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«In unserer Branche herrscht ein Preiskampf»

Interview: Jan Knüsel. Aktualisiert am 04.04.2011 2 Kommentare

In Grenchen wurde am Wochenende ein Türsteher niedergestochen. Patrik Wolf vom Sicherheitsdienst Protectas erklärt, wie gefährliche Situationen in Klubs entschärft werden können.

Der Tatort: Die Polizei bei der Spurensicherung vor dem Nachtklub Luxory.

Der Tatort: Die Polizei bei der Spurensicherung vor dem Nachtklub Luxory.
Bild: Herbert Lehmann , newspictures

Patrik Wolf ist Stellvertretender Generaldirektor der Sicherheitsfirma Protectas.

Täter auf der Flucht

Einen Tag nach dem Tötungsdelikt vor einer Disco in Grenchen SO ermittelt die Kantonspolizei Solothurn auf Hochtouren nach der Täterschaft. Konkrete Spuren hat es Montag noch keine gegeben. Die Polizei befragte mehrere Personen.

Die Polizei gehe allen Hinweisen nach und suche Zeugen, welche die Tat unmittelbar gesehen hätten, sagte Polizeisprecher Urs Eggenschwiler am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. In einem Zeugenaufruf sucht die Polizei auch Personen, die zur Identität der Beteiligten Angaben machen können.

Ein 22-jähriger deutscher Türsteher mit Wohnsitz in der Schweiz war in der Nacht auf Sonntag vor der Disco an seinen Verletzungen trotz Rettungsversuchen eines Ambulanzteams gestorben.

Eggenschwiler wollte keine Angaben dazu machen, wie der Türsteher getötet worden war. Der Mann war gemäss Polizei an der Veranstaltung für die Sicherheit verantwortlich gewesen.

Zur Tatzeit hatten sich einige Hundert Personen in der Disco befunden. Es gab eine Schlägerei zwischen mehreren Personen. Die Polizei war am Sonntag kurz vor 3 Uhr alarmiert worden. Auch die Staatsanwaltschaft Solothurn leitete eine Untersuchung ein.

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In Grenchen wurde ein Türsteher getötet. Wie haben Sie den Vorfall aufgenommen?
Unsere Sicherheitsfirma arbeitet nicht mit dem betroffenen Klub zusammen. Was am Sonntagmorgen geschah, ist eine traurige Realität unserer Gesellschaft. Eine solche Tat kann überall passieren, egal ob Sie zwei oder zehn Türsteher beschäftigen.

Kennen Sie den Klub Luxory?
Wir haben inzwischen an vielen Orten die gleichen Probleme, sei es in der Agglomeration oder in einer Stadt. Die Grenznähe ist nicht alleine entscheidend. In der kleinen Schweiz kann man problemlos in einer halben Stunde von einer zur nächsten Stadt fahren. Die Konzentration vieler Gastrounternehmen innerhalb eines Gebietes zieht natürlich auch mehr Partygänger an. 2000 friedliche feiernde Menschen machen aber weniger Schlagzeilen als ein messerstechender Täter. Es gibt heute keine besseren oder schlimmeren Gegenden mehr. Es gibt aber Klubs und Sicherheits-Personal, die besser als andere organisiert sind. So haben sich in Zürich einige Klubs zusammengetan, um die Kommunikation und die Sicherheitsstandard zu verbessern. Damit können auch Hausverbote erteilt werden, die für mehrere Klubs gelten.

Wie hat ein Türsteher bei Gewalt zu reagieren?
Man muss versuchen zu deeskalieren. Vielleicht bringt es etwas, wenn man Begleiter eines Gewaltbereiten anspricht, damit dieser die Lage beruhigen. Man darf sich auf keinen Fall auf ein Kräftemessen einlassen und bevor es eskaliert ist die Polizei beizuziehen. In Grenchen passierte die Tat um drei Uhr morgens. Das ist immer eine Zeit, in der viele besonders stark alkoholisiert sind. Umso schwieriger ist es, eine solche Situation in den Griff zu bekommen.

