Panorama
Premiere: Im Emmental ist der Wolf los
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 16.04.2012 19 Kommentare
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In diesem Gebiet fanden sich Spuren des Wolfes (Bild: sgb/Google Earth)
Das gab es bisher noch nie: Ein Wolf wurde im Emmental gesichtet. Möglicherweise handelt es sich um den «Luzerner Wolf». (Bild: Colourbox)
Peter Juesy bezeichnet es als «sehr speziell»: Bisher hat sich der Wolf vom Emmental ferngehalten, nun hat er aber erstmals eindeutige Spuren hinterlassen. «Am 27.März wurde im Gebiet Schangnau-Schwand-Chemmeriboden eine gerissene Hirschkuh gefunden», sagt der kantonale Jagdinspektor. «Die DNA-Analyse hat ergeben, dass ein Wolf italienischer Abstammung das Tier getötet hat», so Juesy. Noch ist unklar, um welches Tier es sich genau handelt. Der Jagdinspektor hat allerdings eine Vermutung: Es könne sein, dass der sogenannte «Luzerner Wolf» der Übeltäter sei. «Er war in den letzten Jahren mehrmals im Grenzgebiet der beiden Kantone unterwegs.» Es sei aber auch möglich, dass man es hier mit einem bisher unbekannten Exemplar zu tun habe.
Kleines Konfliktpotenzial
Peter Juesy ist zwar überrascht, dass der Wolf im Emmental aufgetaucht ist, will dies aber auch nicht schlimmer machen, als es ist. «Das Konfliktpotenzial mit Schafen ist im Emmental nicht vergleichbar mit dem Berner Oberland.» Es habe hier anders als etwa im Simmental beispielsweise keine grossen Sömmerungsalpen. Deshalb sieht Juesy im Moment auch keinen Anlass für Sofortmassnahmen. «In einem ersten Schritt werden nun die örtlichen Kleinviehhalter und die Gemeinde Schangnau informiert.» Ob allenfalls Schutzzäune gezogen werden müssen oder ein Präventionsperimeter wie im Simmental ausgeschieden wird, wird an der Sitzung der Kerngruppe Wolf am 4.Mai besprochen.
Im Berner Oberland werden die Schafherden häufig mit Herdenschutzhunden vor den Wolf- und Luchsangriffen geschützt. Bis heute stehen im ganzen Kanton 37 Schutzhunde an 20 Standorten im Einsatz. Bei geschützten Herden bleiben Angriffe seither bis auf wenige Ausnahmen aus. Für den kantonalen Jagdinspektor gibt es für solche Schutzmassnahmen im Emmental jedoch vorerst keinen Grund, weil es kaum grosse Schafherden gibt.
Kein Abschuss
Peter Juesy sieht vorläufig keine Notwendigkeit, dem Wolf zu Leibe zu rücken oder ihn gar abzuschiessen: «Die Stossrichtung des Bundes ist klar: Erst wenn sich der Wolf flächendeckend ausgebreitet hat, erst wenn sich Rudel bilden und erst wenn die Wölfe Junge grossziehen, sollen bei grossen Schäden an Nutztieren Wölfe abgeschossen werden.» Letztmals wurde in der Schweiz vor knapp zwei Jahren ein Wolf geschossen, und zwar im Wallis. Es handelte sich nachweislich um das Tier mit dem mittlerweile berühmten Namen «M16», das mehr als 40 Schafe gerissen hatte und seit 2006 auch im Kanton Bern unterwegs gewesen war.
Wolf: Seit 1995 in der Schweiz
Im Kanton Bern ist der Wolf wie erwähnt hauptsächlich im Oberland aktiv. Ein Tier wurde auch schon vor den Stadttoren Thuns gesichtet. Auch im Gantrischgebiet wurden bereits Wolfsangriffe registriert. Es ist sechs Jahre her, seit der Wolf in den Kanton Bern zurückgekehrt ist, zuvor war er jahrelang verschwunden.
Das Gleiche gilt auch für den Rest der Schweiz: In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurden im Jura die letzten Exemplare beobachtet. Erst mehr als 100 Jahre später, 1995 nämlich, kehrte der Wolf in die Schweiz zurück. Über Italien ist er eingewandert. In unserem südlichen Nachbarland ist er nie ganz verschwunden. Heute weiss man, dass in den Kantonen Graubünden, Wallis und Tessin mindestens vier Wölfe leben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.04.2012, 10:23 Uhr
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19 Kommentare
WAS? Es werden keine Massnahmen ergriffen?! Dabei hat dieser üble Übeltäter doch eine Hirschkuh elendiglich hingeschlachtet. Wieso ist bei einem Bericht über eine Wolf immer zuerst von "Übeltäter", "schlimmer machen", "Konflikt", "Abschiessen" die Rede? Das Tier hatte ganz banal Hunger! Antworten
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