«Solche Zufälle gibt es nicht»

Im Freizeitpark Connyland im thurgauischen Lipperswil ist am Sonntagnachmittag ein weiterer Delfin gestorben. Sprecher Erich Brandenberger äussert sich im Video-Interview.

«Wir warten auf erste Ergebnisse»: Connyland-Sprecher Erich Brandenberger.
Video: Keystone

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Im Freizeitpark «Connyland» im thurgauischen Lipperswil ist gestern Nachmittag zum zweiten Mal innert einer Woche ein Delfin gestorben. Laut einem Tierarzt könnten die Tiere vergiftet worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eröffnet.

«Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren», sagte Staatsanwalt Patrick Müller am Montag der Nachrichtenagentur sda. Die beiden toten Delfine würden genau untersucht. Die toxikologischen Abklärungen seien kompliziert. Laut Müller werden auch Personen befragt und Spuren gesichert.

Mitarbeiter des Connyland hatten am Sonntagnachmittag bemerkt, dass es dem 30-jährigen Delfinmännchen «Chelmers» plötzlich schlecht ging. Sie riefen einen Tierarzt. Dieser konnte aber den Tod des Delfins nicht mehr verhindern.

Bereits am vergangenen Dienstag war der achtjährige «Shadow» mit den gleichen Symptomen im Delfinbecken in Lipperswil ganz unerwartet gestorben. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Fällen könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Thurgauer Kantonspolizei mit.

Anonyme Drohungen

Das Connyland hatte vergangene Woche anonyme Drohungen erhalten. Diese richteten sich allerdings gegen die Betreiber des Freizeitparks, nicht gegen die Tiere, sagte der Staatsanwalt.

Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig zeigte sich gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz von Radio DRS «tief betroffen» und «ohnmächtig». Es gebe keinen Grund, dem Delfinarium die Bewilligung zu entziehen. Die Delfinhaltung im Connyland entspreche den Vorschriften.

Kritik von Tierschützern

Mit «grosser Bestürzung» reagierten die deutschen Tierschutzorganisationen «Wal- und Delfinschutz-Forum» (WDSF) und «ProWal» auf den zweiten Delfintod in Lipperswil. Sie forderten eine Beschlagnahme der verbliebenen drei Delfine des Connylands.

Seit 2008 seien acht Delfine im Connyland gestorben, heisst es im Communiqué. Die Vermutung, die Delfine könnten vergiftet worden sein, sei eine Schutzbehauptung. Das Connyland versuche damit «von den eigenen Missständen abzulenken».

Das Delfinarium habe derzeit Winterpause und sei geschlossen. Zugang habe nur das Personal und die Geschäftsführung. «Wer soll dann dort Delfine vergiftet haben?»

Das Connyland stand wegen seiner Delfinhaltung schon seit einiger Zeit in der Kritik. «ProWal» und das «Wal- und Delfinschutz-Forum» (WDSF) hatten vergangene Woche einen Zusammenhang des ersten Delfintods mit einer Techno-Party im Connyland vermutet.

Importverbot für Delfine gefordert

Sie übten Kritik am Veterinäramt des Kantons Thurgau, weil dieses die Techno-Party nicht verboten habe. Die Bündner Nationalrätin Brigitta Gadient (BDP) hat im Parlament einen Vorstoss eingereicht. Sie will, dass die Schweiz den Import von Delfinen verbietet.

Auch die Organisation «OceanCare» unterstützt die Forderung eines Importverbots. Nur so lasse sich der «Missbrauch von Show-Delfinen wirksam unterbinden», schrieb OceanCare. Die Organisation will am kommenden Donnerstag in Bern eine von 77'500 Tierfreunden unterzeichnete Petition einreichen. (ami, sam, rub/sda)

Erstellt: 14.11.2011, 16:36 Uhr

Delfine sind das Aushängeschild im Freizeitpark: Skulptur im Connyland. (Bild: Keystone )

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