Russische Luxusraser rammen in Genf einen Rentner
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Vier Luxusboliden, Spitzengeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern: Die Zeugenaussagen lassen eher auf die Rennstrecke in Monza als auf die Kantonsstrasse zwischen Bellevue und Versoix (GE) schliessen. Noch ist allerdings nicht gänzlich geklärt, was sich letzten Donnerstag auf dem Strassenabschnitt zugetragen hat – die Westschweizer Zeitung «Le Matin» hat jedoch versucht, die Ereignisse zu rekonstruieren: Um 23 Uhr verlassen vier junge Russen im Alter von 20 bis 25 Jahren das Viersternhotel La Réserve in Bellevue. Sie sollen steinreich sein, Söhne von Industriellen und Ölbaronen.
Darauf besteigen sie ihre Luxusboliden – einen Lamborghini Murcielago, einen Mercedes McLaren, einen Porsche Cayenne Turbo und einen Bugatti Veyron – und wärmen die Motoren auf. Der Lamborghini gehört seinem Fahrer, die anderen drei Boliden sind gemietet. Die Raser formieren sich auf der Kantonsstrasse nach Versoix und drücken aufs Gaspedal. Mit «ohrenbetäubenden Motorengeheul» jagen sie nebeneinander her, rasen mehrere Male über die doppelte Sicherheitslinie, erreichen Spitzen von 200 Stundenkilometern. Immer wieder überholen sie sich dabei in geringen Abständen.
Ohne sich um das Opfer zu kümmern, brausen sie davon
Plötzlich geschieht es: Der Lamborghini rammt nach einem Überholmanöver einen Golf, der von einem 70-jährigen Rentner gefahren wird. Der Golf dreht sich mehrmals um die eigene Achse, prallt in eine Mauer und kommt zum Stillstand. Auch der Lamborghini rast in die Mauer. Der junge Russe hat jedoch mehr Glück als der Rentner, der in seinem total zerstören Auto schwer verletzt wird. Die drei anderen Raser kehren um, als sie den Unfall bemerken. Sie bergen ihren Kollegen aus dem Lamborghini und setzen ihn an den Strassenrand. Um den verletzten Rentner kümmern sie sich nicht. Inzwischen ruft ein Zeuge die Polizei an. Die drei bekommen es mit der Angst zu tun, steigen in ihre Autos und brausen davon.
Die Polizei braucht nicht lange, um die Raser ausfindig zu machen. Sie werden kurz verhört und wieder freigelassen – trotz massiver Regelübertretungen. Der Fahrer des Lamborghini hat sogar 1,1 Promille im Blut, wie sich herausstellt. Von einer Sonderbehandlung will man bei der Genfer Kantonspolizei jedoch nichts wissen: «Es handelt sich dabei nicht um Delikte, die eine Inhaftierung nötig machen würden», sagt Sprecher Patrick Pulh gegenüber «Le Matin». Das russische Konsulat im Genf sagt, es sei nicht klar, ob die Raser auch wirklich Russen seien. Man habe noch keine Bestätigung der Polizei erhalten. «Alle russischsprachigen Ausländer werden hier Russen genannt, auch wenn sie Bürger anderer Länder sind», sagt ein Sprecher gegenüber der russischen Agentur «Ria Nowosti». (cha)
Erstellt: 24.11.2009, 13:59 Uhr
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