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Empörung über «Weltwoche»-Titelbild erreicht Deutschland

Aktualisiert am 12.04.2012

Die Darstellung eines bewaffneten Roma-Kindes auf dem Cover der «Weltwoche» löst neue Proteste aus: Die Fotoagentur spricht von einem missbräuchlichen Gebrauch des Bildes. Zudem ging eine weitere Strafanzeige ein.

Rassistische Hetze oder Bild mit hohem Symbolwert? Das umstrittene Titelbild der «Weltwoche».

Die Fotoagentur bezichtigt die Weltwoche des Missbrauchs: «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel. (Archivbild)

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Das Bild eines Roma-Kindes mit Waffe auf der Titelseite der Schweizer Wochenzeitung «Weltwoche» stösst auch in Deutschland auf Empörung. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat gestern Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der «Weltwoche» eingereicht. Die Bildagentur laif bezeichnet die Verwendung des Fotos als missbräuchlich.

Die Aufmachung und die Darstellung in den dazugehörigen Artikeln kriminalisierten in volksverhetzender Weise die Volksgruppe der Sinti und Roma, teilte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma mit. Die Strafanzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft in Heidelberg eingereicht.

Es wird Generalverdacht erweckt

Durch die hervorgehobene ethnische Kennzeichnung von unbekannten Beschuldigten würden rassistische Stereotypen im Stile der nationalsozialistischen Zuschreibungen gegenüber der Minderheit befördert.

Wie damals werde der Eindruck «abstammungsbedingter Kriminalität» erzeugt und Sinti und Roma würden dadurch öffentlich unter Generalverdacht gestellt. Der Zentralrat fordert zudem einen Stopp des Vertriebs der Ausgabe in Deutschland.

Anzeigen gegen die «Weltwoche» hatten bereits der österreichische Journalist Klaus Kamolz und eine im Kanton Baselland wohnhafte Frau erstattet. Zudem kündigte die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) an, sich mit dem Bericht zu befassen.

Bildagentur erklärt Missbrauch

Die Bildagentur laif hat unterdessen einen Missbrauch des Bildes erklärt. Ein Foto aus einer Reportage ihres Fotografen Livio Mancini sei sinnentstellend und wahrheitsverändernd verwendet worden.

Die Aussage des Bildes sei ins Gegenteil verkehrt und als Illustration für einen Artikel missbraucht worden. Laif forderte die Fotoredaktionen auf, Bilder ausschliesslich in dem Kontext zu verwenden, in dem sie entstanden sind.

Mancini hatte das Kind 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der südwestkosovarischen Stadt Gjakova an der Grenze zu Albanien aufgenommen. Dort lebten Roma-Kinder mit ihren Familien und nutzten die giftige Abfallhalde als Spielplatz.

Weltwoche weist Vorwurf zurück

Die Weltwoche weist den Vorwurf einer missbräuchlichen Verwendung des Bildes in aller Entschiedenheit zurück, wie der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Gut ist Co-Autor des Artikels.

«Der Kauf des Bildes ist von A bis Z korrekt abgelaufen», sagt Gut. Das sei ein alltäglicher Vorgang, wie er auf jeder Redaktion routinemässig vorkomme. Bei diesem Bild habe es keinerlei Restriktionen durch die Agentur gegeben.

Gut sieht auch auf inhaltlicher Ebene keinen Missbrauch. Es gehe im Text um kriminelle Roma-Banden, die Kinder für verbrecherische Zwecke einsetzen. «Das Bild symbolisiert diesen Missbrauch von Minderjährigen», so Gut.

(mrs/sda)

Erstellt: 11.04.2012, 21:59 Uhr

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