Schützen sich die Türsteher heute besser als früher?
Ganz allgemein bringt es nichts, wenn Klubs aufrüsten und ihr Security-Personal bewaffnen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Das kann nicht das Ziel sein. Gewalt gegen Gewalt macht keinen Sinn. Natürlich gibt es Türsteher, die sich nach einem Fall wie Grenchen eine Schutzweste zulegen oder einen Pfefferspray kaufen. Die professionelle Ausrüstung ist aber auch ein Kostenfaktor.

Ist der Job als Türsteher gut bezahlt?
Heute herrscht in dieser Branche ein Preiskampf. Türsteher sind heute eher schlecht bezahlt und die Verkaufspreise sind tief. Viele Klubs täten besser daran, gut ausgebildete Türsteher zu bezahlen, die eine professionelle Firma im Rücken haben. Diese unterstehen dann auch gemäss dem geplanten Deutschschweizer Konkordat dem Gesamtarbeitsvertrag der Sicherheitsbranche. In diesem Falle müssen Türstehen eine Mindestausbildung vorweisen. Sind die Türsteher aber direkt von einem Klub angestellt, werden sie gemäss dem Gastro-GAV entlöhnt, der keine solche Vorgaben kennt. Ich will aber auch betonen, dass es sehr wohl gutes individuell arbeitendes Security-Personal gibt.

Wie steht es grundsätzlich um den Beruf des Türstehers?
Es handelt sich um einen oft unterschätzten und von vielen belächelten Risikojob. Umso schlimmer ist es, dass gerade wegen der tiefen Löhne viele junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren in dieser Branche tätig sind, denen oft die Ausbildung sowie die Lebenserfahrung fehlt. In vielen ausländischen Klubs wie beispielsweise in Berlin sind viele Türsteher mindesten 40 Jahre alt. Ein 45-jähriger verhält sich in schwierigen Situation oft ruhiger. Lebenserfahrung ist elementar für einen solchen Job. Viele der jungen Personen überschätzen sich selbst und unterschätzen Gefahrensituationen.

Wie können Gewaltdelikte am besten verhindert werden?
Grundsätzlich sind die Auswahl und die Ausbildung des richtigen Personals wichtig. Zudem muss ein Klub eine Philosophie haben, die er konsequent durchsetzt. So sind für jeden Besucher die Regeln klar definiert. Eine weitere wichtige Massnahme, die sich immer mehr durchsetzt, ist die Anstellung eines Selector, der bestimmt, wer in den Klub darf und wer nicht. Der Türsteher wird somit von dieser Bürde befreit. Die gute Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung, Selector und Security ist wichtig aber auch die regelmässige Koordination mit der Polizei.

Hat das schöne Wetter beim Gewaltdelikt von Grenchen eine Rolle gespielt?
Wenn es warm ist, gibt es in der Regel mehr Leute, die um den Klub herum stehen. Personen, denen der Zutritt verweigert wird oder die wegen einem Regelverstoss aus dem Club verwiesen werden, halten sich eher in der Umgebung auf und dies kann zu Problemen führen. Bei warmen Temperaturen wirkt der Alkohol auch schneller, wenn der Flüssigkeitsverlust nur damit zugeführt wird. Bei schlechtem Wetter gehen die Leute schneller nach Hause. Diesbezüglich kann sommerliches Wetter eine grössere Herausforderung für einen Türsteher sein. Gleichzeitig kommt es aber auch zu Aggressionen, wenn man in der Kälte anstehen muss (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.04.2011, 19:34 Uhr

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2 Kommentare

Thomas Häberling

05.04.2011, 09:18 Uhr
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Das ist ja ein lustiges Interview. gerade Protectas-Leute laufen rum und führen sich teilweise wie Rambos auf. Diese Branche zieht doch solche "gewaltgeile" Rambos an. Das hat doch mit dem Lohn nichts zu tun. Warum arbeitet dann Protectas nicht nur mit Clubs zusammen, die bereit sind einige Franken mehr zu bezahlen??? Antworten



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