das Koordinationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bamako und die für Mali zuständige Schweizer Botschaft in Dakar in Kontakt mit den lokalen Behörden, die für die Lösung dieses Entführungsfalls zuständig seien.

Sozial engagierte Missionarin

Nach Aussagen eines Beamten der Stadtregierung war die Frau gestern Nachmittag von bewaffneten Männern mit Turban entführt worden. Ein Bewohner der Stadt sagte, er habe sechs bewaffnete Männer gesehen, welche die Schweizerin mitgenommen hätten.

Ein Nachbar der Schweizerin im Abaradjou-Quartier bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Berichte. «Sie war bekannt in der Stadt», sagte ein weiterer Bewohner von Timbuktu. Sie sei in der Stadt herumgegangen und habe versucht, Leute zum Christentum zu konvertieren.

Nach übereinstimmenden Aussagen ist die rund 40-jährige Frau eine sozial engagierte Missionarin, die seit Jahren in Timbuktu lebt und mehrere lokale Sprachen spricht.

EDA rät von Reisen ab

Tuareg-Rebellen haben vor rund einer Woche die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. Die Macht wird allerdings de facto zu grossen Teilen von der islamistischen Bewegung Ansar Dine ausgeübt. Diese kontrolliert nach Berichten aus der Region alle wichtigen Städte, darunter auch Timbuktu.

Wegen der hohen Entführungsgefahr rät das EDA in seinen Reisehinweisen seit Dezember 2009 von Reisen nach Mali ab. Ende März hatten Militärs in Bamako Präsident Amadou Toumani Touré von der Macht geputscht. Den Machtkampf in der Hauptstadt nutzten Tuareg-Rebellen und Islamisten, um den Norden zu überrennen.

Die Putschisten haben inzwischen den bisherigen Parlamentspräsidenten Dioncounda Traoré zum Interimspräsidenten ernannt. Er wurde Mitte April vereidigt und soll unter anderem Neuwahlen organisieren. Aufgrund der unsicheren Lage empfahl das EDA Ende März allen Schweizern in Mali, das Land vorübergehend zu verlassen.

Nicht die erste Entführung

Im Januar 2009 war ein Schweizer Ehepaar zusammen mit einer Deutschen und einem Briten im Grenzgebiet von Mali und Niger entführt worden. Die Touristengruppe befand sich auf dem Rückweg von einem Tuareg-Festival im malischen Anderamboukane.

Zur Entführung bekannte sich ein Ableger der al-Qaida im Maghreb. Die beiden Schweizer kamen nach mehreren Monaten frei, der britische Tourist wurde hingegen von den Geiselnehmern geköpft.

Zuvor waren 2003 vier Schweizer und zehn weitere Touristen in Algerien verschleppt worden. Nach sechs Monaten in Geiselhaft wurden sie in Mali freigelassen.

(jak/ rbi/sda)

Erstellt: 16.04.2012, 13:04 Uhr

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59 Kommentare

Robert Marek

16.04.2012, 07:29 Uhr
Melden 95 Empfehlung 0

entwicklungshilfe mag ja gut und recht sein, doch missionieren ist in der heutigen zeit nicht nur naiv, sondern schlicht daneben. ich verstehe gewisse regierungen, wenn sie missionare konsequent aus dem land werfen. im übrigen gibt es auch weltreligionen, wie das judentum, der buddhismus u.a., die andersgläubigen nicht ihren glauben aufzwingen (islam) oder sonstwie einreden (christentum) wollen. Antworten


lara kraft

16.04.2012, 07:43 Uhr
Melden 88 Empfehlung 1

Missionieren ist einfach nur dumm. Egal ob zu Hause oder in fremden Ländern. Antworten



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