Ein Hund zerstört die Arbeit der Affenflüsterin
Claude-Bettina Anhoeck kann es gut mit Tieren. «Schon immer», sagt die Fotografin aus Uhwiesen. Dreimal war sie jetzt bei den ausgebüxten Berberaffen vom Plättli-Zoo und von Mal zu Mal wagten sich die Tiere näher an sie heran. Anhoecks Plan: Mit Klickgeräuschen («klingt wie der gute alte Spielzeugfrosch aus Blech») will sie das Vertrauen der Tiere gewinnen und diese zurück in den Zoo locken.
Der Auftakt war gestern vielsprechend, die Affen waren sehr zutraulich. Aber dann stürmte ein freilaufender Hund in das Rudel und trieb die Affen in die Flucht. Er gehörte zu zwei Frauen und einer Gruppe von Kindern.
Claude-Bettina Anhoeck musste daraufhin ihre Arbeit abbrechen. «Ich brauche dafür zwingend Ruhe», sagt sie. Die Affenflüsterin will es heute Freitag nochmals versuchen. Das Futter der Affen soll mit einer Paste bestrichen werden, die Schlafmittel enthält. Es sei die letzte Chance, die Tiere vor dem Wochenende zurück ins Gehege zu bringen. Denn am Samstag und Sonntag werde der grosse Tourismus in den Affenwald von Frauenfeld einsetzen, befürchtet Anhoeck.
Wandern die Affen ab?
Rummel wäre aber das Schlimmste, was den Affen passieren kann. Das sagt auch Mark Rissi vom Schweizer Tierschutz. Rissi hat bereits Filme über den Affenberg Salem und auch über den Plättli-Zoo gedreht.
Er versteht nicht, warum die Affen noch immer in Freiheit sind. Wenn sie nicht bald eingefangen werden, bestehe die Gefahr, dass sie abwandern, sagt Rissi. Das wäre dann der Anfang einer wilden Affenpopulation in der Schweiz. Soweit müsste es aber gar nicht kommen. Es reiche schon ein Verkehrsunfall, den ein Affe verursacht. Oder aber eines der Tiere dringt in einen Garten ein, wird von einem Kind bedrängt, fühlt sich eingeengt und könnte dann zubeissen.
Die Tiere einzufangen sei leichter gesagt als getan, sagt Walter Mauerhofer, der Besitzer des Plättli-Zoos. Nach einer Schulteroperation kam er am Mittwoch vom Spital nach Hause. Er kennt seine Affen, sie seien klug und flink. «Die waren schlauer als ich, sonst wären sie nicht ausgebüxt», sagt Mauerhofer.
Er ist nicht sicher, ob der Plan mit der Schlafmittel-Paste auf dem Futter klappt. Diese Methode habe man schon vor etwa 40 Jahren probiert, als ein Affe aus dem Plättli-Zoo ausriss. Dem Tier habe das Beruhigungsmittel aber nicht geschmeckt. Er wurde erst eingefangen, als er in einer Küche nach Essen suchte.
Experten sollen helfen
Alles, was er bisher gehört hat, klingt für Tierschützer Rissi, als sei der Plättli-Zoo mit der Situation überfordert. Er rät den Zoo-Betreibern deshalb, sich möglichst schnell Hilfe zu holen.
Zum Beispiel von den Experten des Affenberges in Salem oder der Universität Zürich. Rissi ist überzeugt, dass sich Berberaffen durchaus mit Kastenfallen fangen lassen. In Salem werde das regelmässig gemacht, etwa um die Tiere zu impfen. (ThurgauerZeitung)
Erstellt: 03.09.2010, 08:28 Uhr
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