Eine Zugfahrt in ein besseres Leben

Als 5-Jähriger ging Sheru in Indien beim Betteln verloren. Von reichen Australiern gerettet, wuchs er als Saroo Brierley in Hobart auf. Nach 25 Jahren fand er nun seine Familie wieder – mit Hilfe von Google Earth.

Wieder vereint nach 25 Jahren: Saroo Brierley mit seiner Mutter in Khandwa. (Bild: Themercury.com)

Wieder vereint nach 25 Jahren: Saroo Brierley mit seiner Mutter in Khandwa. (Bild: Themercury.com)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Erst wenige Tage ist es her, dass Saroo Brierley in der indischen Stadt Khandwa seine Eltern und Geschwister wieder in die Arme schliessen konnte. Seit er vor 25 Jahren von seiner Familie getrennt worden war, hat der heute 30-Jährige nach ihnen gesucht.

Wie die australische Zeitung «The Mercury» berichtet, bettelte der 5-jährige Sheru, wie Saroo Brierley damals noch hiess, zusammen mit seinem älteren Bruder am Bahnhof von Khandwa. Auf dem Nachhauseweg stieg er in den falschen Zug, schlief ein und erwachte erst zehn Stunden später in Kalkutta auf der anderen Seite des Landes.

Die Suche mit Google Earth

In Kalkutta schlug sich der Junge mit Betteln durch, bis ihn eine NGO rettete und ihn in ein Waisenhaus brachte. Damit nahm sein Leben eine drastische Wende. Ein reiches Ehepaar aus dem australischen Bundesstaat Tasmanien entschied sich, den kleinen Sheru zu adoptieren und nahm ihn mit nach Hobart. Dort wuchs er in gutem Hause auf, studierte Betriebswirtschaft an der Universität Canberra und leitet heute das Familienunternehmen Brierley Hose and Handling.

Doch Saroo Brierley vergass nie, woher er kam. «Ich hatte die Bilder von meinem Heimatdorf und von den Gesichtern meiner Familie immer im Kopf», sagte er gegenüber der Zeitung. Über zehn Jahre lang versuchte er seine leiblichen Eltern aufzuspüren. Er habe viele Stunden auf Google Earth verbracht, ganz nah herangezoomt, und gehofft, den Ort in seinem Kopf im Internet wiederzufinden. Schliesslich setzte er alles auf eine Karte, flog nach Indien und machte sich in den Ganesh-Talai-Slums in Khandwa auf die Suche – und dies mit Erfolg.

Wahrsagerin sagte Wiedersehen voraus

«Ich kann es kaum fassen, dass ich meine Eltern wiedergefunden habe», sagte er. In Anbetracht der riesigen Bevölkerungszahl in Indien und seines Alters, als er seine Eltern das letzte Mal gesehen habe, grenze dies an ein Wunder.

An ein Wunder glaubt auch seine Mutter. Sie hätten nie aufgehört nach ihm zu suchen, nachdem er verloren gegangen sei, sagte sie ihrem Sohn nach dem Wiedersehen. Eine Wahrsagerin habe ihr einmal gesagt, dass die Familie irgendwann wieder vereint werde.

Ganz zurückkehren in seine Geburtsstadt möchte Saroo Brierley trotz der Wiedervereinigung mit seiner Familie nicht. Doch möchte er regelmässig von Hobart nach Indien fliegen, um seine Lieben in den Slums zu besuchen. (wid)

(Erstellt: 16.03.2012, 15:16 Uhr)

Artikel zum Thema

Hüttikerin baut für Kinder in Indien

Maria Constanti sammelte in den vergangenen vier Jahren 140 000 Franken für den Bau eines Heims für Behinderte und Waisen. Im Mai ist es bezugsbereit. Mehr...

«Das weisse Band» schlägt «Slumdog Millionaire»

Der Film zog sich wie ein roter Faden durch den Abend des Europäischen Filmpreises 2009: «Das weisse Band» ist der grosse Gewinner und räumte drei von fünfzehn Auszeichnungen ab. Mehr...

Oscar schützt vor Bulldozern

In einem Elendsviertel der indischen Metropole Mumbai haben Arbeiter Hütten rund um die Behausung eines Kinderstars aus dem Film «Slumdog Millionaire» eingerissen. Mehr...

Ein Happy End: Die Zeitung «The Mercury» berichtet über die Geschichte von Saroo Brierley. (Screenshot)

Verzeichnis- & Serviceportal

Marktplatz

Die Welt in Bildern

Jagdinstinkt: Im Wildpark Entebbe, Uganda, holt sich ein Löwe das Futter vom Baum. (31. Oktober 2014)
(Bild: Edward Echwalu ) Mehr...