«Reisen ist Arbeit»
Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 06.07.2010 1 Kommentar
Die Sendung
«Fernweh – Karibik»: 16.Juli bis 27. August, immer freitags um 20.50 Uhr auf SF1.
Zur Person
Mona Vetsch (35) moderiert die SF-Reisereportage «Fernweh» und die Morgenshow auf DRS3. Die Thurgauerin lebt mit ihrem Mann, der als Produzent und Reporter bei DRS3 arbeitet, und ihrem Sohn Dimitri (1) in Zürich.
Frau Vetsch, haben Sie sich erholt in der Karibik?
Mona Vetsch: Erholt? (lacht) Nein, das definitiv nicht. Reisen ist nicht dasselbe wie Ferien! Reisen ist Arbeit.
Allerdings eine traumhafte.
Das ist so. Aber Traumjobs sind ja nicht die, bei denen man nichts tut, sondern die, bei denen man sich mit Leib und Seele hineingeben kann, um etwas zu schaffen, das möglichst vielen Leuten Freude macht.
Was wird Ihnen von der Karibik besonders in Erinnerung bleiben?
Die Vielfalt. Wir starteten in Trinidad, dort war gerade Karneval, zwei Tage lang Irrsinn. Später sind wir nach Haiti gereist. Die Gegensätze sind riesig.
Wie haben Sie Haiti erlebt?
Inzwischen ist das Land aus den Medien verschwunden, und die Leute, mit denen ich sprach, fühlen sich vergessen und von der Regierung im Stich gelassen. Sehr viele wohnen immer noch in Zelten, die Perspektiven sind sehr schlecht. Im Norden des Landes sieht es besser aus, da hofft man, dass die Reisewarnungen fallen, damit der Tourismus wieder in Schwung kommt.
Sind Ihre Reisen von A bis Z durchorganisiert?
Das Programm ist sehr gedrängt, aber es ist nicht alles bis ins Detail geplant, sodass wir auch spontan reagieren können. Das macht ja den Reiz solcher Reisen aus. In Martinique zum Beispiel erzählte uns eine Frau von einem Ort namens Canton Suisse. Dort sind wir dann hingefahren. Ein Stein aus diesem «Kanton Schweiz» liegt übrigens in Bern, in einer Skulptur beim Bundeshaus.
Gabs auch unangenehme Überraschungen?
Einmal waren wir mit einer Bootscrew unterwegs, die dermassen dem Nationalgetränk Rum zugesprochen hatte, dass wir nicht sicher waren, ob wir jemals heil ans Ufer kommen würden. Und auf der Insel Montserrat sind wir wenige Stunden vor einem Vulkanausbruch abgeflogen und entkamen so noch knapp einer Aschewolke. Wir hatten Glück. Aber richtig bedrohlich wurde es nie.
Plagte Sie bei den Dreharbeiten für «Fernweh» manchmal das Heimweh nach Ihrem Sohn?
Das Schöne ist: Während der Arbeit ist man richtig am Arbeiten. Das werden Ihnen viele berufstätige Mütter bestätigen. Auf der Reise hatten wir so viel zu tun, dass ich gar nicht dazu kam, mir zu viele Gedanken zu machen. Schlimm sind nur die Abschiede. Und natürlich war meine Telefonrechnung so hoch wie noch nie. Manchmal hab ich zweimal pro Tag angerufen. Und immer hörte ich: Alles sei tipptopp und das Wetter schlecht.
Vor zwei Jahren litten Sie an einer Infektion und mussten kürzertreten. Alles auskuriert?
Ja, ich habe sehr schnell wieder gearbeitet. Ich war etwa drei Wochen krankgeschrieben, ausgerechnet in der Zeit, als die erste Staffel von «1 gegen 100» aufgezeichnet werden sollte. Das lässt sich einfach nicht verschieben, deswegen hat Susanne Kunz übernommen. Aber im Nachhinein muss ich sagen: Manche Dinge müssen wohl so sein. Es ist ja alles gut herausgekommen für alle Beteiligten.
«1 gegen 100» sollte Ihre erste eigene Sendung werden. Gibt es neue Pläne für ein eigenes Format?
Ich habe mit «Fernweh» ja eine eigene Sendung, die wird einfach staffelweise ausgestrahlt und nicht wöchentlich. Diskutiert wird immer über vieles. Konkrete Pläne gibt es aber nicht.
Wie müsste denn die ideale Sendung für Sie aussehen?
Ich interessiere mich für Reportagen. Das steht für mich auch bei «Fernweh» im Vordergrund, nicht unbedingt das Reisen. Ich mag es, Menschen zu treffen. Dafür muss ich nicht weit reisen. Ich würde auch eine Reportage aus Bümpliz machen. Mir gibt die Livesituation, das Unplanbare einen Kick, auch beim Radio. Dafür bin ich weniger jemand für Studiosendungen. Ich würde mich langweilen, wenn ich von Anfang an wüsste, was bei Minute 35 passierte. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.07.2010, 12:48 Uhr
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1 Kommentar
Ich wünsche Frau Vetsch einen schönen Aufenthalt wo immer sie auch gerade ist (ganz ohne Ironie), aber Was Fernweh und "1 gegen 100" mit Service Public zu tun haben weiss ich immer noch nicht. Wieso ist es die Aufgabe des Staates eine Quizshow zu machen? Und wieso kann man nicht die Reisesendung von einer anderen Station einkaufen (falls überhaupt), synchronisieren und senden? Antworten
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