Kleine Mängel machen Luxusvilla nicht zu normaler Wohnung

Ein Ehepaar wollte für siebeneinhalb Zimmer 10'500 Franken weniger Miete zahlen. Vor Bundesgericht blitzte es jetzt ab. Ein Luxusobjekt sei nicht vor missbräuchlichem Mietzins geschützt.

Jacuzzi, Pool, grosser Garten: Das Bundesgericht musste sich mit dem Streit um eine Villa in Vésenaz am Genfersee befassen.

Jacuzzi, Pool, grosser Garten: Das Bundesgericht musste sich mit dem Streit um eine Villa in Vésenaz am Genfersee befassen. Bild: Google Maps

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Ehepaar mietete 2008 in Vésenaz GE eine Siebeneinhalbzimmer-Villa, focht nach einigen Monaten den Anfangsmietzins von rund 14'500 Franken als missbräuchlich an und verlangte eine Reduktion auf 4000 Franken.

Das geht nicht, hat das Bundesgericht nun entschieden. Die Villa sei ein Luxusobjekt, womit die Bestimmungen für den Schutz vor missbräuchlichen Mietzinsen nicht gälten.

Budget zwischen 18'000 und 19'000 Franken

Ein Objekt der gehobenen Klasse hatte das Ehepaar gesucht, als es für die Suche einer neuen Bleibe eine Agentur beauftragte, die auf solche Immobilien spezialisiert ist. Die Mietzinsvorstellungen der Eheleute bewegten sich zwischen 18'000 und 19'000 Franken.

Mit der Villa in Vésenaz kamen sie günstiger davon und erhielten neben den siebeneinhalb Zimmern drei Badezimmer, eine Küche, ein Jacuzzi, einen Pool mit Badehaus, diverse Extras sowie einen grossen und ruhigen Garten - alles gut unterhalten und unweit des Genfersees.

Paar hielt 4000 Franken für angemessen

Im Juli 2008 zogen die Eheleute ein. Wegen eines Streits bezüglich der Mietzinskaution von 36'000 Franken suchte das Paar Rat beim Mieterverband und erfuhr dabei: Der Anfangsmietzins ist anfechtbar.

Daraufhin liess es die Vermieter wissen, dass es einen monatlichen Mietzins von 3000 bis 4000 Franken für angemessen halte. Man sei aber offen für eine gütliche Einigung. Es folgte eine gerichtliche Auseinandersetzung, während welcher die Mieter auszogen. Und die Vermieter verkauften ihr Haus im Juli 2012 für rund 3,6 Millionen Franken.

Das Kantonsgericht Genf kam im Mai 2013 jedoch zum Schluss: Bei der Villa handelt es sich nicht um ein Luxusobjekt und damit dürften die Mieter den Anfangsmietzins anfechten. Bei luxuriösen Wohnungen und Häusern schliesst das Gesetz diese Möglichkeit aus.

Drei Bäder, Jacuzzi, Alarmanlage – klar Luxus

Das Bundesgericht hat nun aber den beschwerdeführenden Vermietern Recht gegeben. Es verwendet auch nicht viele Worte darauf, dass die Villa den gewöhnlichen Standard bezüglich Komfort klar übersteige und gesamthaft betrachtet ein Luxusobjekt darstelle.

Dies ergebe sich aus den zahlreichen typischen Luxuselementen wie mehrere Bäder, Jacuzzi oder Alarmanlage. Einzelne Mängel, welche von den Mietern beklagt wurden, änderten nichts am Charakter des Hauses. (Urteil 4A_257/2015 vom 11.01.2016) (kko/sda)

Erstellt: 28.01.2016, 13:10 Uhr

Artikel zum Thema

«Slumlord» weiter in U-Haft

Seit knapp 50 Tagen sitzt der Immobilienbesitzer Peter Sander wegen Mietwuchers in U-Haft. Inzwischen haben weitere seiner Mieter die Kündigung erhalten. Mehr...

Energiewende verteuert die Mieten

Energiesparen lohnt sich für die Vermieter, aber nicht für die Mieter. Das führt zu einem folgenschweren Konflikt. Mehr...

Nur an Schweizer! Nur an Verheiratete!

Hausbesitzer dürfen sich ihre Mieter zwar nach persönlichen Vorlieben aussuchen. Nur sollten sie diese nicht in Inseraten kundtun. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Blogs

Mamablog Best of: Warum heissen alle Kinder gleich?

Blog Mag Made in America

Werbung

Kulturell interessiert?

Bizarre Musikgenres, Blick in Bücherkisten und das ganze Theater. Alles damit Sie am Puls der Zeit bleiben.

Die Welt in Bildern

Aaaaaaachterbahn: Mitten im Schienen-Wirrwarr des spanischen Freizeitparks Port Aventura stürzt ein Wagen des Fahrgeschäfts Dragon Khan in die Tiefe. (Juli 2017)
(Bild: Albert Gea) Mehr...