Engels Marathon rund um die Welt
Von Christian Brüngger. Aktualisiert am 08.02.2011 5 Kommentare
Wenn Stefaan Engels in den vergangenen 52 Wochen arbeitete, erinnerte er an «Forrest Gump». Der Belgier rannte, rannte, rannte – wie die von Tom Hanks verkörperte Hauptfigur im Oscar-gekrönten Film. Im Vergleich mit Engels ist Gump aber ein Kurzläufer. Exakt 42'195 m lief Engels pro Tag. Das entspricht einem Marathon. Entscheidend ist der Zusatz: Engels rannte diese 42'195 m ein Jahr lang jeden Tag. Bis zu diesem Wochenende. Das sind 15'401'175 m, Weltrekord und 25 Paar zerlaufene Schuhe.
Asthma in der Jugend
Dass überhaupt solche Statistiken geführt werden, verdeutlicht die immer absurdere Suche nach Grenzerfahrungen. Zumal Engels’ Botschaft eine simple ist – haltet euch fit! – und seine Voraussetzungen eher suboptimal sind: Als ein Arzt bei ihm in der Jugend Asthma feststellte, riet er ihm von zu viel Sport ab. Engels tat das Gegenteil. 2008 etwa legte der frühere Designer 20 Ironmen innert eines Jahres zurück, also insgesamt 76 km Schwimmen, 3600 km Radfahren und 843,9 km Laufen. Engels besitzt eine himmlische Ausdauer. Wer sich nun fragt, wie eine solche Marathon-Dauerleistung überhaupt möglich ist, findet darin eine erste Erklärung: Engels hat seinen Körper in vielen Jahren an die Strapazen herangeführt. Zudem lief er die Marathons in für ihn sehr langsamem Tempo.
Bier als Belohnung
Vier Stunden betrug seine durchschnittliche Zeit pro 42,2 km (die schnellste war 2:56 Stunden). Das entlastete seinen Bewegungsapparat. Sein betreuender Arzt behauptete darum im Vorfeld: «Es muss nicht zwingend ungesund sein.» Von Verletzungen und Krankheiten blieb Engels fast verschont.
Grösser als die körperliche empfand der 49-Jährige die mentale Herausforderung. Seine Strategie, das endlos scheinende Ziel zu meistern: «Denke nur an den aktuellen Tag, nicht an morgen oder nächste Woche.» Täglich belohnte sich Engels mit ein, zwei oder auch drei Bier, und er ass, was sein Magen forderte. Ausser einem täglichen Aspirin schluckte er keine Medizin. Nun gedenkt er, einige Wochen zu pausieren, um sich zu erholen und ein Buch über sein Laufjahr zu schreiben. Die dramaturgische Vorlage ist naheliegend: Forrest Gump. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.02.2011, 23:18 Uhr
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