«Ich hatte Kneubühl immer im Hinterkopf»
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 17.09.2010 10 Kommentare
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Der Mon-Desirweg ist verlassen. Kein Polizist, kein Journalist, kein Anwohner ist zu sehen. Der Weg, an dem Peter Hans Kneubühl wohnte und die ganze Schweiz in Atem hielt, hat nichts Gefährliches, nichts Bedrohliches. Und auch die Ruhe ist vielmehr friedlich, denn gespenstisch. Durch ein offenes Fenster hört man lediglich die Nachrichtenstimme aus dem Fernseher.
Im Lindenweg lehnt sich ein junger Mann rauchend aus dem Fenster. «Das war schon immer ein ruhiges Quartier», sagt er. Eine Gegend, in der halt viele ältere Leute wohnen. Von der ganzen Aufregung um Kneubühl habe er ebenfalls nicht viel mitbekommen, sagt er, «ausser natürlich den Helikopter, den habe ich gehört». Das Quartier werde schnell wieder zur Normalität zurückfinden, glaubt er, «auch wenn man noch lange von Kneubühl reden wird». Nein, grosse Sorgen habe er sich nie gemacht, aber «etwas glücklicher» sei er jetzt doch, nun, da man ihn gefasst hat.
«Ein komisches Gefühl gehabt»
Eine Strasse weiter schliesst Heinz Moser seine Werkstatt ab. «Wir haben uns von dieser Sache nie aus der Ruhe bringen lassen», sagt er. Natürlich müsse man aber vorsichtig sein, wenn einer um sich schiesse. Angst habe er keine gehabt, aber doch «ein komisches Gefühl».
Den Namen Kneubühl kennt Moser gut. Er hat mit Peter Hans Kneubühls Vater jahrelang gearbeitet. Als die Polizei mit dem falschen Foto zu ihm kam, habe er gesagt: «Diesen Kneubühl kenne ich, aber Sie zeigen mir den alten.» Den jungen Kneubühl habe er aber nicht gut gekannt. Den habe man hier im Quartier auch kaum gesehen. Selbst ein Nachbar Kneubühls habe Moser gesagt, er habe Kneubühl noch nie zu Gesicht bekommen. «Er hatte wohl auch keine engen Freunde», so Moser.
«Viel einstecken»
Zwei Frauen Mitte 50 gehen vorbei und diskutieren auf Französisch: «Die Polizei hat viel einstecken müssen», sagt die eine. «Die haben auch Scheisse gebaut», die andere.
An der anderen Ecke will eine Rentnerin gerade in ihr Auto einsteigen. «Ich habe teilweise vergessen, was in unserem Quartier passiert», sagt sie. «Nur wenn ich die Polizei jeweils sah, habe ich wieder realisiert, was derzeit abläuft.» Es sei ihr ziemlich unwirklich vorgekommen. «Meine Haustür habe ich aber nach wie vor nicht abgeschlossen.»
Wenige Häuser weiter bringt eine Frau mit Kopftuch mit ihrem Sohn den Müll raus. Doch, um ihre Kinder habe sie sich schon gesorgt. Vor allem, wenn diese nicht wie besprochen zu einer bestimmten Zeit zu Hause waren. «Ich war zwar trotzdem spazieren, hatte aber immer im Hinterkopf, dass Kneubühl überall sein könnte.» Ihr Sohn wendet sich gelangweilt ab.
Es scheint, als sei das Lindenquartier auch in dieser turbulenten Zeit erstaunlich gelassen geblieben. Doch die Frau im Kopftuch gibt zu Bedenken: «Man hat schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt: Es war ruhiger als sonst – zu ruhig.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.09.2010, 14:42 Uhr
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10 Kommentare
Als Bieler finde ich es schon fast lustig, wie in den Medien mit der Bieler Topografie umgesprungen wird und wurde. Das arme Lindenquartier wo früher vor allem Lehrer und Beamte in Genossenschaftswohnungen lebten und ein paar wohlhabende. Das Ried soll in der Taubenlochschlucht sein und das Feld worauf K. verhaftet worden sein soll, da habe ich vor wenigen Tagen noch Pflanzen fotografiert. Antworten
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