Kommt bald der Seite-1-Boy?
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 26.11.2010 7 Kommentare
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Erotik für Frauen
Seit 1973 gibt es in den USA die Zeitschrift «Playgirl», das Pendant zum «Playboy». Zur Hochzeit des Feminismus gegründet, vermochte «Playgirl» sogar den einen oder anderen Prominenten dazu überreden, blankzuziehen: So zierten Brad Pitt, Keith Urban oder Rocco Siffredi das Titelbild.
Das Magazin hat jedoch seit jeher mit Lesermangel zu kämpfen. Mitte 2008 beschlossen die Verleger deshalb, «Playgirl» nur noch online zu publizieren. Seit März 2010 erscheint aber doch wieder eine monatliche Printausgabe.
Wobei dies nicht nur der weiblichen Leserschaft zu verdanken ist. Wie die Herausgeber von «Playgirl» immer wieder einräumen mussten, bestand ein Grossteil der Leserschaft aus homosexuellen Männern: je nach Lesart zwischen 50 und 75 Prozent.
«Zeig doch nackte Männer», zitierte der «Blick» seine Leserin Astrid Borer aus Luzern in der heutigen Ausgabe. Immer sehe sie nur nackte Frauen auf der Titelseite, nun wolle sie auch Männer sehen. «Wenn Frauen ihre Brust zeigen, dann können Männer doch auch ihr Teil zeigen. Es gibt schliesslich eine Gleichberechtigung», so Leserin Borer. Und sie weiss auch, wie das aussehen soll: «Mal das Glied verdeckt, mal nicht» und das durch jede Altersklasse.
Ganz so weit wird es nicht kommen, wie Ringier-Sprecher Edi Estermann erklärt. «Primäre Geschlechtsmerkmale wird man im ‹Blick› auch in Zukunft nicht sehen.» Auch dass die «Girls» gänzlich von «Boys» abgelöst würden, sei nicht vorstellbar. Das Abdrucken von ästhetischen und erotischen Bildern von Männern werde jedoch diskutiert. Dies, weil öfters Anfragen wie jene von Frau Borer eintreffen – auch von Männern.
«Löst noch keinen hormonellen Schub aus»
Die Psychologin und Feministin Julia Onken reagiert auf diese Idee nicht gerade euphorisch. «Grundsätzlich ist der weibliche Körper der schönere. Auch für das Auge der Frau. Von daher kann man aus einer ästhetischen Sicht auf nackte Männer getrost verzichten», findet sie. Nackte Männer würden Frauenherzen kaum höher schlagen lassen. «Frauen sind weniger visuell veranlagt als Männer. Beim Anblick eines nackten Mannes kriegt eine Frau noch keinen hormonellen Schub.»
Aus der Perspektive der Gleichberechtigung hingegen begrüsst Onken männliches Engagement – irgendwie: «Wenn sich Frauen schon unter ihre Würde begeben und sich nackt ablichten lassen, warum nicht auch Männer.»
«Den meisten gefiele es»
Der männliche Akt gestaltet sich jedoch als weitaus komplizierter als der weibliche: Geht man aufs Ganze oder nicht?
«Man kann nackte Männer auf unterschiedliche Arten zeigen», sagt Peter Übersax, einstiger Chefredaktor des «Blick». «Wenn die Geschlechtsteile gezeigt würden, hätten die Leute etwas dagegen. Würde man hingegen diesen Teil bedecken, wäre die Akzeptanz höher.» Zu seiner Zeit als Chefredaktor, glaubt Übersax, hätte sich die Leserschaft noch gegen männliche Akt-Modelle gewehrt. «Ich selbst hätte aber nichts gegen die Idee gehabt, sofern sie dezent umgesetzt worden wäre.»
Der einstige «Blick»-Chef zweifelt nicht daran, dass das Konzept nackter Mann heute Erfolg haben könnte. «Viele würden sagen: ‹Was für eine Schweinerei!›, aber in Wirklichkeit gefiele es den meisten doch.»
«Wird noch eine Weile dauern»
Dass Ringier den Schritt wirklich wagt, stellt er dennoch infrage. «Das Thema kommt immer wieder einmal, wird heiss diskutiert, um dann wieder zu verschwinden. Bis der ‹Blick›-Boy institutionalisiert ist, wird es noch eine Weile dauern.»
Die Gleichberechtigung im Blankziehen beschäftigt aber nicht nur die Schweizer: «In Männermagazinen gibt es Nippel – warum gibt es keine Zeitschrift für Frauen, in der Männer ihre Penisse zeigen», fragte sich unlängst auch Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba im Interview mit der Zeitschrift «GQ».
Und was finden Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.11.2010, 13:53 Uhr
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7 Kommentare
Ja, lasst den Männern, damit die Frauen gleichberechtigt sind, auf den Titelseiten die Hosen runter! Nur so schaffen wir es, dass all jene Formen des Verhaltens, welche die Feministinnen einst als machistisch bezeichneten, peu à peu auch den Frauen zugänglich werden. Für Frauen, die solches wünschen, sollten wir die Bezeichnung "Fecha" und für die Doktrin die des Fechismo (oder) -mus einführen. Antworten
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