Es war sein Plan, im Auto-Iglu zu überwintern
Aktualisiert am 22.02.2012 12 Kommentare
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Umeå (Schweden)
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- «Swede who survived two months in car ‹wanted to hibernate›» (Telegraph)
- «How did Swedish man survive in this frozen car at -30C for two months?» (Mail Online)
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Wäre es nach Peter Skyllberg gegangen, würde er immer noch in seinem Auto sitzen, sich von Schnee ernähren und auf den Frühling warten. «Ich will hier überwintern», sagte der 44-jährige Sonderling dem Polizisten Andreas Gidlund. Nach dem Hinweis eines Schneemobilfahrers hatte Gidlund am letzten Freitag mit einem Kollegen den Cherokee Jeep, in dem Peter Skyllberg seit dem 19. Dezember 2011 gelebt hatte, auf einem abgelegenen Waldweg mit riesigen Schneemassen bei Umeå entdeckt. «Ich habe gedacht, dass es eine gute Idee sei, hier zu überwintern», sagte der Mann im zugeschneiten Auto gemäss Medienberichten. Er habe sich einigermassen klar artikulieren können, erzählte der Polizist der britischen Zeitung «The Telegraph».
Erst nach einigem Zureden liess sich der stark abgemagerte und unterkühlte Mann überzeugen, ins Spital von Umeå gebracht zu werden. Dabei zeigte sich, dass er kaum Kraft hatte und nicht in der Lage war, allein zu gehen. Zwei Tage nach der Rettung, nach ersten ärztlichen Kontrollen, hatte Peter Skyllberg nur eines im Sinn: Er wollte zu seinem Auto zurück. Der Mann, dessen Geschichte um die Welt gegangen ist, befindet sich aber weiterhin in Spitalpflege. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, liessen die Ärzte diese Woche verlauten. Trotz des grossen Interesses der Öffentlichkeit gibt es bisher keine Fotos von Peter Skyllberg in den Medien.
«Das ist durchaus nicht ungewöhnlich»
Das «Wunder von Umeå» fasziniert die Menschen – und es wirft viele Fragen auf, auch unter Experten. Immerhin sass der 44-Jährige zwei Monate in einem Auto fest – und dies ohne Nahrung und bei nächtlichen Temperaturen von bis zu minus 30 Grad.
«Das ist durchaus nicht ungewöhnlich, so lange ohne Nahrung zu überleben», sagte Physiologieprofessor Ove Lundgren von der Universität Göteborg gemäss Medienberichten. «Ohne Flüssigkeit kann ein Mensch höchstens ein paar Tage überleben, aber Flüssigkeit hatte er ja genug.» Die Polizei bestätigte denn auch, dass Peter Skyllberg fast nur von Schnee gelebt hatte. Allerdings stand nach Ansicht von Physiologieprofessor Lundgren das Leben des Autoinsassen zuletzt auf der Kippe: «Ich glaube, dass er nicht viel länger durchgehalten hätte. Die Rettung kam genau rechtzeitig.»
Stefan Branth, Chefarzt der Uniklinik in Uppsala, erklärte der schwedischen Zeitung «Expressen», dass der menschliche Körper in einen Sparmodus umschalten könne, wenn die Nahrungszufuhr ausbleibt. Der Stoffwechsel des Körpers werde heruntergefahren. «Nur die lebenswichtigen Funktionen sind im Gange, das Herz schlägt sehr langsam.» Der Fall Skyllberg erinnert Branth an den Winterschlaf von Bären. 60 Tage ohne Essen: Das ist etwa die Zeit, die Menschen überleben, die aus Protest die Nahrungsaufnahme verweigern – bei normalen Temperaturen.
Guter Schlafsack, gute Kleidung – und der Iglu-Effekt
«Menschen können nicht wie Bären überwintern», sagte Ulf Segerberg, Chefarzt des Universitätsspital von Umeå, gemäss der Nachrichtenwebsite «Mail online». Dass der 44-Jährige nicht erfror, lag laut Segerberg unter anderem daran, dass er mit seinem Schlafsack und hochwertiger Kleidung gut ausgestattet war. Nicht zuletzt habe Peter Skyllberg von einem Iglu-Effekt profitiert. Demnach hatte die dicke Schneeschicht rund um das Auto eine isolierende Wirkung gegen die tödliche Kälte. Wie bei einem Iglu seien die Wände zwar kalt, hielten aber trotzdem die Wärme im Auto. Diese Schutzmethode nutzen auch Bergsteiger und Inuit. Zudem sind die nordschwedischen Winter zwar kalt, aber sehr trocken. Und dies trug dazu bei, dass die Kälte wohl nicht so leicht ins Wageninnere eindrang, wie schwedische Medien berichten.
Persönliche und finanzielle Probleme
Laut Polizeiangaben stammt Peter Skyllberg aus der Stadt Örebro im Zentrum des Landes, rund 200 Kilometer von Stockholm entfernt. Der Hintergrund der Flucht in die Wälder von Mittelschweden ist wohl die Häufung von persönlichen und finanziellen Problemen im letzten Jahr. Gemäss der Zeitung «Svenska Dagbladet» konnte der Mann, der in der Immobilienbranche gearbeitet haben soll, den Ratenzahlungen für sein Eigenheim nicht mehr nachkommen. Nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte, blieb er allein mit Schulden von umgerechnet 200'000 Franken.
Peter Skyllberg hatte kaum soziale Kontakte. Als er verschwand, vermisste ihn niemand. Dass der Einzelgänger in seinem Auto überwintern wollte, wie er den Polizisten erzählte, erstaunt eigentlich nicht. (vin)
Erstellt: 22.02.2012, 12:31 Uhr
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12 Kommentare
Ich nehme an, in Schweden gibt es eine gute psychiatrische Versorgung, die auch diesen Herrn mal darauf überprüft, inwieweit er selbstgefährdend gehandelt hat und damit seiner Umgebung Kosten und Arbeit aufgebürdet hat. Schliesslich hätte der Staat dann die gut abgekaltete Leiche samt Auto dann entsorgen dürfen. Antworten
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