Panorama

Riehener Feuerteufel ist wieder aktiv

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 13.04.2011 1 Kommentar

50 Tage herrschte Ruhe. Nun hat es innert eines Monats in und um Riehen wieder siebenmal gebrannt. Die Bevölkerung schwankt zwischen Ratlosigkeit, Resignation und Misstrauen gegenüber Fremden.

Der Brand eines Holzlagers in Riehen im Juli 2006: Die Serie der Brandstiftungen ist bis heute nicht abgerissen.

Der Brand eines Holzlagers in Riehen im Juli 2006: Die Serie der Brandstiftungen ist bis heute nicht abgerissen.
Bild: Keystone

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Der Feuerteufel von Riehen ist wieder da. Und er wird immer mutiger. So brannten am Sonntagabend, 21. März, drei Gartenhäuschen am Weilmattweg in Riehen aus. Während die Polizei im Gebiet patrouillierte. Und wo keine 24 Stunden zuvor bereits zwei Gartenhäuschen niedergebrannt waren. Seither musste die Feuerwehr jedes Wochenende ausrücken. Einmal brannte erneut ein Gartenhaus, zweimal Stapel von gelagertem Holz. Und letztes Wochenende ein Bienenhaus. Zwei Bienenvölker fielen dem Brand zum Opfer. Die Feuerwehrleute hatten nicht nur gegen die Flammen, sondern auch gegen die überlebenden Bienen zu kämpfen.

50 Tage der Ruhe liegen zwischen der letzten und der aktuellen Brandserie. Diese begann am 13. März so, wie die letzte am 22. Januar geendet hatte: mit einem Brand in einer Einstellhalle. Mittlerweile zählt die Polizei seit 2005 über 70 ungeklärte Brandfälle. Einem jugendlichen Brandstifter, der gefasst worden war, konnten nur zwei Brände aus der unheimlichen Serie des Feuerteufels zugeordnet werden. Dieser wird in seinen Methoden, Aufmerksamkeit zu erlangen, dreister und energischer. Innert eines Monats hat er nun sieben Brandstiftungen begangen. Teils am helllichten Tag, wie im Fall des angezündeten Bienenhäuschens, teils in unmittelbarer Nähe patrouillierender Polizisten. Der Feuerteufel spielt mit den Behörden Katz und Maus.

Hoffen auf ein baldiges Ende

Dies nährt in der Riehener Bevölkerung die Hoffnung, dass er bald gefasst werden kann. «Vielleicht geht es nicht mehr lange, vielleicht wollen der oder die Täter endlich erwischt werden», sagt Rosmarie Mayer, Präsidentin der Vereinigung Riehener Dorfgeschäfte. Mayer bringt zum Ausdruck, was viele Riehener nach einer sechsjährigen Serie von Brandstiftungen spüren, aber nicht gern zugeben: Man stumpft ab. Die Brandstiftungen verlieren ihren Schrecken. Zumindest für jene, die nicht direkt davon betroffen sind. «Es ist ein wenig, wie es mit den Massakern in Libyen oder der Katastrophe von Fukushima auch ist. Anfänglich ist man sehr betroffen, aber irgendwann kehrt wieder Alltag ein, es nimmt einen nicht mehr so mit wie am Anfang», sagt Mayer.

Doch spurlos ist die Brandserie nicht an den Riehenern vorbeigegangen. Die Polizei wird auch schon mal wegen harmloser Lagerfeuer aufgeboten. «Die Bevölkerung ist sensibilisiert», sagt Markus Melzl von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Viele Riehener haben ihre ganz persönliche Theorie, wer hinter den Bränden stecken könnte, und sie nennen hinter vorgehaltener Hand auch Namen: Turnlehrer, Feuerwehrleute, Deutsche – es kann mittlerweile alle treffen. Besonders unmittelbar nach Bränden wird die dörfliche Nähe unangenehm, Misstrauen spürbar. «Nachdem es in der Tiefgarage gebrannt hatte, war mir jeder Unbekannte, dem ich dort begegnet bin, suspekt. Man denkt automatisch: ‹Das ist er vielleicht›», sagt Rosmarie MayerAuch die Kritik an der Polizei wird lauter. Peter Zinkernagel, Einwohnerrat und Präsident des Handels- und Gewerbevereins auf die Frage, ob allenfalls zu wenig Ressourcen in die Fahndung nach dem Feuerteufel gesteckt würden: «Nein, aber vielleicht die falschen.» Zinkernagel sagt es nicht laut, aber er ärgert sich über die Polizei. «Was ich mich frage, und was sich auch die Mehrheit in meinem Umfeld fragt, ist: ‹Wie kann das sein, dass man einen solchen Brandstifter über so lange Zeit nicht erwischt?›», sagt Zinkernagel. Warum setze man nicht einmal Wärmebildkameras ein, um das Gebiet an den Wochenenden grossflächig zu überwachen? «Das wäre ein taugliches Mittel, wenn nicht zur Ermittlung, dann wenigstens zur Fernhaltung des Täters oder der Täter.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2011, 22:25 Uhr

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1 Kommentar

Elsbeth Vocat

13.04.2011, 09:25 Uhr
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Als Opfer des Brandstifters kommt mir bei jedem neuen Brandfall der erlebte Schrecken wieder hoch. Lange konnte ich nicht darüber reden, zusehr war ich damit beschäftigt, zu retten was möglich war und mein Leben neu zu ordnen. Aber jetzt würde ich gerne dem Täter ins Gesicht schreien, was wir seinetwegen alles durchgemacht haben. Deshalb hoffe ich, dass der Verantwortliche endlich gefunden wird. Antworten




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