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Nach dem Tod von Trayvon Martin kommt es zum politischen Machtkampf

Aktualisiert am 29.03.2012 29 Kommentare

In der Debatte um den gewaltsamen Tod des 17-jährigen Trayvon Martin gaben bislang die demokratischen und linken Kräfte den Ton an. Nun starten die Konservativen eine Gegenoffensive – mit teils unsauberen Methoden.

Musikvideos, Petitionen, Protestmärsche: Immer mehr Menschen in den USA verlangen Aufklärung im Fall des getöteten 17-jährigen Trayvon Martin. (Video: Reuters)

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Chronologie: Der Fall Trayvon Martin erschüttert die USA

Chronologie: Der Fall Trayvon Martin erschüttert die USA
Der Tod eines schwarzen Jugendlichen, der in Florida von einem Mitglied der Bürgerwehr erschossen wurde, schlägt hohe Wellen.

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Der Fall Trayvon Martin teilt die politische Öffentlichkeit der USA in zwei Lager. Die Eltern des vom Bürgerwehrmitglied George Zimmerman getöteten Jungen besuchten gestern das US-Repräsentantenhaus in Washington, um an einer Anhörung über rassistische Vorurteile, Gewaltverbrechen und Waffengesetze teilzunehmen. Eingeladen hatten demokratische Mitglieder des Justizausschusses – die Republikaner verweigerten die Teilnahme.

Allein das zeige, wie sehr der Tod des 17-Jährigen Amerika inzwischen gespalten habe, schreibt der «Spiegel online». Auf der einen Seite stünden die Unterstützer der Familie Martin: Vornehmlich Demokraten und Linke. Auf der anderen Seite die Verteidiger des Täters George Zimmerman: Republikaner und Rechte. Bisher hätte die «Trayvon-Fraktion» den Takt angegeben, mit Massendemonstrationen, symbolischen Aktionen wie den Million Hoodie Marches oder Petitionen für eine Verhaftung Zimmermans. Doch nun haben die Konservativen eine Offensive gestartet, welche die Kräfteverhältnisse verschieben könnte.

Aufwind für konservative Verteidiger

Es begann mit der Veröffentlichung der Aussage von George Zimmerman, die er nach dem Vorfall gegenüber der Polizei von Sanford (Florida) gemacht hatte. Der Junge habe ihn angegriffen und geschlagen, darum sei es überhaupt erst zum tödlichen Schuss gekommen, hatte Zimmerman ausgesagt. Er habe Martin zwar zunächst verfolgt, sei dann aber zu seinem Auto zurückgekehrt, weil er ihn aus den Augen verloren hatte. Der Junge habe sich ihm plötzlich von hinten genähert und gefragt, ob er ein Problem habe. Nein, habe er gesagt, daraufhin Martin: «Jetzt hast du eines.» Mit einem Fausthieb habe er Zimmerman zu Boden geschlagen, sich auf ihn gesetzt und seinen Kopf gegen den Bürgersteig gestossen. Dem Polizeibericht zufolge haben Augenzeugen diese Version bestätigt. Ausserdem sei Zimmermans Hinterkopf aufgeschlagen gewesen, er habe eine dicke Lippe gehabt und aus der Nase geblutet.

Die Polizei hat laut Berichten der «Süddeutschen» zwar mittlerweile erklärt, die Informationen über Zimmermans Aussage seien widerrechtlich veröffentlicht worden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die in der Mehrheit konservativen Verteidiger des Todesschützen dadurch neuen Aufwind erhalten haben.

So werden vermehrt Freunde oder Familienmitglieder von George Zimmerman zitiert, die versuchen, seinen Ruf zu retten. Er habe nach der Tat tagelang geweint, erzählte ein Freund der Familie gegenüber ABC News. Zimmerman und seine Ehefrau hätten die Kinder einer alleinerziehenden afroamerikanischen Mutter finanziell unterstützt, berichtet sein Anwalt Craig Sonner. Nebst positiven Aussagen über Zimmerman werden ausserdem Berichte über Straftaten veröffentlicht, die Martin begangen haben soll. Laut konservativen Autoren wurde dieser schon mehrmals von der Schule verwiesen, unter anderem wegen Marihuana-Besitzes, Graffiti und Diebstahls.

