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«Er zeigt Reue, will aber nicht an allem schuld sein»

Aktualisiert am 01.05.2012

Am ersten Prozesstag um den Dreifachmord von Grenchen gab es zwei geständige Täter. Im Video gibt Gerichtsreporter Vincenzo Capodici eine Einschätzung.

Analysiert den ersten Prozesstag: DerBund.ch/Newsnet-Gerichtsreporter Vincenzo Capodici.
Video: Jan Derrer

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Prozess zum dreifachen Mord in Grenchen

Prozess zum dreifachen Mord in Grenchen
Ende April begann in Solothurn der Prozess um die Schenkkreis-Morde von Grenchen. Vor Gericht stehen zwei Männer und eine Frau.

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Vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern ging heute der erste Prozesstag zum Dreifachmord von Grenchen SO zu Ende. DerBund.ch/Newsnet-Gerichtsreporter Vincenzo Capodici begleitete den Mordprozess . Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen schilderten die beiden Angeklagten Patric S. (35) und Guido S. (27) dem Gericht ihre Versionen des Tötungsdeliktes vom Juni 2009. Ihnen wurden die Fussfesseln auch im Gerichtssaal nicht abgenommen.

Sie legten erneut ein Geständnis ab und beschrieben detailliert, wie brutal sie die dreiköpfige Familie in derer Wohnung in Grenchen auslöschten. Die beiden Männer sagten aus, dass sie mit dem Überfall Schulden bei der ebenfalls angeklagten Ruth S. (51) tilgen wollten. In der Wohnung fand das Duo jedoch lediglich 5000 Franken, 600 Euro, vier Uhren und Modeschmuck. Die Angeklagte soll am Dienstag befragt werden. Sie gilt als mutmassliche Drahtzieherin.

Mehrfacher Mord

Den drei Beschuldigten werden als zentrale Anklagepunkte mehrfacher Mord, qualifizierter Raub sowie strafbare Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub vorgeworfen. Der Staatsanwalt gibt die Strafanträge erst im Verlauf des Prozesses bekannt. Gegenüber DerBund.ch/Newsnet sagte er heute: «Gegenüber den Medien nehme ich nur zu Verständnisfragen Stellung. Einschätzungen werde ich vor meinem Plädoyer am Mittwoch nicht geben.»

Bei den sogenannten Schenkkreis-Morden wurden am 5. Juni 2009 ein 60-jähriger Mann, dessen 55-jährige Frau sowie die 35-jährige Tochter in Grenchen umgebracht. Der Mann wurde erschossen, die beiden Frauen gewürgt und mit Plastiksäcken erstickt. Die Angeklagten hofften auf grosse Beute. Das Trio ging davon aus, dass die Familie wegen ihrer Beteiligung an Schenkkreisen über sehr viel Bargeld verfügte. Alle drei Angeklagten waren selber in diese verbotenen Kreise verwickelt, die nach dem Schneeballsystem funktionierten.

Die Frau soll zu Morden angestiftet haben

Guido S. legte erneut ein Geständnis ab - er las dabei von einem 56-seitigen Text ab. Er sprach rund zwei Stunden und gab zu, die Tochter mit einem Kehrichtsack erstickt zu haben. Er schilderte auch seine Lebensgeschichte: Schwach in der Schule, keine Berufslehre beendet und danach mehrheitlich arbeitslos. Er betonte, dass die Tat ihm «von Herzen leid» tue und «unentschuldbar» sei. Er sei «naiv» gewesen und habe der angeklagten Frau «blind vertraut».

Die Frau kennt er seit seiner Kindheit. Ihr Verhältnis sei mit «Mutter und Sohn» zu vergleichen, sagte er. Sie hatte ihm Geld geliehen, damit er sich selbstständig machen konnte. Die Idee und Planung des Tötungsdelikts schrieb er der Angeklagten zu. Diese habe die beiden Männer angewiesen, die Opfer mit Chloroform zu betäuben und mit Plastiksäcken zu ersticken.

Besonders grausam vorgegangen

Der ehemalige Spitzensportler Patric S. legte ebenfalls zu Beginn seiner Befragung ein Geständnis ab. Er gab zu, den 60-jährigen Mann erschossen und die 55-jährige Frau erstickt zu haben. Er bestritt jedoch, den Mord an der 35-jährige Tochter angeordnet zu haben. Er sagte ebenfalls, dass die Idee zum Raub von der angeklagten Frau gekommen sei. Sie hätten gewusst, dass es sich bei den illegalen Schenkkreisen um Schwarzgeld gehandelt habe. Deshalb hätten sie damit gerechnet, dass die Opfer keine Anzeige erstatten würden.

Er entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer für das Tötungsdelikt. Dabei blieb er gefasst und sprach über die Morde weitgehend emotionslos. Zur Tatzeit hatte er Schulden in der Höhe von 75'000 Franken. Allein für Anabolika gab er monatlich 3000 Franken aus.

Der Rat der Wahrsagerin

Er wurde auch zu einer Wahrsagerin befragt, welche sie vor der Tat konsultiert hatten. Diese sei wie eine zweite Mutterperson für ihn gewesen. Vor der Tat hätten sie in die Karten geschaut um zu prüfen, ob wirklich soviel Geld da sei. Patric S. gab zu, dass er und der zweite Angeklagte besonders grausam vorgegangen seien. Sie hätten nach dem ersten Mord nicht aufgehört, da sie nicht mit leeren Händen hätten zurückkehren wollen.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Die Verhandlungen dauern voraussichtlich bis Freitag. Die Urteile werden am 11. Mai eröffnet. (jd/sda)

Erstellt: 30.04.2012, 21:40 Uhr

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