Mobbing bei den SCB-Piccolos

Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 24.02.2012 1 Kommentar

Im Piccolo-Team soll es zu «grenzwertigen Vorfällen» gekommen sein. Ein Trainer trat zurück. Ein Kind wurde vom Turnierbetrieb ausgeschlossen.

SCB-Junioren haben sich gegenseitig gemobbt: Nun hat der Klub Massnahmen ergriffen.

SCB-Junioren haben sich gegenseitig gemobbt: Nun hat der Klub Massnahmen ergriffen.
Bild: Manu Friederich

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Als der Verdacht von Übergriffen unter Junioren der Piccolo-Mannschaft aufkam, reagierte der Schlittschuhclub Bern prompt: Er zog die Fachstelle Kinderschutz des Inselspitals bei und liess das Vorgefallene aufarbeiten. Ein Spieler der Piccolo-Mannschaft, wo Knaben der Jahrgänge 2001 bis 2003 spielen, habe seine Mitspieler während der mehrtägigen Turniere mit «Fummel- und Rollenspielen» terrorisiert, hatte die Zeitung «Der Sonntag» am letzten Wochenende berichtet.

Gestern nun teilte der SCB die Ergebnisse der Untersuchung mit: Bei den 10- bis 11-jährigen Kindern des Piccolo-Teams hätten «diverse Mobbingfälle stattgefunden», welche der SCB nicht akzeptieren könne. Entgegen den medialen Kolportagen sei es dabei allerdings «nicht um Sex, sondern um Dominanz, Macht und Hierarchie» gegangen. Es seien «grenzwertige Übergriffe notiert» worden.

Der Ausdruck «grenzwertig» beschreibe das Vorgefallene in treffender Weise, sagt SCB-Mediensprecher Christian Dick auf Anfrage: «Was geschehen ist, war an der Grenze. Man darf das nicht verharmlosen, aber man sollte es auch nicht dramatisieren.»

«Das wird ihn schmerzen»

Der SCB hat nun Massnahmen eingeleitet, «um die Gruppendynamik auf dieser Stufe besser kontrollieren zu können», wie er mitteilt. Um «die Situation zu beruhigen», sei «der Vater eines involvierten Kindes», der dem Trainerstab angehörte, per sofort zurückgetreten. Dabei handelt es sich um den Vater des Knaben, der bei den Übergriffen die Hauptrolle spielte. Der Knabe selbst ist vom SCB bis Saisonende vom Turnierbetrieb ausgeschlossen worden. Er nehme aber «auf anderer Stufe weiterhin am Trainings- und Spielbetrieb teil», teilt der Club mit. Das heisst: Der Knabe wird neu mit den Moskitos, der nächsthöheren Altersstufe, trainieren. Wird er also für sein Fehlverhalten auch noch belohnt? «Nein», sagt Christian Dick. Die Turniere, an denen der Junge nun nicht teilnehmen dürfe, seien für die Piccolos die Highlights der Saison. Und überdies habe der Knabe schon vorher auch mit den Moskitos trainiert.

Man wolle nun nach vorne und nicht mehr zurückschauen, sagt Christian Dick: «In der Gruppe soll möglichst schnell alles wieder in geordneten Bahnen laufen.» Nun werde der normale Trainingsbetrieb wieder aufgenommen – begleitet von psychologisch geschulten Fachleuten, die etwa Gesprächsrunden in der Gruppe durchführen werden. Machtgerangel gebe es in jeder Gruppe, egal ob bei Kindern oder Erwachsenen, sagt der Pressesprecher. «In diesem Fall geht es nun darum, die Rivalitäten wieder in geordnete Bahnen zu lenken.» Auch die anderen Nachwuchsstufen würden «informiert und sensibilisiert», sagt Christian Dick. Weiterer Handlungsbedarf bestehe derzeit nicht. «Wir hoffen, dass dies ein Einzelfall war», sagt er. «Aber sollte uns wieder etwas auffallen, werden wir genauso rasch wie in diesem Fall reagieren.»

Nicht einen Einzelnen terrorisiert

Keine Freude an der medialen Berichterstattung über den Fall hatten die Eltern eines Buben, der in der Piccolo-Mannschaft spielt. Zum einen gehe es nicht an, einzelne Buben an die Öffentlichkeit zu zerren, sagen sie dem «Bund». Dass in den Medien berichtet wurde, bevor die Ergebnisse der Untersuchungen vorlagen, das habe es für alle Beteiligten sicher nicht einfacher gemacht, mit der Situation umzugehen. Ausserdem stimme es nicht, dass der fehlbare Knabe vor allem einen Jungen terrorisiert habe, wie verschiedene Zeitungen schrieben. Es habe sich um mehrere Vorfälle gehandelt, und er sei dabei auch nicht immer alleine vorgegangen.

Darauf, was der Knabe gemacht hat, möchten die Eltern nicht weiter eingehen. Es sei «für alle Beteiligten eine unangenehme Situation» gewesen, sagen sie bloss. Als die Eltern von den Übergriffen erfahren hätten, seien sie rasch an den Klub gelangt. Der SCB habe dann «schnell und gut» reagiert und ihrer Meinung nach auch sinnvolle Massnahmen eingeleitet. Sie hoffen, dass nun Ruhe einkehrt. «Es muss jetzt wieder ein vernünftiger Teamgeist entwickelt werden.»

«Kein sportspezifisches Problem»

Christian Wüthrich, Leiter der Kinderschutzgruppe des Inselspitals, nimmt zum konkreten Fall nach Absprache mit dem SCB keine Stellung. Er sagt aber, es sei gut, dass der SCB so schnell reagiert habe. «Manchmal dauert es zu lange, bis schwierige Situationen erkannt werden.» Mobbingvorfälle seien in Sportvereinen nicht häufiger als in Schulklassen oder anderen Vereinen. «Das kann in allen Gruppen vorkommen.» Es sei kein sportspezifisches, sondern ein gruppendynamisches Problem.

Wichtig sei, die Dynamik in der Gruppe aufmerksam im Auge zu behalten und Probleme möglichst rasch zu thematisieren, sagt Christian Wüthrich. In Sportklubs könne man dabei sehr gut den Teamgeist in den Vordergrund rücken. In einer Schulklasse, in der die Schüler womöglich ganz unterschiedliche Ziele verfolgten, müssten eher «andere verbindende Elemente gesucht werden». (Der Bund)

Erstellt: 24.02.2012, 11:15 Uhr

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1 Kommentar

Helmut Annen-Bleicher

24.02.2012, 17:31 Uhr
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Skandalös ist nicht nur das offensichtliche und tolerierte Bullying; Der Vater des Haupttäters war einer der Trainer. Der Knabe selbst spielt weiterhin im Klub. Warum musste der Vater gehen? Hatte der Vater das Verhalten des Jungen gefördert? Der Sohn bewusst die Trainer-Position seines Vaters missbraucht? Warum haben sie nicht den Jungen rausgeschmissen? Dieser Junge gehört drei Jahre gesperrt! Antworten



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