Panorama

Die vermissten Frauen

Von Erika Burri. Aktualisiert am 25.08.2011 4 Kommentare

In den letzten vier Monaten sind in der Schweiz gleich fünf Eritreerinnen spurlos verschwunden. Die letzte Anfang dieser Woche.

Angehörige können sich ihr Verschwinden nicht erklären: Yordanos Z. (24), Feven B. (28), Milete A. (28), Yohana F. (12)

Angehörige können sich ihr Verschwinden nicht erklären: Yordanos Z. (24), Feven B. (28), Milete A. (28), Yohana F. (12)
Bild: Kapo Luzern

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Es könnte alles Zufall sein. Doch so viele verschwundene junge Frauen, alle aus dem gleichen Land, machen stutzig. Anfang Mai wurde die erste Eritreerin als vermisst gemeldet. Milete heisst sie, ist 28 Jahre alt, wohnhaft im Kanton Luzern. Eine Woche später meldete die Kantonspolizei Luzern wieder eine Vermisste, Yordanos (24), Eritreerin. Und einen Monat später dann gleich nochmals eine: Feven (28). Am 11. August ging Lidia in Basel, wo sie wohnt, Basketball spielen und kam bis heute nicht mehr zurück. Sie ist 13. Und seit Anfang Woche sucht die Luzerner Polizei auch nach der 12-jährigen Yohana.

Insgesamt sind es fünf Eritreerinnen, die in den letzten vier Monaten verschwunden sind. Wohin genau, weiss niemand. Spekulationen machen die Runde: Waren es Menschenhändler? Simon Kopp, Sprecher der Kantonspolizei Luzern, sagt: «Es gibt keine Hinweise auf ein Verbrechen.» Auffällig aber ist: Von keiner anderen ausländischen Volksgruppe werden mehr Frauen vermisst als von den Eritreern. Die Frauen haben sich Abklärungen zufolge nicht gekannt.

Streit mit der Familie

Die beiden Teenagermädchen hatten, tönt die Polizei an, vor ihrem Verschwinden Probleme oder gar Streit mit den Eltern. Von Lidia, die erst seit acht Monaten in Basel lebte, ist bekannt, dass sie mehrere Hundert Franken bei sich hatte, als sie vom Spielen nicht mehr zurückkehrte. Ein Gewaltverbrechen hält auch der Basler Polizeisprecher Klaus Mannhart für unwahrscheinlich. Es sei möglich, sagt er, dass eine Liebesangelegenheit der Grund für das Verschwinden des Mädchens sei, das frühreif sein soll: «In diesem Alter kommt es vor, dass Mädchen abhauen.»

Über die drei Frauen über zwanzig ist wenig bekannt. Die meisten von ihnen waren wie Lidia noch nicht lange in der Schweiz. Vermutlich kamen einige von ihnen im Rahmen des Familiennachzuges. Eine Frau ist verheiratet. Ihr Ehemann, so die Polizei, zeige sich ratlos. Für das Verschwinden seiner Frau habe er keine Erklärung. Die Luzerner Polizei ermittelt in alle Richtungen. Sie zieht auch Kenner der eritreischen Diaspora bei. «Um die Fälle zu klären, müssen wir die Kultur kennen», sagt Kopp.

Viele Eritreerinnen sind mit ihrem Leben in Europa nicht zufrieden.

Einer, der die eritreische Kultur kennt, ist Toni Locher (62), Frauenarzt in Wettingen. Er ist Präsident des Schweizerischen Unterstützungskomitees für Eritrea. Über 50-mal war er im Land, das seit 1991 von Äthiopien unabhängig ist und sich seit Jahrzehnten im Krieg befindet. 1998 hat der Staat entschieden, dass die Militärpflicht nicht mehr endet und jeder jederzeit wieder einberufen werden kann – ein Grund, wieso viele Junge das Land verlassen. Die meisten Asylgesuche kommen dieses Jahr gar von Eritreern.

Die eritreische Kultur beschreibt Locher als sehr patriarchal. Zudem seien die Menschen äusserst verschlossen, die Frauen sehr schamhaft. Mit Fremden würden die Eritreer kaum über ihre Probleme sprechen. «Kein Wunder», findet Locher, «erfährt die Polizei von den Angehörigen wenig.»

Bei Verwandten?

Locher weiss, dass viele Eritreerinnen mit ihrem Leben in Europa, mit eigener Kleinfamilie, Mann und Kind, nicht gut zurechtkommen und unzufrieden sind. «Viele sind auch psychisch traumatisiert», sagt Locher. Von der Flucht nach Europa, auf der Vergewaltigungen traurige Realität seien, von der Beschneidung, die ihnen starke Probleme bei der Sexualität bereite, oder von den Kriegsereignissen in der Heimat. Wenn es in der Ehe schwierig werde oder gar Gewalt ins Spiel komme, biete den Frauen die eigene Familie Hilfe. «Die Familienbande sind für eritreische Frauen viel wichtiger als ein Mann.» Alle Eritreer hätten irgendwo in Europa Verwandte, bei denen die Frauen Unterschlupf finden könnten. Auch Locher glaubt nicht, dass bei den älteren drei Vermissten ein Verbrechen der Grund für ihr Verschwinden ist. Eher denkt er: «Den Frauen wurde es zu viel. Darum sind sie abgehauen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2011, 21:51 Uhr

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4 Kommentare

Loredana Wander

25.08.2011, 07:14 Uhr
Melden 16 Empfehlung

Diese Kultur hätte man auch nie reinlasen dürfen, die leben ganz andere Sitten können sich hier nie anpassen.
Vielleicht wollten diese Frauen zurück in ihr Land, weil sie sich bei uns unverstanden fühlten. Wie das Familienoberhaupt seine Frauen Töchtern behandelt, sicher mit Unterdrückung und vielen Verboten. Mit dieser Kultur könnte ich mich nie anfreunden, ist ein grasser unterschied zur CH.
Antworten


Claudia Huser

25.08.2011, 08:42 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Schaut mal bei den Botschaften nach......... es dürfte nicht so schwer sein diese Frauen zu finden. Antworten



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