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Organisierte Velodiebe rauben Händler aus
Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 23.09.2011 11 Kommentare
Bei Dieben gefragt: Mountainbikes, hier ein Mitarbeiter der Bicycle Manufacturing Company BMC in der Produktionsstätte in Grenchen. (Bild: Keystone )
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Die Diebe brauchen meist nur wenige Sekunden, um zuzuschlagen und abzuhauen. Nachdem sie die Fahrräder gefunden haben, die sich auf dem Schwarzmarkt gut verkaufen lassen, hält ein Kleintransporter. Entweder werden die Schlösser mit Profiwerkzeug geknackt oder die Fahrräder verschwinden einfach samt Schloss im Innern des Transporters. Bevor jemand etwas von der Veloklau-Aktion mitbekommt, fahrend die Diebe bereits wieder weg. So geschehen Anfang September im Basler Gellertquartier.
Dabei gehen die Diebe dreist vor. «Sie kamen, als wir das Geschäft geöffnet hatten», sagt Raphael Hahn vom Gellert-Velo-Team in Basel. «Sie knackten die Schlösser und verschwanden, bevor wir überhaupt etwas merkten.» Die Diebe klauten ein paar Mountainbikes, von denen jedes zwischen drei- und viertausend Franken wert gewesen war.
Im Sommer mehr Fälle
Im zweiten Fall Anfang September kamen die Diebe, nachdem es dunkel geworden war. In der Nacht von Samstag auf Sonntag parkten sie ihren Transporter vor dem Geschäft Juckerbike. «Die Diebe knackten das Schloss und stahlen 19 Velos aus dem Keller. Nur die teuersten und besten», sagt Matthias Leber von Juckerbike. Der Schaden belaufe sich auf rund 60'000 Franken. Noch im April hatte die Staatsanwaltschaft keine Kenntnis von Diebesbanden, die in der Region Fahrräder stehlen, um sie an Private oder an Fahrradhändler im Ausland zu verkaufen.
Das ist jetzt anders: In diesem Sommer habe die Situation eine gewisse Wichtigkeit erlangt, sagt Markus Melzl, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. «Wir hatten 15 Anzeigen wegen Velodiebstahl, Fahrräder, die offensichtlich nicht für den eigenen Gebrauch gestohlen wurden.» Wer genau hinter den Diebstählen steckt, weiss die Kantonspolizei Basel-Stadt nicht. Aber es gibt Vermutungen. Melzl spricht von Hinweisen auf «organisierten Fahrradklau». Es sei naheliegend, dass die Fahrräder auf Flohmärkten, privat, im Internet oder an ausländische Fahrradhändler verkauft würden, die nicht so genau hinschauten, woher das Angebot komme. Das ist eine politisch einwandfreie Umschreibung dafür, dass in Wahrheit mafiaähnliche Strukturen dahinterstecken dürften. Diebe, Zwischenhändler, die Kunden von solch gestohlener Ware – alle profitieren von dem Netzwerk.
Kein Interesse für Rostlauben
Das Phänomen der organisierten Fahrraddiebe ist zumindest in anderen europäischen Ländern nicht neu. In Deutschland häufen sich Berichte von gestohlenen Fahrrädern, die nicht einfach nur entwendet worden sind, weil einer nicht zu Fuss von der Kneipe nach Hause gehen wollte. Die Spur der gezielt vorgehenden Velodiebe reicht vom Deutschlands Süden übers Ruhrgebiet bis nach Berlin. Auch in Österreich und der Stadt Wien haben Meldungen von gezielten Fahrraddiebstählen zugenommen. Die Polizei vermutet Diebesbanden aus Polen und anderen Ostländern dahinter. Geklaut wird nur, was teuer ist, hauptsächlich Mountainbikes und Rennvelos. Für den alten rostigen Drahtesel interessiert sich niemand.
In einem Aufruf richtet sich die Polizei jetzt an die Velobesitzer. «Jedes abgestellte Velo sollte – auch für kurze Zeit – abgeschlossen werden», lautet der eindringliche Appell. Und: «Schlingen Sie eine Kette um die Räder und den Rahmen und befestigen Sie die Sicherheitskette an einem im Boden verankerten Gegenstand.» Wichtig sei zudem, sich Marke, Velotyp und Rahmennummer zu notieren sowie weitere Auffälligkeiten des Fahrrades. Denn im Fall einer Anzeige erleichtere das allenfalls, ein Velo im Ausland aufzufinden. Bisher gibt es aber keine Spur von den Dieben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 23.09.2011, 08:44 Uhr
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