Eine gesellschaftliche Nagelprobe

Die Berichterstattung in gewissen Medien hat sich laut «Spiegel online» auch optisch verändert: Plötzlich werden neue Bilder des Jungen publiziert, auf denen er «älter und härter» aussehe. Die rechte Bloggerin Michelle Malkin habe sogar ein Bild verbreitet, auf dem Martin halbnackt und mit ausgestreckten Mittelfingern zu sehen war. Es war eine Fälschung, wie Malkin später zugab. Von George Zimmerman wiederum wurde statt seines Polizeifotos ein Bild publiziert, das ihn im Anzug mit Krawatte zeigt. Der Fall werde nun zur politisch-gesellschaftlichen Nagelprobe, schreibt der «Spiegel online» weiter.

Der Anwalt der Opferfamilie, Benjamin Crump, sprach in diesem Zusammenhang von einer «Verschwörung», bei der alles getan werde, um den Schützen zu verteidigen. Es sei eine Verleumdungskampagne gegen ein Opfer, das sich nicht mehr wehren könne. Er forderte das Justizministerium gestern dazu auf, die Ermittlungen zu überwachen, die «von Anfang an falsch» gewesen seien. Interessant sind in diesem Zusammenhang neuste Berichte der amerikanischen Fernsehstation ABC News: Der Chefermittler Chris Serino habe gegen Zimmerman noch in der Nacht, als Trayon Martin starb, Anklage wegen Totschlags erheben wollen. Der Bezirksstaatsanwalt sei darauf jedoch nicht eingegangen, mit der Begründung, das Beweismaterial reiche nicht für eine Verurteilung. Er habe Zimmerman darum laufen lassen.

«Trayvon war auch Ihr Sohn»

Nach der Anhörung in Washington traten Trayvons Eltern gestern ein weiteres Mal vor die Medien. Er wolle sich nur bei allen Unterstützern der Familie bedanken, sagte der Vater Tracy Martin. Die Familie werde weiter für Gerechtigkeit kämpfen. «Trayvon war unser Sohn, aber er war auch Ihr Sohn», fügte die Mutter Sybrina Fulton an. Ihr Leid sei umso schwerer zu ertragen, als der Mann, der ihren Sohn getötet habe, immer noch nicht festgenommen worden sei. Fulton liess unterdessen zwei Parolen der Demonstranten markenrechtlich schützen: «I am Trayvon» und «Justice for Trayvon».

Die landesweiten Proteste im Fall Martin gingen gestern weiter. Die Unterstützer der Familie Martin fordern die Anklage des Todesschützen George Zimmerman. Dieser war am 26. Februar in Sanford als freiwilliger Helfer eines nachbarschaftlichen Sicherheitsdienstes unterwegs gewesen, als er auf den 17-jährigen Trayvon Martin aufmerksam wurde. Der schwarze Junge kam ihm suspekt vor, weshalb er ihn verfolgte. Unter welchen Umständen Zimmerman schliesslich den tödlichen Schuss auf Martin abgab, ist nach wie vor unklar. (fko/sda)

Erstellt: 28.03.2012, 19:09 Uhr

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29 Kommentare

Martin Weidegger

28.03.2012, 19:59 Uhr
Melden 104 Empfehlung 0

@Ziegler. "Zumindest die Möglichkeit besteht...". Grandiose Analyse. Solange eine selbsternannte und bis an die Zähne bewaffnete Bürgerwehr von der NRA gedeckt frei herumläuft, sind mir alle Sprayer und Schraubenzieher-Dealer dieser Welt lieber... Antworten


Andre Ziegler

28.03.2012, 19:30 Uhr
Melden 28 Empfehlung 0

Gemäss Aussagen von Martin's Schule im Miami Herald wurde Trayvon letztes Jahr mit diversen Schmucksachen und Schraubenziehern im Schulsack erwischt, als man diesen nach Farb-Spraydosen durchsuchte, nachdem man ihn auf Überwachungsbildern beim Bemalen von Schulgelände erwischte. Zumindest die Möglichkeit besteht, dass Martin nicht bloss unschuldig heimspazierte und G.Z. zurecht misstrauisch war. Antworten



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